Ich kann Simon verstehen

Interview mit Benjamin Sadler

Benjamin Sadler spielt den britischen Captain Simon, der deutsche Wurzeln hat. Der Schauspieler hat schon in mehreren historischen Filmen mitgespielt. Im Interview spricht er über seine Vorbereitungen auf den Film, den historischen Hintergrund und seine Filmrolle.


ZDF: Sie haben, ähnlich wie Katharina Wackernagel, schon in einigen historischen Filmen mitgespielt, unter anderem in "Dresden" und "Der Untergang der Pamir". Bereitet man sich auf historische Rollen anders vor als auf zeitgenössische?



Benjamin Sadler: Außer, dass man den historischen Hintergrund berücksichtigen muss, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, gibt es für mich keinen Unterschied in der Vorbereitung.


ZDF: Was wussten Sie bis zur Vorbereitung des Filmes über die Zeit direkt nach Kriegsende?


Sadler: Ganz unvorbereitet war ich nicht, aber durch dieses Projekt habe ich doch sehr viel Neues über die Zustände kurz nach Kriegsende erfahren. Gerade die unterschiedlichen Verfahrensweisen der Alliierten im Umgang mit den Kriegsgefangenen waren mir im Detail nicht bekannt.
ZDF: Captain Simon, die Figur die Sie verkörpern, ist ja ein sehr kontrollierter, gerechter Mann. Können Sie verstehen, dass er sich für einen ehemaligen Wehrmachtsoffizier vor Gericht einsetzt?


Sadler: Ich kann verstehen, warum Simon es macht. Ohne solche Leute, die es sehr wohl gegeben hat, hätte Deutschland viel länger gebraucht, seinen Weg zurück in eine zivile Gesellschaft zu finden.


ZDF: Gab es Situationen in Ihrem Leben, bei denen Sie persönlich gemerkt haben, dass Sie an die Grenze dessen kommen, was Sie verzeihen können, was Sie verzeihbar finden? Sind Sie eher ein ausgleichender, versöhnlicher Mensch oder konfrontativ?


Sadler: Ja, solche Grenzen kenne ich leider auch. Ich bin aber grundsätzlich nicht nachtragend, auch wenn mir eine direkte Konfrontation immer noch lieber ist, als lange drum herum zu reden.


ZDF: Bis zum Jahre 1949 kam es allein im deutsch-amerikanischen Besatzungsgebiet bereits zu geschätzten 33.000 Eheschließungen zwischen amerikanischen GIs und deutschen Frauen. Glauben Sie, dass Simon und Gesa miteinander glücklich geworden wären? Wie wäre die Geschichte der beiden weiter gegangen?



Sadler: Wie es weiter gegangen wäre, vermag ich nicht zu sagen, aber ich bin zu romantisch und optimistisch veranlagt, als dass ich den beiden nicht eine Chance geben würden ...

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