"Ich bin eigentlich ein Ärztemuffel"

Interview mit Hauptdarsteller Dominic Raacke

Dominic Raacke spielt Dr. Hans Wunderlich, einen überzeugten Schulmediziner, der mit den alternativen Heilmethoden seiner neuen Kollegin Probleme hat. Im Folgenden spricht er über die reizvollen Facetten seiner Figur und die intensive Rollenvorbereitung. Persönlich vertraut der Schauspieler im Zweifelsfall eher der Schulmedizin, hält aber die ganzheitliche Sicht der Alternativmedizin durchaus für sinnvoll.


ZDF: Was hat Sie am Drehbuchstoff überzeugt?


Dominic Raacke: Mir gefiel zunächst die Konstellation: Ein Mediziner, der zutiefst überzeugt ist von seinen Methoden, wird von einer Ärztin, die alternativmedizinisch ausgerichtet ist, herausgefordert. Es wird ein Kampf der Systeme und ein Kampf der Geschlechter. Der Autorin Gerlinde Wolf ist da (nach einer Idee von Gabriela Sperl) eine ganz feine, tragischkomische Geschichte gelungen. Ich bin froh, dass ich dabei sein durfte und finde die Sache wirklich gelungen. Und nach vielen Jahren wieder mit Vivian Naefe zu drehen, war außerdem eine große Freude. Vivian kenne ich seit meinen absoluten Anfängen.


ZDF: Die Zuschauer kennen Sie eher aus dem Krimi-Genre und Sie haben schon längere Zeit nicht mehr in einer Komödie gespielt. Was hat Sie an der Rolle gereizt?


Raacke: Doktor Wunderlich ist ein herrlich überforderter Mann. Er jongliert Berufsleben, Ehefrau, seinen halbwüchsigen Sohn, seine störrische Geliebte, seine Feinde und Neider und ganz nebenbei beginnt er sich in die Frau zu verlieben, die für ihn eigentlich so absolut gar nicht in Frage kommt. Eine Rolle also mit vielen Facetten. Wir haben versucht, die Figuren wahr und ehrlich zu spielen, auch in den komödiantisch überhöhten Situationen. Ich finde, auch wenn Wunderlich ein notorischer Besserwisser ist, irgendwie bleibt er doch immer liebenswert.


ZDF: Wie war für Sie die Zusammenarbeit mit Christiane Paul, die im wirklichen Leben studierte Schulmedizinerin ist?


Raacke: Schon bei der ersten Leseprobe habe ich Christiane gesagt, dass ich keine guten Ratschläge von ihr möchte. Gerade weil sie ausgebildete Ärztin ist und sich wirklich gut auskennt, wollte ich erst gar nicht in die Rolle des Ratsuchenden geraten. Dann wäre ein falsches Verhältnis zwischen uns entstanden. Schließlich würde auch mein Dr. Wu niemals einen Rat von dieser Frau annehmen. Wir hatten ja andere Fachberater am Set, die uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen.

Christiane ist eine tolle Frau und eine hervorragende Schauspielerin mit sehr viel Charme und Energie und voller Spielfreude. Jeder Drehtag war ein echtes Vergnügen. Christiane kann ganz schön frech sein, immer ein bisschen herausfordernd, immer kampfbereit. Das hat alles prima gepasst und ich finde, wir geben ein ziemlich gutes "Odd- Couple" (seltsames Paar) ab. Mit ihr würde ich sofort wieder in den Ring steigen.


ZDF: In "Der Doc und die Hexe" operieren Sie in der Rolle des Chirurgs Dr. Wu die schwierigsten Fälle. Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?


Raacke: Ich habe im Film "selber operiert" und alle OPs, die ich als Doktor Wu leite, habe ich mir im echten Leben auch hautnah angeschaut. Ich habe mit Ärzten gesprochen, ich habe mir Handgriffe zeigen lassen, ich habe das Krankenhausleben neugierig in mich aufgenommen. Das war eine hoch interessante Erfahrung.Bei der ersten OP war ich noch ziemlich zurückhaltend und stand ein paar Meter weit weg vom Tisch. Man muss sich erst mal eingewöhnen, aber dann fing bei mir diese Faszination mit der Materie an. Bei einer OP am offenen Bauch, einem Aortenaneurysma, einem wirklich heiklen, stundenlang dauernden Eingriff, stand ich schließlich direkt hinter den Operateuren und habe ihnen über die Schultern geschaut.


ZDF: Wie würden Sie Dr. Wu charakterisieren - als Mensch und als Arzt? Ist er Ihnen sympathisch?



Raacke: Dr. Wu ist ein Profi. Er liebt seinen Beruf und er ist ein wirklich guter Arzt. Nicht umsonst ist er der Chef. Er ist offen für technischen Fortschritt, aber sehr kritisch gegenüber jeglichen Tendenzen, Homöopathie oder andere Alternativmedizin in sein Haus zu lassen. Er glaubt nicht an die Heilkraft von Kräuterchen, Globuli und Akupunkturnadeln. Er ist Pragmatiker und schon lange dabei. Vielleicht ist er im Lauf der Jahre auch manchmal ein Opfer seines eigenen Systems geworden. Denn ein Chefarzt in seiner Position muss sich innerhalb des Klinikbetriebs auch als Taktiker und Lobbyist seiner Interessen präsentieren. Da kommt er sicher auch mal mit seiner eigenen ärztlichen Ethik in Konflikt.


ZDF: Ist er Ihnen ähnlich, gibt es Parallelen zu Ihnen?


Raacke: Die gibt es sicherlich. Dieses Eingespanntsein, manchmal ein wenig überfordert von all den Aufgaben, Verpflichtungen, die einen so Tag für Tag umgeben. Arzt war nie eine berufliche Option für mich. Umso erstaunlicher, dass ich, sobald ich einen weißen Kittel überziehe, sofort als Arzt durchgehe.
ZDF: Wie halten Sie es mit der Schulmedizin und alternativen Heilmethoden?


Raacke: Ich bin eigentlich ein Ärztemuffel. Wenn es nicht unbedingt sein muss, gehe ich auch nicht hin. Einzige Ausnahme: der Zahnarzt. Da mach ich immer brav mein halbjährliches Check-Up. Mein Großvater war homöopathischer Arzt und somit hatte ich schon früh Kontakt mit alternativen Heilmethoden. Ich glaube aber auch, dass mein Großvater, ein klassisch ausgebildeter Mediziner, vor allem ein Arzt war, der den Menschen zugehört hat, der auf sie eingegangen ist. Das war wohl seine größte Stärke und das Geheimnis seines Erfolgs.


ZDF: Und was ziehen Sie persönlich vor?


Raacke: Persönlich würde ich im Zweifel immer zum Schulmediziner gehen. Vor allem, wenn eine Krankheit einmal ausgebrochen ist, ist die Schulmedizin sicher die bessere Alternative. Zur Prävention und begleitend sind alternative Methoden sicher okay. Aber Voodoo und andere Zauberei finde ich eher gefährlich. Die Schulmedizin kann aber sicher etwas von den Alternativen lernen. Den Patienten im Ganzen zu sehen und auch so zu behandeln. Neueste Technik und die ganze Spezialmedizin führen leider auch dazu, dass manche Ärzte sich nur noch auf ihr Fach beziehen und den Patienten als komplettes Wesen nicht mehr wahrnehmen. Das ist ein Riesenthema und wird mit der alternden Gesellschaft immer wichtiger, denn immer mehr Menschen brauchen medizinische Versorgung.


ZDF: Haben Sie eigene Erfahrungen mit der Traditionellen Chinesischen Medizin gemacht?


Raacke: TCM war für mich bis zum Dreh von "Der Doc und die Hexe" Markenname von Artikeln aus dem Tchibo-Sortiment. Für was TCM medizinisch steht und dass es in jeder größeren Stadt Deutschlands inzwischen ganze TCM-Zentren gibt, war mir bis dahin nicht bekannt. Persönlich habe ich mit dieser Art von Therapie noch nichts zu tun gehabt. Witzig beim Drehen war es, dass Vivian fast jeden morgen mit einer kleinen Thermoskanne ankam. Darin eine schmutzig braune Brühe, ein Dekokt, das eigens für sie von einer TCM-Apotheke zusammengebraut wurde. Überhaupt gab es ein paar Mitarbeiterinnen, die die Dreharbeiten zum Anlass nahmen, sich alternativmedizinisch behandeln zu lassen.

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