"Ich habe mich in die Stadt Istanbul sehr verliebt"

Interview mit Schauspielerin Jasmin Gerat

Jasmin Gerat spielt in dieser Liebeskomödie die quirlige Modedesign-Studentin Didem, die zu das Leben des Musikhistorikers Jakob tüchtig durcheinander wirbelt. Im Interview plaudert sie über Istanbul, die Dreharbeiten in Berlin, ihren Filmpartner Jakob (Tim Bergmann) und das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen.


ZDF: Frau Gerat, Sie spielen in "Liebeskuss am Bosporus" die türkische Modedesign-Studentin Didem. Was hat Sie an der Rolle und dem Drehbuch gereizt? Jasmin Gerat: Mich hat vor allem die energiegeladene Erzählweise der Geschichte gereizt, in der so viele Gegensätze aufeinander prallen. Ich mag es sehr, wenn alles etwas aus dem Ruder läuft und nicht gleich absehbar ist. Und die Reise, die Didem und Jakob machen müssen, um zueinander zu finden, hat mich sehr berührt. Denn beide bekommen einen Spiegel vorgehalten und müssen aus ihrer 'bequemen' Zone heraus und mutig sein, um ihre Liebe leben zu können.


ZDF: In der lebendigen Komödie prallen Kulturen aufeinander. Sie spielen ihre Rolle, auch mit Ihren impulsiven Filmeltern, sehr authentisch - auch, weil Sie ähnliche Situationen aus Ihrem Leben kennen?


Gerat: Mein Leben ist und war schon immer sehr lebendig und in Bewegung. Vielleicht habe ich das unterbewusst mit in die Rolle getragen. Aber das Impulsive und Authentische ist vor allem auch durch die Konstellation des tollen Schauspielerensembles entstanden. Wir hatten so viel Spaß am Set! Und Berno Kürten, der Regisseur, war ein wundervoller Dirigent für diesen besonderen Rhythmus, den diese Komödie ausmacht!


ZDF: Und können Sie ihr Handeln, den Eltern aus Istanbul ein paar Notlügen zu verkaufen, nachvollziehen?


Gerat: Als Teenager habe ich auch oft gelogen, weil ich meine Eltern schonen wollte. Heute als Erwachsene kommt noch nicht mal eine Notlüge über meine Lippen. Da bin ich echt strikt geworden! Ich glaube an Karma - deswegen. Umso schöner, dass ich vor der Kamera wie gedruckt lügen darf!



ZDF: Wie war es für Sie, als Halbtürkin und Kreuzbergerin im eigenen Kiez zu drehen?



Gerat: Die letzen Jahre konnte ich nur selten in Berlin drehen und habe es deswegen sehr genossen, nach einem langen Drehtag in mein eigenes Bett in Berlin zu fallen. Und zu der Schneiderei, in deren Räumlichkeiten wir gedreht haben, bin ich immer mit dem Fahrrad gefahren, weil es bei mir um die Ecke lag. Das war für mich purer Luxus!


ZDF: Didem ist eine moderne, selbstbewusste, junge Türkin. Wie nehmen Sie als Halbtürkin das moderne Frauenbild türkischer Frauen in Istanbul im Vergleich zu Berlin wahr? Gibt es Parallelen beziehungsweise Unterschiede oder auch ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Selbstbewusstsein?


Gerat: Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich die modernen Frauen und Männer in Istanbul gesehen habe. Das Gegenteil von Berlin-Kreuzberg. Ich wurde dort mit offenen Armen empfangen. Ich würde mir wünschen, dass wir dieses Miteinander statt Nebeneinanderher auch hier noch mehr leben. Das Lebensgefühl in Istanbul ist unglaublich. Das ist die hedonistischste Stadt in der ich je war! Jede Nacht wird dort zusammen gesessen, viel gegessen, Musik gemacht. Ich habe mich in die Stadt Istanbul sehr verliebt und plane auch dieses Jahr wieder hin zu fliegen!
ZDF: Gegensätzlicher als Didem und Jakob können zwei Menschen fast nicht sein: was meinen Sie, warum sich die beiden trotzdem voneinander angezogen fühlen?


Gerat: Ich glaube, dass Jakob und Didem wie Yin und Yang sind. Sie wirken ausgleichend aufeinander. Die eigene Gegensätzlichkeit erweitert den Horizont des anderen ungemein und mal abgesehen davon, dass die Liebe sowieso hinfällt, wo sie hinfallen soll, können Didem und Jakob gemeinsam lachen - das ist doch eh immer schon die halbe Miete!


ZDF: Im Film gibt es den "Magic Moment", der Moment, in dem Didem und Jakob zum ersten Mal auf der Strasse aufeinandertreffen. Romantik im Film oder gibt es diese Szenen Ihrer Meinung nach auch im realen Leben?



Gerat: Ja klar - und wie! Ich gehöre zu den Glückskindern, die das schon oft erleben durften!



ZDF: Wie war die Zusammenarbeit mit Tim Bergmann, mit dem Sie das erste Mal gemeinsam vor der Kamera standen?


Gerat: Tim ist ein Traum-Partner! Er ist offen und wach für mich als seine Partnerin im Film und macht keine One-Man-Show, wie ich das schon bei einigen anderen Kollegen erlebt habe. Es war ein einziges Geben und Nehmen und 'im Moment' sein. Eine meiner schönsten Erfahrungen am Set! Ich würde mit Tim sofort einen zweiten Teil von Didem und Jakob drehen.
ZDF: Sie haben als Moderatorin begonnen, seitdem in vielen Fernseh- und Kinoproduktionen mitgespielt, hatten bei der SOKO Köln die Hauptrolle der Kommissarin Jale Beck und waren kürzlich im Kinofilm "Kokowääh" im Kino zu sehen. Was gefällt Ihnen am Genre der Komödie?


Gerat: Die Komödie ist die größte Herausforderung für mich. Komödiantische Szenen und Dialoge auf den Punkt genau zu proben und zu spielen war wirklich harte Arbeit. Dass es im Film dann ganz leicht und selbstverständlich aussieht und im besten Fall den Zuschauer zum Lachen bringt, ist eine große Kunst. Für mich war die Rolle also eine große Herausforderung, die ich mit viel Respekt angenommen habe. Mit den Mitteln der Komödie Mut zu machen, seinen eigenen Weg im Leben zu gehen, vermittelt unser Film auf eine tolle Art. Das ist für mich gute Unterhaltung im TV.

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