"Heute entdecke ich die Geschichte neu"

Interview mit Hauptdarsteller Stephan Grossmann

Im ZDF-Kanzlerporträt "Der Mann aus der Pfalz" spielte der heute in Ostberlin lebende Schauspieler 2010 den jungen Helmut Kohl. Nun verkörpert Stephan Grossmann wieder einen prominenten westdeutschen Politiker, dessen Gestik und Mimik er minutiös studiert hat. In Vorbereitung auf die Dreharbeiten hat er die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und für sich neu entdeckt.

Stephan Grossmann (Rolle: Hans Dietrich Genscher)
Stephan Grossmann (Rolle: Hans Dietrich Genscher) Quelle: ZDF


ZDF: Nach Helmut Kohl verkörpern Sie mit Hans-Dietrich Genscher erneut einen bedeutenden deutschen Politiker. Abgesehen von äußerlichen Darstellungsmitteln wie Maske, Gestik und Mimik - wie erarbeiten Sie sich die innere Haltung solch einer historischen Persönlichkeit?


Stephan Grossmann: Zuerst habe ich immer den Menschen hinter der politischen Fassade gesucht, um dann wieder zurückzukommen auf den Beruf des Politikers. Von beiden glaube ich sagen zu können: Sie haben das, was sie getan haben, geliebt. Und das deckt sich auch mit meinem Beruf.



ZDF: Sie sind in Dresden geboren und in der DDR aufgewachsen. Wie präsent war Ihnen das Attentat auf das Olympische Dorf?


Grossmann: 1972 war ich gerade ein Jahr alt. Ich gebe zu, damals habe ich mich für Politik verhältnismäßig wenig interessiert. Aber wenn ich an meine Schulzeit als Jugendlicher zurückdenke, erinnere ich mich eher an eine einseitige Geschichtsinterpretation in Staatsbürgerkunde und Hetze gegen alle "imperialistischen Länder". Die Verbundenheit der DDR mit dem Kampf der palästinensischen Patrioten (trotz der angespannten Situation zwischen der PLO und Israel), ging an mir also damals spurlos vorbei. Heute entdecke ich die Geschichte neu und habe mit dem jetzigen Wissen die Freiheit, die Geschichte aus den verschiedensten Perspektiven zu sehen. Und unsere Sicht nach 40 Jahren ist natürlich eine Draufsicht.


ZDF: Die Geiseln und Attentäter waren jeweils mit israelischen und palästinensischen Darstellern besetzt. War der israelisch-palästinensische Konflikt Thema am Set?



Grossmann: Ich habe beim Drehen ehrlich gesagt immer wieder gedacht, es würde durch den andauernden politischen Konflikt bei einem solchen Projekt auch zu Spannungen zwischen israelischen und palästinensischen Kollegen kommen. Aber ganz im Gegenteil: Durch die Begegnung und die intensive Auseinandersetzung mit den Rollen und den Geschehnissen waren die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, ihre Geschichte neu und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen.

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