"Lebendiger Geschichtsunterricht"

Bernadette Heerwagen im Interview

Bernadette Heerwagen spielt eine junge Bäuerin der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, die für den Protagonisten Alexander Karow die erste große Liebe wird. Sie öffnet ihm die Augen, dass es die Ideale der DDR, an die er bisher geglaubt hat, gar nicht gibt. Mit dem Thema der deutsch-deutschen Geschichte hat sich die Schauspielerin erst durch diesen Film intensiv auseinandergesetzt.

Die junge hübsche LPG-Bäuerin Christine (Bernadette Heerwagen) Quelle: ZDF


ZDF: Frau Heerwagen, was ist Christine, die Sie in "An die Grenze" verkörpern, für eine Frau?


Bernadette Heerwagen: Eine eigenständige Frau, die trotz des ideologischen Umfelds, in dem sie lebt, weiß, was sie will - eine Frau, die eine klare Vorstellung davon hat, wie sie leben möchte. Obwohl Christine nie etwas mit einem Grenzer anfangen wollte, weil sie deren Job verachtet, lässt sie sich auf Alex ein, entscheidet sich aber dann doch für die Flucht in den Westen und damit gegen die Liebe.


Christine ist erfahrener als Alex, sie überschaut die politische Situation des Landes weitaus mehr als er. Die Frauen in der DDR hatten eine andere Stellung in der Gesellschaft, sie waren viel eigenständiger und unabhängiger als die Frauen im Westen. Das fand ich sehr spannend und entsprechend habe ich meine Figur dann auch verstanden und gespielt.



ZDF: Im Gegensatz zu Ihren Schauspielkollegen Jakob Matschenz, Max Riemelt, Jürgen Heinrich, Burghart Klaußner, Jutta Hoffmann oder Corinna Harfouch leben Sie erst seit sechs Jahren in Berlin. War die deutsch-deutsche Grenze jemals ein Thema für Sie?


Heerwagen: Im Jahr der Maueröffnung war ich zwölf Jahre alt und lebte in München. Mit Politik und Geschichte habe ich mich erst viel später beschäftigt. Aber als ich nach Berlin zog, habe ich mir schon die Frage gestellt, was ich am Tag der Maueröffnung eigentlich gemacht habe. Richtig auseinandergesetzt habe ich mich mit dem Thema dank dieses Films.

Ich bekam sehr viel Informationsmaterial von der Colonia Media. So konnte ich mich gut auf meine Rolle vorbereiten. Die Arbeit für "An die Grenze" hat mir nicht nur viel Spaß gemacht - es war wie bei meiner damaligen Arbeit für Julian Pölslers "Schandfleck" - eine kleine Zeitreise, eigentlich lebendiger Geschichtsunterricht.

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