"Ich habe eine Vorliebe für Dorfkrimis"

Interview mit Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt

Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt hat eine besondere Vorliebe für Thriller und existentielle Stoffe. Viele seiner Produktionen
wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Fernsehfilm der Woche "Mörderische Erpressung" von 2007 stammt ebenfalls aus seiner Feder. Im Interview spricht er darüber, was ihn an Dorfkrimis besonders reizt und worauf es ihm bei der Entwicklung des Drehbuchs ankommt.

Hauptkommissar Hagen Dudek (Michael Mendl, l.) und Polizeinachwuchs Simone Westermann (Anna Maria Mühe) Quelle: ZDF


ZDF: "Der Tote in der Mauer" spielt auf dem platten Land bei Bremen. Warum schreiben Sie so gerne Dorfkrimis? Was ist daran anders als bei einem typischen Großstadtkrimi?


Holger Karsten Schmidt: Ein Dorf kann als eine relativ abgeschlossene Welt dargestellt werden, in der klare Abhängigkeiten und Hierarchien herrschen, die dann durch einen äußeren Impuls in Bewegung geraten. Zum Beispiel wenn in Folge eines Mordes jemand ins Spiel kommt, der nicht in der Dorfgemeinschaft verwurzelt ist. Der Dorfkrimi ist überschaubarer, örtliche und soziale Gegebenheiten können zügig vermittelt werden, so dass sich Kommissare auch immer den anderen im Visier.

Bei "Mörderische Erpressung" konnte ich etablieren, dass die Hälfte der Dorfbevölkerung beim ortsansässigen Großbäcker arbeitet. Das schafft ganz klare Abhängigkeiten, so dass sich die Menschen ein Stück weit korrumpieren lassen, als ihr Arbeitgeber mit der Verlegung der Firma droht. Das hätte in einer Stadt nicht oder nur schwerlich funktioniert, mit Ausnahme vielleicht von Ludwigshafen.


ZDF: Ihr neuer Dorfkrimi hat einen ungewöhnlichen Plot: Zwei Kommissare bekämpfen sich. Wie haben Sie die beiden Figuren angelegt? Was läuft zwischen den beiden für ein Spiel?


Schmidt: Michael Mendl spielt einen schwer erkrankten Kommissar, der sich in die Pension verabschieden will, als sich aus einem Mordfall Rückschlüsse auf einen viel älteren Fall ergeben, in dem er den falschen Mann verdächtigt hat. Frank Giering ist ein relativ junger Kommissar, der Michael Mendl beerben und die Ermittlungen vorantreiben will und soll. Doch dann ergeben sich auf beiden Seiten Verdachtsmomente: War Giering in den Fall damals verwickelt? Hat Michael Mendl den mutmaßlichen Täter, der damals mangels Indizien frei gesprochen wurde, selbst gerichtet? Während sie also gemeinsam mit Anna Maria Mühe ermitteln, haben die beiden Kommissare auch immer den anderen im Visier.


ZDF: Was ist Ihnen das Wichtigste bei der Entwicklung des Drehbuchs - die Figuren, ihre Psychologie, die "action", der "suspense"?


Schmidt: Die Figuren und ihre Psychologie. Die Plotkonstruktion ist Handwerk, wirklich spannend wird es bei den Charakteren.


ZDF: Sie arbeiten seit Jahren immer wieder mit Regisseur Markus Imboden. Was ist das Besondere an dieser Zusammenarbeit?


Schmidt: Er ist gut in der Stoffentwicklung. Markus Imboden gibt keine Ruhe und löchert mich, bis die Figuren für ihn stimmig sind. Ich finde das sehr wichtig, schließlich steht er nachher am Set und muss die Schauspieler inszenieren, er muss ihnen ihre Fragen beantworten können. Markus Imboden hält sich bei seiner filmischen Umsetzung strikt ans Buch. Und wenn er es in einer der wenigen Ausnahmen mal nicht macht, dann werde ich regelmäßig positiv überrascht. Außerdem teilen wir die Freude an einer gewissen Lakonie. Nicht jeder Regisseur ist in der Lage, das aus einem Dialog herauszulesen, ich schätze das sehr, und ich muss nicht dauernd mit Sprecherintentionen arbeiten wie "lakonisch" oder "ironisch" und dergleichen.

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