"In Soldaten sehe ich jetzt immer die jungen Menschen"

Interview mit Maria Simon

Maria Simon spielt in diesem Fernsehfilm die junge Feldjägerin Nicole Ziegler, die den mutmaßlichen Selbstmord eines Soldaten aufklären soll. Dabei kommt sie Kriegsverbrechen auf die Spur, die sie schwer erschüttern. Die Schauspielerin beschreibt neben ihrer Rolle auch ihre eigene Erfahrung bei den Dreharbeiten in Afrika und in der Auseinandersetzung mit dem Stoff.


ZDF: In "Kongo" spielen Sie Oberleutnant Nicole Ziegler, eine Ermittlerin bei den Feldjägern. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?


Maria Simon: Zielstrebig, mutig, naiv, (noch) kinderlos. Ich weiß nicht, ob sich eine Frau solch' eine Aufgabe sucht, wenn sie Mutter wäre.



ZDF: Nicole Ziegler muss bei ihren Ermittlungen viele Rückschläge einstecken und erlebt Momente der Ohnmacht. Wie verändert sie sich im Laufe des Films?



Simon: Sie macht knallharte, praktische Erfahrungen in ihrem Beruf - weg vom Schreibtisch, nach Afrika, in den Dschungel, in den Krieg. Eine komplett neue Situation. Sie überkommt ein noch nicht erlebtes Gefühl von Angst - sie wird erwachsen!



ZDF: Wie haben Sie sich auf die Rolle einer Soldatin vorbereitet?



Simon: Ich habe mir Filme über diese Thematik angeschaut und in mir nach dem Motor gesucht, der mich dazu bringen könnte "Krieg machen" zu lernen. Die einzige Situation, in der ich mich als Soldatin sehen könnte, wäre a) ohne Kinder und b) in einem Kampf, in einer Art großen Revolution für mehr Menschlichkeit und weniger Geldmacht.


ZDF: "Kongo" beruht zum Teil auf Erlebnissen einer Feldjägerin im Afghanistan-Einsatz. Haben Sie sie im Vorfeld getroffen? Wie war diese Begegnung?



Simon: Ja, wir haben uns intensiv ausgetauscht und ich habe diese Frau und ihre Erlebnisse auf mich wirken lassen. Es war eine wichtige Begegnung im Vorfeld der Dreharbeiten, für die ich dankbar bin.



ZDF: Zentrales Thema von "Kongo" ist Angst und wie sie die Menschen verändert. Wie haben Sie sich diesem Thema genähert?


Simon: Ich habe mir gedacht: Muss ich dort in Afrika jetzt wirklich Angst haben vor den Menschen, der Armut, den Insekten, Elefanten, Löwen? Nein! Es gibt keinen Grund. Hätte ich Angst zugelassen, wäre mir bestimmt etwas passiert. Die eigenen Gedanken machen aus der Welt, was sie ist. Das ist mir dort in Afrika, am anderen Ende der Welt, in vielerlei Hinsicht noch mal klar geworden.
ZDF: Hat sich Ihre Sicht auf Soldaten, die in Krisengebieten im Auslandseinsatz sind, durch "Kongo" verändert?


Simon: Ich frage mich nach wie vor, ob solche Einsätze überhaupt der richtige Weg sind und mache mir natürlich nach dem Dreh noch mehr Gedanken. Wenn ich jetzt Soldaten sehe, sehe ich zuerst die jungen Menschen, die eine Uniform tragen und dann, wenn überhaupt, erst den Soldaten.


ZDF: Was waren die Herausforderungen bei den Dreharbeiten zu "Kongo"? Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen in besonderer Erinnerung bleiben wird?



Simon: Die irren Regengüsse, Sturm, Hitze und Kälte wechselten sich unberechenbar ab. Das war eine große Herausforderung in der knappen Zeit. Ich habe einem afrikanischen Jungen bei der Sonntagsmesse mit Musik und Gesang in Kapstadt den Rotz von der Nase abgewischt. Das waren sehr eindrucksvolle Momente, neben ganz vielen anderen bewegenden Erlebnissen.

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