Kurzerhand ließ ich mich selbst hypnotisieren

Gedanken zum Film von Regisseur Johannes Fabrick

"Die Tochter des Mörders" war für mich vor allem das spannende Drama eines interessanten Charakters, nämlich der Hauptfigur Hanna Meiwald. Sie ist erfolgreich und taff, wirkt kühl und überlegen im Umgang mit ihren Mitmenschen. Doch die Geschichte nimmt ihr Zug um Zug jede Möglichkeit, in ihrer Rüstung zu bleiben.

Anregung der Phantasie

Hannas Lebensstrategien scheitern, und irgendwann bleibt ihr keine Wahl mehr, sie muss sich ihrer eigenen Geschichte stellen, und das bedeutet: Sie muss noch mal zurück, zur Wiege des Traumas. Dabei bedient sie sich nach anfänglichen Widerständen einer ungewöhnlichen Methode: Sie lässt sich hypnotisieren.
Ich hatte bislang noch keine Erfahrung mit Hypnotherapie und die Recherche war sehr spannend und aufschlussreich, weil ich mich kurzerhand zum Eigenversuch entschloss und mich selbst hypnotisieren ließ in einem Institut in München. Im Untergeschoss eines Neubaus starrte ich schließlich auf einen Punkt an der Wand und begann mich zu entspannen und auf eine geführte innere Reise zu begeben. Ob und wie weit ich in Trance war, vermag ich nicht zu sagen. Dass man das selbst nicht einschätzen kann, ist normal, sagte mir der Therapeut.

Aber vielleicht hat es ja meine Phantasie angeregt: "Die Tochter des Mörder" ist auch ein Krimi, das steigert den dramatischen Reiz. Noch dazu, wo es sich um keinen klassischen "Whodunit" handelt. Hanna Meiwald ist keine Kommissarin. Sie sucht einen Mörder aus persönlichen Motiven, agiert als Privatperson und setzt sich so großer Gefahr aus. Dazu kommt, dass sie dort, wo ihr scheinbar Hilfe entgegenkommt, erkennen muss, dass ganz andere Motive treibende Kraft sind. Letztlich werden der äußere Schauplatz und das innere Drama synonym in dem Ort, an den sie sich zurückziehen muss: das Haus des Vaters. Das macht die Story auch filmisch reizvoll, und die Bilder können ihre Wirkkraft entfalten.

Dunkle Seite zur Verfügung stellen

Wir haben lange nach dem passenden Motiv gesucht, bis wir endlich fündig wurden: das Haus, auf dessen Vorplatz schon "Gras über die Sache gewachsen" zu sein scheint. Es war verwinkelt, mit engen Gängen, was die Filmarbeit zwar sehr erschwerte, doch zu dem engen, schwierigen Weg in die Vergangenheit der Hauptfigur bestens passte. Hanna Meiwald ist eine komplexe Figur und mit Sophie von Kessel scheint sie mir ideal besetzt. Die Schauspielerin ist intelligent, sie beherrscht ihr Handwerk und ist bereit, ihre Verletzlichkeit der Rolle zur Verfügung zu stellen.

Ich liebe die Arbeit mit Schauspielern, doch diese Liebe kann sich nur erfüllen, wenn die Schauspieler auch bereit sind mitzugehen. Für Sophie ist das keine Frage. Man muss sie nicht groß motivieren, sie will selber wahrhaftige Momente kreieren. Aber auch Tim Bergmann und Matthias Brandt sind aus diesem Holz geschnitzt, und das gesamte Ensemble von "Die Tochter des Mörders" hat sich wunderbar eingelassen. Ich habe die Schauspieler gebeten, dem Film ihre "dunkle Seite" zur Verfügung zu stellen. Damit konnten sie was anfangen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet