Schwer einzuordnen und nahezu unbekannt

Biografische Hintergrundinformationen zu John Rabe

Der Kaufmann John H. D. Rabe wurde am 23. November 1882 in
Hamburg geboren. Nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre und
einem mehrjährigen Aufenthalt in Afrika kam er 1908 nach China, wo er von 1911 bis 1938 bei der Siemens China Co., einer Tochtergesellschaft des deutschen Siemens-Konzerns arbeitete, ab 1931 als deren Repräsentant.

John Rabe (Ulrich Tukur, r.) und Prinz Asaka mit hunderten von Chinesen
John Rabe (Ulrich Tukur, r.) und Prinz Asaka mit hunderten von Chinesen Quelle: ZDF

Bis zur Entdeckung seiner Tagebücher 1996 war John Rabe in Deutschland nahezu unbekannt und auch aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP schwer einzuordnen. Die international renommierte Sinologin Professor Mechthild Leutner (Freie Universität Berlin) vermutet, dass John Rabe mit China sehr verbunden war, "sein Beitritt in die NSDAP eher aus deutsch-konservativer, deutsch-nationaler Sicht erfolgt ist". Erwin Wickert, Herausgeber der Rabe-Tagebücher, war nach dem Zweiten Weltkrieg deutscher Botschafter in China und lernte John Rabe in den 30er Jahren kennen, als er für zwei Wochen in dessen Haus in Nanking lebte.

Späte Würdigung durch Deutschland

Wickert argumentiert, dass Rabe in China, fernab der Heimat, keinen Einblick in die gesellschaftliche und politische Situation in Deutschland haben konnte. Das von Wickert im Dezember 1996 veröffentlichte, umfangreiche Tagebuch John Rabes gilt als eine der herausragenden historischen Quellen über das Massaker von Nanking von 1937. John Rabe wurde nach seiner Rückkehr nach Deutschland von der Gestapo verhaftet. Sie warf ihm Kollaboration mit den Chinesen vor.

Seine Tagebücher wurden beschlagnahmt und tauchten erst 60 Jahre später wieder auf. Nach dem Krieg verweigerten ihm die Alliierten zunächst die Entnazifizierung. Er starb 1950 ihn Berlin. 1997 wurde Rabes Grab von der chinesischen Regierung in die Gedenkstätte von Nanking überführt. Erst im Jahre 2003 wurde der humanitäre Einsatz Rabes durch Deutschland gewürdigt. Der damalige Bundespräsident Johannes Rau erkannte offiziell den humanitären Einsatz John Rabes bei einem Besuch der Gedenkstätte Nankings an.

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