Selten erzählte Innenansicht

Burghart Klaußner im Interview

Die Rolle des Professor Karow hatte für Burghart Klaußner einen doppelten Reiz, da es dabei auch um die Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Vergangenheit ging. Besonderes lobend geht der Schauspieler auf Stefan Kolditz' authentische Beschreibung der DDR-Grenztruppen ein.


ZDF: Herr Klaußner, die Tragikomödie "Good Bye, Lenin!" reflektierte eher humorvoll die politischen Ereignisse während der deutschen Wiedervereinigung. "An die Grenze" nähert sich der deutschen Geschichte auf ernsthaftere Weise. Sehen Sie einen Widerspruch darin, in beiden Filmen mitgewirkt zu haben?


Burghart Klaußner: Überhaupt nicht! Ich habe die Rolle nicht nur wegen des spannenden Themas angenommen, sondern auch, weil ich gern in DDR-Biografien hineinschaue. Es reizt mich, diesen Lebensläufen nachzuspüren und mich den Charakteren anzunähern. Wenn ich nicht Westberliner, sondern ehemaliger DDR-Bürger wäre, hätte ich nur allzu gern meine Nase in die Stasi-Behörde stecken wollen, um den Modergeruch zu spüren und zu erfahren, was wohl unternommen worden wäre, hätte man mich ausspionieren wollen.


ZDF: In letzter Zeit häufen sich die Filme, die sich mit jüngster historischer Geschichte befassen. Ist das Ihrer Meinung nach richtig?


Klaußner: Meiner Meinung nach kann es gar nicht genug Filme und Bücher geben, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Zeit befassen. Wir sind doch alle auch heute noch den Auswirkungen dieser Zeit ausgesetzt, sie ist ein Teil unserer gemeinsamen Lebensgeschichte. Und das Reizvolle an Stefan Kolditz' Drehbuch war, dass er selbst seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen der DDR leistete.


Somit bekommen wir eine Innenansicht, wie sie selten erzählt wurde - ein Glücksfall! Ohne dieses Wissen könnte man Stefan Kolditz' Drehbuch da für unrealistisch halten, wo er mit kleinen amüsanten Geschichten überrascht: Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass Grenzer auf ihren Posten Westrundfunk hörten?

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