"So authentisch und sachlich wie möglich"

Statement von Regisseur Dror Zahavi

"München 72 - Das Attentat" erzählt das Geiseldrama im Olympischen Dorf fast ausschließlich aus der deutschen Perspektive. Eine andere Geschichte hätte ich auch nicht erzählen wollen. Für mich als Israeli ist das Thema besonders wichtig, aber auch heikel. Ich kann mich noch ganz genau an den Überfall erinnern, kann die Emotionen, die das Ereignis damals in Israel auslöste, noch spüren.

Regisseur Dror Zahavi am Set
Regisseur Dror Zahavi am Set Quelle: ZDF

So gut wie keine Erfahrungen

Ich wollte auf keinen Fall einen Film drehen, der neuen Hass zwischen Israelis und Palästinensern schürt. Wir haben deshalb versucht, die Ereignisse von München so authentisch und sachlich wie möglich zu schildern, und konzentrieren uns auf die offizielle Version von Polizei und Gerichtsmedizin, um Spekulationen keinen Raum zu geben. Es ranken sich schließlich schon genug Legenden und Theorien um das Drama. Natürlich wissen wir nicht von allen Szenen, wie sie sich im Detail in der Realität abgespielt haben. Dies eröffnet einen Interpretationsspielraum, den wir bewusst zu nutzen suchen: In der extremen Situation, mit deren Umgang es auch weltweit bis dato so gut wie keine Erfahrungen gab, müssen sowohl bayerische und Bundesbehörden als auch die palästinensischen Entführer dauernd existenzielle Entscheidungen treffen. Dabei treten auch emotionale und charakterliche Stärken und Schwächen der Protagonisten innerhalb der beteiligten Gruppen schonungslos zutage, was auch Konflikte und Risiken erzeugt. Dies erzählen zu können, ist auch einer dramaturgischen Notwendigkeit geschuldet, um am Ende nicht im Doku-Drama haften zu bleiben.

Einen Teil der Schauspieler haben wir in Israel gecastet. So werden die Israelis von Israelis, die Palästinenser von Palästinensern und Deutsche von Deutschen gespielt. Ganz sicher haben wir dadurch eine größere Authentizität der Geschichte erreicht. Es war interessant zu beobachten, welche Dynamik sich am Set entwickelte. Durch die genaue Rekonstruktion der Ereignisse und das Drehen an den Originalschauplätzen versetzten sich die Schauspieler in die Situation von damals und begannen, intensiv zu fühlen, zu fragen und zu debattieren.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet