"Sievert ist eine tragische Figur"

Ein Interview mit Vadim Glowna

Vadim Glowna spielt in diesem Krimi einen leicht melancholischen, aber machtbewussten ehemaligen Unterwelt-Boss aus Hamburg St. Pauli, der seinem Sohn Ben Sievert seinen Schutz aufdrängen will. Im Interview spricht er über seine Inspiration zu dieser Figur und die spezielle Beziehung zwischen Vater und Sohn.

Werner Sievert (Vadim Glowna) Quelle: ZDF


ZDF: Herr Glowna, Sie spielen einen berühmt-berüchtigten St. Pauli-Paten. Hatten Sie, ein gebürtiger Hamburger, ein Vorbild vor Augen, um diese schillernde Figur glaubwürdig darstellen zu können?


Vadim Glowna: Ich habe mich, was das äußere Erscheinungsbild meiner Figur betrifft, an dem Auftreten der Kiezkönige Willi Bartels und an Wilfrid "Frida" Schulz orientiert - Leute, die scheinbar bürgerlich und solide daherkommen, hinter deren Fassade sich jedoch ein ganz anderes Gesicht verbirgt.

Diese Leute sind auf dem Kiez in Prostitution, dunkle Machenschaften und Immobilienhandel verwickelt, sonst bräuchten sie ja keine Angst einflößenden Bodyguards und kriminelle Typen fürs Grobe. Sievert gibt sich nach außen hin ja auch als der joviale, seriöse Geschäftsmann, der in seinem Hinterzimmer allerlei Dubioses abwickelt ... Ich denke, dass es mir gelungen ist, diese Figur realistisch darzustellen.
ZDF: Sievert sucht ständig den Kontakt zu seinem Sohn, der ihm aber offensichtlich misstraut. Wie würden Sie die Beziehung zwischen den beiden beschreiben?


Glowna: Es ist eine klassische Vater-Sohn-Beziehung. Der Sohn möchte aus dem Schatten des übermächtigen Vaters heraustreten, er sucht seinen eigenen Weg durchs Leben. In diesem Fall möchte er vor allem mit den kriminellen Geschäften und zwielichtigen Partnern seines Vaters nichts zu tun haben. Der Vater wiederum versteht das nicht, er möchte den Sohn beschützen und kann nicht nachvollziehen, dass der Junge ihm nicht dankbar für all das ist, was er bislang für ihn getan hat. Er liebt ihn, das aber auf eine nahezu "erwürgende" Art. Sievert ist eine tragische Figur. Er will eigentlich nur das Gute für seinen Sohn, verhält sich dabei aber rücksichtslos und grob.

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