"Man bangt und hofft mit Marthaler und seinem Team"

Regisseur Lancelot von Naso über seinen Film

Nachwuchsregisseur Lancelot von Naso war von Beginn an für "Die
Braut im Schnee" zu begeistern. Sein Debütfilm "Waffenstillstand",
koproduziert von der Redaktion Das kleine Fernsehspiel im ZDF, errang national und international etliche Preise und zeichnet sich durch eine genaue Dramaturgie, sensible und punktgenaue Schauspielerarbeit und eine hervorragende Kameraarbeit aus. Grund genug, ihm die Regie für einen Fernsehfilm der Woche anzubieten.

Regisseur Lancelot von Naso (v.l.), Hauptdarsteller Matthias Koeberlin (r.) und Teammitglieder
Regisseur Lancelot von Naso (v.l.), Hauptdarsteller Matthias Koeberlin (r.) und Teammitglieder Quelle: ZDF

Alle Marthaler-Fälle sind spannende, dicht erzählte und überaus wendungsreiche Krimis, welche die Fans des Genres auf eine emotionale Tour de Force mitnehmen.

Marthaler, der Kommissar

Was mir sofort gefallen hat ist, dass Matthias Koeberlin als Kommissar Marthaler noch sehr jung ist, noch nicht so abgebrüht. Ihm setzt der Fall wirklich zu. Wenn die Ermittler im Dunkeln tappen oder einer falschen Spur nachgehen, sieht er das als persönliche Niederlage.

Das Team

Für jeden neuen Toten fühlt er sich mitverantwortlich. Gleichzeitig ist er aber auch sehr impulsiv und will auch mal mit dem Kopf durch die Wand. Ich glaube, wie Matthias Koeberlin den Marthaler spielt, gibt dem Film eine sehr eigene emotional menschliche Note. Uns war von Anfang an wichtig, ein starkes Ensemble zu finden. Figuren, die auf ihre Art starke, individuelle Charaktere sind, ohne zu überzeichnet zu wirken. Ein Ensemble, bei dem es einfach Spaß macht, wenn alle aufeinander losgelassen werden.

Spannung

Ein großes Ermittlerteam macht einen Krimi auf eine Art auch schneller und beweglicher. Es kann in der gleichen Zeit mehr ermittelt werden, viel mehr passieren. Die Diskussionen in der Gruppe sind hitziger, es findet viel Interaktion zwischen den Ermittlern statt. Man hat eine größere Binnenspannung. Die Geschichte ist - auch wenn es reichlich Verwicklungen, Verdächtige, und Nebengeschichten gibt - in vielem ein relativ normaler Serienmörderplot. Was mir von Anfang an besonders gefallen hat, sind die sehr ausgeprägten Spannungsmomente des Romans. Wenn das Ermittlerteam am Bahnhof eine Zeugin abholen soll und nicht weiß, ob sie nicht erschossen wird. Wenn Marthaler in eine Wohnung kommt, in der sich der Mörder noch aufhält, oder wenn die Polizisten dem Mörder eine Falle stellen und dann warten, ob er auch kommt.

Liebe

Hier wird der Film wirklich zum Thriller und man bangt und hofft mit Marthaler und seinem Team. Es sind sehr filmische Momente, in denen lange scheinbar nichts passiert und doch jeder Moment der entscheidende sein kann. Gepaart mit ein paar Überraschungen, die die Geschichte bereithält, weiß man nie, woran man ist und was als nächstes passiert.Marthalers persönliche Geschichte mit seiner Freundin Tereza: Schon im Roman mochte ich die Poesie dieses gemeinsamen Ringens um ein kleines bisschen gemeinsame Zukunft.

Wenn er sie am Flughafen vergisst und sie in ihren gebrochenem Deutsch Sätze sagt wie: "Ich stand am Flughafen, sehr dumm wie ein Schaf im Regen", kann man eigentlich nur versuchen, solche Momente in einen Film hinüber zu retten und hoffen, dass man das genauso anrührend hinbekommt.

Atmosphäre

Mit dem Drehbuchautor Kai Uwe Hasenheit haben wir schon im Drehbuch versucht, viel Atmosphäre in den Film zu bringen. Seghers beschreibt ja sehr genau das authentische Frankfurt, und so haben wir schon sehr früh versucht, Szenen und Drehorte zu finden, die die Geschichte atmosphärisch unterstützen.


Geholfen hat uns hier eine neue Digitalkamera, die "Alexa". Sie ermöglicht mit sehr wenig, beziehungsweise mit schon vorhandenem Licht eine Szene zu drehen. So konnten wir vieles machen, was bei einem Fernsehfilm sonst unmöglich gewesen wäre. Wir haben Straßenzüge mit relativ heller Straßenbeleuchtung gesucht und dort, ganz ohne eigenes Licht zu setzen, gedreht. Diese Bilder sind außergewöhnlich, weil die Nacht anders aussieht, als wenn man sie mit Filmlicht leuchtet. Auch konnten wir an Motiven drehen, die sonst schon aufgrund der Größe so nicht möglich gewesen wären.

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