"Sie kämpft um den Boden, der sie trägt"

Interview mit Maria Simon

Maria Simon ist eine Ausnahmeschauspielerin. Für ihre Darstellung als tief verletzte Frau nach einer Vergewaltigung in dem Drama "Es war einer von uns", das bereits auf einigen Filmfesten lief, wurde sie mit dem deutschen Regiepreis METROPOLIS als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Im Folgenden reflektiert sie über ihre Rolle und den Wert von Freundschaft und Liebe.

Johanna (Maria Simon)
Johanna (Maria Simon) Quelle: ZDF


ZDF: Leben ist von einem Augenblick zum anderen aus den Fugen geraten. Können Sie nachvollziehen, was in ihr vorgeht?


Maria Simon: Es ist ganz und gar nicht einfach zu verstehen, was in einer Frau vorgeht, die mit der Tatsache umzugehen lernen muss, dass sie erstens vergewaltigt worden ist, zweitens sich nicht erinnern kann und drittens, dass es einer ihrer Freunde gewesen sein muss, der ihr körperliche und schlimme seelische Schmerzen zugefügt hat. Ich habe viel gelesen über dieses Thema, habe mich erschrocken, dass dieses Liquid Ectasy-Zeug eine absolute Modeerscheinung ist und die Droge ganz oft gebraucht wird, um Menschen gefügig zu machen, um sie dann auszurauben oder sie zu missbrauchen. Das Gewaltpotential im Menschen, die fehlende Liebe füreinander, die Hinterhältigkeit, die Perversion, so zu denken und auch noch zu handeln, werde ich wohl nie verstehen und akzeptieren können.

Johanna verliert das Vertrauen zu sich selbst, dann zu ihrem Umfeld und auch bald zum Leben an sich. Ihr ganzes System bricht auseinander, und sie kämpft um den Boden, der sie trägt.


ZDF: Es geht in diesem Film um Vertrauen und Freundschaft. Was bedeutet für Sie Freundschaft und Loyalität?


Simon: Ich erkenne immer mehr den Wert und die Kraft der Liebe. Es geht dabei nicht allein um das Verstehen von Liebe, sondern vielmehr, sich auf den Pfad der Liebe wirklich zu begeben. Das heißt auch, bereit sein, sich zu ändern, im Sinne der Liebe. Aus Liebe wächst Vertrauen. Aus Vertrauen wächst wahre Freundschaft und Loyalität. Da gibt es keine Lügen. Da wird kommuniziert mit der ständigen Bereitschaft, sich weiter zu entwickeln, zum Guten hin, im Sinne der Liebe. Mein Mann ist meine beste Freundin.


ZDF: Johanna ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen - bis hin zur Selbstjustiz. Gibt es Situationen, die einem das Recht dazu geben?


Simon: Das ist eine schwierige Frage. Was ist Recht überhaupt? Ist es das, was im Gesetzbuch steht? Vielmehr stellt sich mir die Frage, welche Form des Wehrens sinnvoll ist. Wenn jemand zum Beispiel meinen Kindern etwas antut, wäre meine natürliche Reaktion, diesen Menschen zu verletzten. Aus Rache wahrscheinlich. Allerdings würde das nichts wieder gutmachen, es würde nichts an der Tatsache ändern. Was ich an Johanna beachtlich finde, ist der Kampf, die Offensivität, mit der sie eine Lösung, einen Weg sucht, um sich aus diesem Horrorknäuel zu befreien. Sie möchte weiter leben.

Die Hilfe von außen hat sich schnell erschöpft, und sie gibt dennoch nicht auf. Sie geht alleine weiter, bis zum Äußersten, und der Weg zeigt Ihr, welche Form der Genesung, der Rehabilitation richtig ist. Sie kann nur gesunden aus sich selbst heraus, indem sie sich selbst neu programmiert - sich eine neue Welt, ein neues System aufbaut, sich der Umwelt nicht verschließt oder durch Rachegedanken irgendwohin leiten lässt. Das finde ich bemerkenswert und habe dazu gelernt, dass der Mensch zu unglaublichen Dingen in der Lage ist und selbst im schlimmsten, dunkelsten Raum Licht findet, und wieder neu erblühen kann, wenn er nur will und an sich glaubt.


ZDF: Sie standen zusammen mit Devid Striesow vor der Kamera, mit dem Sie einen Sohn haben. Wie lief die gemeinsame Arbeit?



Simon: Unser Sohn ist mittlerweile 14 Jahre alt und die Arbeit mit Devid war super.

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