"Optimal wäre es, Jung und Alt zu vernetzen"

Ein Interview mit Rita Russek

Rita Russek spielt die Protagonistin Hannah - eine attraktive Mode- und Designmanagerin, die kurz vor einem Karrieresprung steht. Als ihr ein ebenso junger wie dynamischer Chef vor die Nase gesetzt wird, der sie zu allem Überfluss auch noch mobbt, beginnt für sie ein Alptraum. Die Schauspielerin spricht über ihre Rolle und ihr Ideal einer beruflichen Zusammenarbeit verschiedener Generationen.


ZDF: Frau Russek, Sie spielen in dieser bittersüßen Komödie wieder eine erfolgreiche Frau, die mitten im Leben steht und dennoch um ihre Existenz kämpfen muss, weil ihr ein wesentlich jüngerer Mann als Chef vor die Nase gesetzt wird. Liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?


Rita Russek: Durchaus, obwohl ich langsam das Gefühl habe, dass die Tendenz, die so genannten Alten durch junge Leute zu ersetzen, rückläufig ist. Vielleicht müssen die jungen Leute bald mehr Angst vor den Alten haben als umgekehrt! Ich habe den Eindruck, dass man sich wieder auf Erfahrung, auf über Jahre erworbene Fertigkeiten und auf Glaubwürdigkeit besinnt, die ältere Menschen doch viel eher ausstrahlen können als junge. In der Modebranche, in der unser Film spielt, spitzt sich diese Thematik natürlich zu.

Mode verbindet man gemeinhin mit jungen, schlanken, schönen, faltenlosen Menschen, und das gilt nicht nur für diejenigen, die die Mode tragen, sondern auch für die Einkäufer. Insofern ist das Umfeld, in dem "Ihr mich auch" spielt, ein guter Teppich, um das Problem, mit dem viele Menschen, vor allem Frauen konfrontiert sind, wieder einmal ins Bewusstsein zu rücken. Trotz meines leisen, optimistischen Gefühls, dass sich hier und da die Haltung einiger Chefs ändert, sind bestimmte Angebote in einem gewissen Alter nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Optimal wäre es aus meiner Sicht, Jung und Alt zu vernetzen. Das ist die Zukunft.


ZDF: Ihre Hannah ist aber nicht nur eine starke Persönlichkeit, hinter ihrer Fassade verbirgt sich eine Verletzlichkeit, die sie mitunter auch zeigt.


Russek: Ich würde nie versuchen, eine solche Figur ohne Brüche zu spielen. Sie ist für mich nur authentisch, wenn auch ihre Fehler, ihre Eigenarten, ihre Unsicherheiten, ihre Sehnsüchte, ihre Verletzbarkeit sichtbar sind. Natürlich brauchen wir in einigen Filmen auch all die Prinzessinnen und Könige, die uns träumen lassen, die eben gewisse Sehnsüchte stillen. Aber was meine Rollen, wie etwa die der Hannah, betreffen, so wollen die Zuschauer doch keine perfekte Frau in den allerbesten Jahren sehen, das würden sie ihr und mir gar nicht abnehmen. Glaubhaft, glaubwürdig kann ich doch nur herüberkommen, wenn ich die Figur differenziert zeige und damit ihre Stärken und Schwächen.
ZDF: Welche Schwächen hat Hannah denn?


Russek: Oh, Hannah kann schon eine ziemlich große Nervensäge sein. Mit ihrer Tochter geht sie zum Beispiel oft sehr harsch um. Mit was für einer Abschätzigkeit sie diese behandelt! Nur weil die nicht so ist, wie sie sie sich wünscht. Blut ist eben nicht immer dicker als Wasser. Hannah hat auch Sehnsüchte, die sie nicht ausformuliert, was dazu führt, dass sie eben manches Mal sehr abweisend und grob wirkt.


ZDF: Ist Hannah eigentlich heimlich in ihren Nachbarn Jonathan Engelhard verliebt?



Russek: Ich glaube schon, dass die beiden mehr als nur eine Freundschaft miteinander verbindet. Sie frotzelt gern mit ihm, zieht ihn mit seinen ständig wechselnden jungen Freundinnen auf. Wer weiß, ob und was zwischen den beiden entsteht? Das ist ja das Schöne an den Drehbüchern von Annemarie Schoenle: Sie lässt den Schluss immer offen. Ihre Figuren gehen oft einfach weg oder Situationen bleiben ungeklärt, so dass der Zuschauer seine eigene Fantasie bemühen kann.


ZDF: Haben Sie eigentlich nicht Lust, noch einmal auf einer Theaterbühne zu stehen?


Russek: Ich habe wunderbare Zeiten am Theater erlebt, als Darstellerin und als Regisseurin. Aber mit den meisten aktuellen Theaterinszenierungen komme ich nicht zurecht. Manche finde ich schrecklich, manche faszinieren mich. Ich frage mich, welchen Sinn diese ganzen Neuerfindungen haben, die unter den Titeln der alten Stücke gespielt werden. Außerdem fühlt man sich schnell sehr einsam, wenn man nicht Mitglied, sondern nur Gast eines Ensembles ist. Nein, das Theater ist für mich vorbei.


ZDF: Sind Sie ein politischer Mensch?


Russek: Mit Sicherheit. Ich meine, dass das der Beruf des Schauspielers automatisch mit sich bringt. Man übernimmt ja als Schauspieler immer eine Verantwortung. Ich halte es aber für unnötig, wenn sich ein Schauspieler einer politischen Partei anschließt.

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