"Ich wollte sehr gerne mal einen Heimatfilm drehen"

Interview mit Alexander Beyer

Adrian, verkörpert von Alexander Beyer, ist ein Einsiedlertyp und Sonderling. Im Dorf macht man sich über ihn lustig. Doch so einfältig, wie er scheint, ist Adrian nicht. Der Berliner Schauspieler Alexander Beyer hat sich gründlich auf seine Rolle vorbereitet und viel von den heimischen Bergbauern gelernt. Um das nötige Vertrauensverhältnis mit seinem Schauspielerkollegen Fritz Karl aufzubauen, hat er sich auch über die Arbeit am Set hinaus viel Zeit genommen.


ZDF: Wie war es für einen eingefleischten Berliner, im Allgäu vor der Kamera zu stehen? Alexander Beyer: Wie ein Sommerausflug. Solch eine Sommerfrische hat einen großen Reiz. Und ich wollte sehr gerne mal einen Heimatfilm drehen. Dieser hat mich besonders angerührt.



ZDF: Hat die Gegend Ihre Erwartungen erfüllt?



Beyer: Ja. Ich war zunächst ganz erschlagen von der Landschaft dort, von all der Schönheit. Es ist eine Bilderbuchwelt, die Natur dort mit den Bauernhöfen, den Wirtshäusern, den Kirchenglocken.


ZDF: Wie spielt man solch einen zurückgenommen, schweigsamen Menschen wie Adrian?


Beyer: Man überlegt sich innerlich Sätze, die man sagen würde. Dadurch, dass man sie eben nicht sagt, wird das Spielen sogar noch intensiver. Ohnehin ist das ja viel Psychologie.


ZDF: Adrians Bruder Roman redet dafür umso mehr. Wie funktioniert das beim Spielen?


Beyer: Man ist ja immer auf die Kollegen angewiesen. Das ist wie beim Tennis: Man kann nur so gut spielen wie auch der Mitspieler gut spielt. Auf Fritz Karl konnte ich mich dabei voll verlassen, er war dabei ein toller Partner.
ZDF: Haben Sie das Herstellen von Käse mit der Hand zuvor gelernt?



Beyer: Ich habe vor Ort Zeit mit einem wirklichen Bergbauern verbracht, der es mir erklärt und gezeigt hat. Der war wie Adrian, ein Original, quasi aus der Zeit gefallen. Er kannte alle seine Kühe auf seinem Berg beim Namen. Eine hieß "Die Hübsche", eine andere "Notburga". Das Käsemachen ist sehr anspruchsvoll.


ZDF: Auch der hautnahe Umgang mit den Kühen?


Beyer:
Beyer: Auch dabei gilt: Ich habe mir vieles von einem alten Sennerbauern abgeschaut, wie herzlich und liebevoll er mit den Tieren umging. Interessant ist, dass für die Kühe ein sehr genauer Ablauf, ein präziser Zeitplan sehr wichtig ist. Sonst werden sie nervös, wenn sie aus dem Tagesrhythmus herauskommen, und das wirkt sich dann sogar auf die Milch aus.


ZDF: Der Adrian ist ziemlich stur. Muss man das als Schauspieler auch ein Stück sein, um dies so glaubwürdig spielen zu können?


Beyer: Man muss sich die Person vergegenwärtigen, sich in sie hinein denken. Adrian hat sich ja wegen Vorfällen in der Vergangenheit von den Menschen zurückgezogen. Was man nun von ihm sieht, ist nur die Spitze eines Eisberges, also nur ein Siebtel. Es liegt bei ihm also viel im Verborgenen, das es zum Spielen für mich dann mitzudenken gilt.


ZDF: Dabei ist Adrian gar nicht so einfältig, wie sich bald herausstellt.



Beyer: Nein. Er durchlebt eine Menge Konflikte, bei denen er sich dann schließlich auch aktiv verhält: erst der Tod der Mutter, ihr Begräbnis, was mit dem Erbe zu tun ist, dann die Liebe zu einer Kellnerin, die Anfeindungen gegen ihn im Dorf bis hin zum Thema Alleinerziehung, Banken, dem Umgang mit Geld und Schulden. Und er nähert sich dann doch wieder seinem Bruder an. Das ist sehr interessant.


ZDF: Haben Sie Fritz Karl auch jenseits der Kamera näher kennengelernt?


Beyer: Wir mussten für diese Rollen als Kollegen zunächst sehr schnell sehr viel Vertrauen zueinander aufbauen. Fritz hatte eine Angel mitgebracht zum Dreh. Also standen wir nach Drehschluss zusammen auf einer Holzbrücke und angelten Regenbogenforellen aus dem Bach. Wir haben dann zusammen gegessen und Wein getrunken und uns so auch als Kollegen verbrüdert.

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