"Komödiantisch das Ernsthafte herausarbeiten"

Interview mit Mariele Millowitsch

Mariele Millowitsch spielt die schlagfertige kroatische Krankenschwester Mirjana, die sich um den schwierigen Patienten Anton Franzen kümmert. Da er ihr Herz trotz aller Bemühungen nicht im Sturm erobern kann, macht er wenigstens negativ auf sich aufmerksam. Für ihre Rolle hat sich die Schauspielerin einen kroatischen Dialekt erarbeitet.

Krankenschwester Mirjana (Mariele Millowitsch) und Patient Quelle: ZDF


ZDF: Frau Millowitsch, wie haben Sie sich den kroatischen Akzent, den Ihre Figur Mirjana hat, erarbeitet?


Mariele Millowitsch: Ich habe ein großes Faible für Dialekte, daher machte es mir nicht nur Spaß, einen neuen zu lernen, ich habe es auch als Herausforderung gesehen. Manchmal spreche ich auch in meinem Privatleben mit irgendeinem Akzent, weil ich einfach Freude daran habe! Als Kind habe ich an der Seite meines Vaters einmal eine Rolle gespielt, in der ich mit ungarischem Akzent sprechen sollte.


Das war mir nun beim Üben des kroatischen Dialekts hilfreich. Entscheidend war aber Andrea Schneider von der Showgruppe "Geschwister Pfister", in der ich eine wunderbare Lehrerin hatte. Sie hat kroatische Wurzeln und hat mir die Sätze, die ich in unserem Film auf Kroatisch sprechen sollte, auf mein Handy gesprochen. So konnte ich sie auf dem Weg zum Set immer wieder abhören. Dabei habe ich gelernt, dass die kroatischen Vokale im Gegensatz zu den ungarischen nicht lang, sondern kurz gesprochen werden.


ZDF: Dass Kliniken unter Personalmangel leiden, entspricht der Realität. Auch Ihre Mirjana beklagt gegenüber ihrer Vorgesetzten, wie anstrengend der Job der Krankenschwestern und Pfleger ist. Haben Sie sich privat schon einmal mit diesem Thema auseinandergesetzt?


Millowitsch: Ich denke, jeder hat schon einmal erlebt, wie sehr das Personal in den Kliniken kämpft, wie es unter Druck steht, um den vielen Aufgaben, um vor allem den Patienten gerecht zu werden. Das Thema regt mich wirklich auf! Deshalb waren mir in unserem Film auch die Konflikte mit der Vorgesetzten so wichtig: Man kann auf komödiantische Weise das Ernsthafte herausarbeiten und auf diese Weise auch auf Probleme aufmerksam machen.
ZDF: Sie haben in diesem Jahr wieder die unterschiedlichsten Rollen gespielt ¿ ernsthafte wie etwa als Ermittlerin "Marie Brandt" (Sendetermin im ZDF: 16. Dezember, 20.15 Uhr), komödiantische wie etwa in "Scheinbar ein Paar" oder in "Heute keine Entlassung". Liegt Ihnen die Komödie nach wie vor am meisten?


Millowitsch: Ich habe die Komödie quasi mit der Muttermilch aufgesogen! Ich kann mich glücklich schätzen, ein besonders gutes Timing für Tempo und Rhythmus geerbt zu haben. Manches habe ich meinem Vater abgeguckt, anderes habe ich mir erarbeitet. Für mich hängen Komödie und Tragödie unweigerlich zusammen, sie sind Zwillinge. Eine Komödie ist nur anrührend, wenn die Tragödie als Schwester direkt daneben steht.

Die Kunst liegt darin, das zu erkennen und zu beherrschen. Mit Kollegen wie Peter Sattmann, Jürgen Tarrach und den anderen großartigen Mitspielern hatte ich nun buchstäblich leichtes Spiel. Und ich habe mich gefreut, dass unser Regisseur Thomas Nennstiel, mit dem ich zum ersten Mal drehte, den gleichen Humor besaß wie ich.


ZDF: Sie sind in Wirklichkeit blond, Mirjana aber ist dunkel. War das ungewohnt für Sie? Millowitsch: Sicherlich gibt es auch kroatische Frauen, die eine blonde Kurzhaarfrisur tragen. Mir erschien aber die dunkle Haarfarbe für die Figur stimmiger. Und am besten noch mit kleinen Locken. Diese Entscheidung habe ich während der Dreharbeiten irgendwann allerdings bereut, denn es dauerte morgens immer endlos lange, bis die kleinen Locken fertig waren, und tagsüber musste ich mehrmals mit Wicklern herumlaufen, damit die Frisur im Bild auch wirklich saß. Und wer schon mit mir gearbeitet hat, weiß, dass ich nicht gern lange in der Maske sitze.

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