Gesellschaftlicher Realismus

Interview mit Autorin Britta Stöckle

Als Absolventin der Filmakademie Ludwigsburg im Studienschwerpunkt Dokumentarfilm hat Autorin Britta Stöckle den Tagesablauf und den persönlichen Alltag einer Gerichtsvollzieherin gründlich recherchiert. Sie hat ein besonderes Interesse an relevanten sozialen Themen und schildert gerne Menschen von Nebenan mit ihren Ängsten und Widersprüchen. Es geht ihr dabei um den Blick für das Wesentliche und emotionale Authentizität.

Carla und Bernd
Carla und Bernd


ZDF: Wie gingen Sie bei der Recherche vor?



Britta Stöckle: Ich habe mich mich mit wirklichen Gerichtsvollzieherinnen getroffen, sie sogar über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen bei ihren Pfändeterminen vor Ort begleitet, um ihren Alltag näher kennenzulernen.


ZDF: Was haben Sie alles erfahren? Stöckle: Jede dieser Finanzbeamten hat ihr eigenes Prinzip, wie sie den Beruf ausführt. Eine zum Beispiel stellte klar: "Ich pfände nicht zehn Tage vor Weihnachten." Die Gerichtsvollzieher haben einen gewissen Spielraum.



ZDF: Sie haben den Bayrischen Fernsehpreis für "Geht´s nicht gibt´s nich", einen Film über die Verschuldung von Jugendlichen, bekommen. Bei "Ich habe es Dir nie erzählt" geht es auch um Finanznöte von Menschen und um Rehabilitierung. Haben Sie ein Faible für soziale Themen im Film?


Stöckle: Ich komme ja aus dem Bereich des Dokumentarfilms, habe Regie studiert. Für mich ist es spannend, gesellschaftlich relevante Themen in einem Fernsehfilm auzuloten, Geschichten in authentischen Milieus zu platzieren und ganz nebenbei die Emotionen der Zuschauer zu wecken. Denn darum geht es ja beim Erzählen von Geschichten.


ZDF: Und was ist "Ich habe es Dir nie erzählt" für Sie?


Stöckle: Es ist für mich in erster Linie eine große Liebesgeschichte, die Geschichte einer Frau, die sich, vor lauter Angst verletzt zu werden, schon ewig nicht mehr auf eine neue Beziehung eingelassen hat. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, ist stolz auf ihre Unabhängigkeit und scheint niemanden für ihr Herz zu brauchen. Als sie dann auf einen Mann trifft, der sich von dieser Haltung nicht abschrecken lässt und ihren Schutzpanzer durchbricht, misstraut sie ihrem Glück. Durch eine Verkettung von vielen Umständen kommt es dann zu erneuten Verletzungen.


ZDF: Wie war die Zusammenarbeit mit Johannes Fabrick?


Stöckle: Sehr erfreulich und sehr spannend. Er ist ein Regisseur, der ganz genau nachfragt. Er hat diese ganz besondere Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit, mit der er und sein Kamermann, Helmut Pirnat, auch eine ausgezeichnete Bildsprache für die Geschichte gefunden haben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet