Radikal ehrlich

Ein Beitrag zur Komplettierung des DDR-Bildes

Zum Bild der DDR gehört die so genannte Staatsgrenze West. Und zu der Grenze gehörte, dass auf Menschen geschossen wurde, welche sie zu überwinden suchten, weil sie keine andere Möglichkeit sahen, in 'den Westen' zu kommen. Wie aber sah es in den Grenzsoldaten aus, die im Ernstfall zu schießen hatten? Wie dachten und empfanden sie?

Alexander (Jacob Matschenz, l.) und Gappa (Florian Panzner, r.) müssen Wache schieben. Quelle: ,ZDF

"An die Grenze" ist der erste Fernsehfilm, der aus der Perspektive eines dieser Soldaten erzählt. Er stellt ihn und seine 'Kameraden' jenseits der üblichen Stereotypen als 'gewöhnliche' junge Männer dar, mit Leidenschaften, Ängsten, Hoffnungen und Lebenswünschen. Der Film vermittelt gerade dadurch eine scharfe und überzeugende Verurteilung des Grenzsystems mit seinen Sperrzäunen und Selbstschussanlagen.

Story eines Erwachsenwerdens

An die Grenze_218 titel Quelle: ZDF

"An die Grenze" ist die Story eines Erwachsenwerdens, unter Bedingungen der DDR. Nach der Schulzeit weiß der junge Alexander Karow nicht wirklich, was er mit seinem Leben anfangen will. Die Privilegien seines Professoren-Vaters lehnt er ab. Er glaubt an Ideale des DDR-Sozialismus und tritt freiwillig den Dienst in den Grenztruppen an.

Dort erfährt er durch die halboffiziellen, brutalen Herrschaftsmechanismen innerhalb des Militärs den Charakter der Gesellschaft, aus der es hervorgeht. Er findet und verliert einen wahren Freund. Und er trifft und genießt seine erste große Liebe. Am Schluss hasst er das Grenzregime. Aber er ist erwachsen geworden. Der Boden für klarere Entscheidungen in seinem Leben ist bereitet.

Widersprüchliche Erfahrungen

Der Autor Stefan Kolditz war selbst Soldat an der Staatsgrenze West. "An die Grenze" erzählt authentisch und genau von vielen und widersprüchlichen Erfahrungen. Dem monotonen Grau der Kaserne steht das üppige Grün des Waldes entgegen, der Rohheit des soldatischen Männertums die zarte und aufmerksame Liebe. Dramatische Szenen bewaffneter Soldaten kontrastieren mit ruhigen Szenen von Gespräch und Kameradschaft. Der von Produzent Christian Granderath initiierte Film vereinheitlicht in der Regie von Urs Egger die verschiedenen Momente zu einem ergreifenden und berührenden Ganzen.

Die DDR war nicht nur spießig oder unfreiwillig komisch. Der öffentlich-rechtliche Fernsehfilm "An die Grenze" will zur Komplettierung des DDR-Bildes beitragen. Er ist - summa summarum - ein radikal ehrlicher Film.

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