"Glück muss man auch haben"

Interview mit Dr. Markus Thalmann, dem echten Herzchirurgen und Fachberater des Films

Dr. Markus Thalmann ist so etwas wie ein moderner Held: In einer der spektakulärsten Rettungsaktionen der modernen Medizin kämpfte er viele Stunden lang um ein eigentlich schon verloren geglaubtes Mädchen und bahnte ihr einen Weg zurück ins Leben. Er beschreibt, was die Verfilmung seiner eigenen Geschichte für ihn bedeutet und wie er sich in der von Ken Duken verkörperten Rolle wiederfindet.

Dr. Markus Thalmann bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Das Wunder von Kärnten"
Dr. Markus Thalmann bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Das Wunder von Kärnten"


ZDF: Wie ging es Ihnen, als Sie hörten, dass Ihre eigene Geschichte verfilmt werden soll?

Dr. Markus Thalmann bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Das Wunder von Kärnten"
Das Wunder von Kärnten_Dr. Markus Thalmann_int


Dr. Markus Thalmann: Das erste Gefühl war sicher sehr positiv. Man freut sich natürlich, wenn das erste Mal der Film anklopft und sich für eine Geschichte interessiert, die man selbst erlebt. Ein wenig so wie: "Hallo, hier spricht Hollywood". Der nächste Gedanke war eher ein kritischer. Denn, so spannend die Ereignisse auch waren und nicht nur mich, sondern alle Beteiligten geprägt haben, stellte sich mir die Frage: Wie kann man diesen Stoff - eine mehrstündige OP - filmisch umsetzen? Andreas Prochaska hat dies jedoch letztendlich in wunderbarer Weise geschafft.


ZDF: Herzchirurgie ist Ihre Profession. Wie macht man aus einem Schauspieler einen glaubwürdigen Chirurgen?


Thalmann: Die Zeit in Klagenfurt im OP wie auch das gemeinsame Durcharbeiten des Drehbuchs haben mir sehr viel Spaß gemacht. Das war für mich eine tolle Erfahrung, die Filmwelt einmal kennenzulernen. Besonders imponiert haben mir die schnelle Auffassungsgabe der Schauspieler und die Neugierde an allen Details. Ken Duken hat mit mir die entsprechenden Handgriffe geübt, sogar noch in den Drehpausen, bis sie ihm leicht von der Hand gingen.


ZDF: Haben Sie sich in Ken Dukens Spiel wiedergefunden?

Dr. Markus Thalmann bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Das Wunder von Kärnten"
Das Wunder von Kärnten_Dr. Markus Thalmann_int


Thalmann: Hier muss man klar sagen: Ken Duken spielt nicht mich als Person, sondern einen Herzchirurgen in der damaligen Situation - und dies tut er wirklich sehr überzeugend. Natürlich gibt es auch im wahren Leben einige Ähnlichkeiten zwischen uns, zum Beispiel die Lebenssituation und dass wir beide Marathonläufer sind. Allerdings ist der Charakter doch ein anderer.


ZDF: Gedreht wurde am Original-Schauplatz in Klagenfurt, wo Sie 1998 selbst im OP gestanden haben. Fühlten Sie sich zurückversetzt in die damalige Situation?



Thalmann: Selbstverständlich werden da viele Erinnerungen wach. Ich habe ja doch sechseinhalb Jahre in diesem Krankenhaus gearbeitet. Besonders die Gespräche mit Kollegen und Mitarbeitern, die damals involviert waren, haben mir die Erinnerungen aufgefrischt.


ZDF: Und was sagen Sie zu dem fertigen Film?
Thalmann: Er gefällt mir sehr gut! Da ich bei den Dreharbeiten dabei war, fällt es mir etwas schwer, den Film objektiv zu beurteilen. Insofern waren für mich vor allem die Reaktionen der Zuseher, die den Film zum ersten Mal sahen, von Bedeutung. Sowohl beim Filmfest Hamburg als auch beim Pressetag in Wien war das Echo unisono positiv.


ZDF: Als Arzt haben Sie damals eine unglaubliche Hartnäckigkeit besessen und sich nicht eine Sekunde von Ihrem Weg, das kleine Mädchen zu operieren, abbringen lassen. Würden Sie heute noch genauso handeln?



Thalmann: Das kann ich aus tiefstem Herzen mit einem Ja beantworten. Es handelt sich natürlich um einen sehr seltenen Fall, in dem das Ergebnis so positiv ist. Es sind ähnliche, nicht ganz so spektakuläre Fälle bekannt. Dass der kleine Patient allerdings ohne bleibende Schäden überlebt, ist wirklich selten. Das heißt, Glück muss man auch haben, aber eben nicht nur!

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