"So authentisch wie möglich"

Drei Fragen an Regisseur Martin Enlen

Obwohl selbst Hollywood aus Kostengründen in den letzten Jahren gerne in Rumänien gedreht hat, ist dieses Land noch immer filmisch sehr unverbraucht. Der Fernsehfilm "Das Geheimnis in Siebenbürgen" benutzt Rumänien aber nicht als billige Kulisse, sondern thematisiert einen Teil deutsch-rumänischer Geschichte. Regisseur Martin Enlen hat sich aufgrund seiner eigenen Wurzeln mit dem Thema Heimat bereits gründlich auseinandergesetzt.

ZDF: Herr Enlen, Rumänien ist ein Land, in dem nicht allzu häufig gedreht
wird. Wie haben Sie die Motive gefunden?

Martin Enlen
Martin Enlen Quelle: ZDF/Thomas Kuschke

Martin Enlen: Wir sind im Vorfeld sehr viel rumgereist und das in verschiedenen
Etappen. Es war eine besondere Freude, dieses Land zu entdecken. Wir haben in Rumänien ja nicht gedreht, weil es vergleichsweise preiswerter ist dort zu drehen als zum Beispiel in Deutschland. Unsere Geschichte spielt in diesem Land, sie dreht sich um dieses Land, um seine Menschen, um seine politische Vergangenheit. Deshalb wollten wir Rumänien so authentisch wie möglich zeigen, die bunten Häuser und Pferdewagen sind nicht aus romantischen Gründen im Bild. Es gibt sie, sie gehören zu diesem Land dazu. Die Tatsache, dass wir eine Geschichte über ihr Land erzählen, hat die rumänischen Teammitglieder sehr beeindruckt. Und auch, dass wir die Nebendarsteller mit Rumänen besetzt haben, um eben so authentisch wie möglich zu sein, hat die Menschen dort sehr gefreut.

ZDF: Hatten Sie den Hauptcast von Anfang an im Blick gehabt?


Enlen: Katharina Böhm und Oliver Stokowski standen schnell fest und auch Jürgen Tarrach. Die Rolle, die Dorka Gryllus spielt, wollten wir ursprünglich mit einer rumänischen Darstellerin besetzen, aber wir wurden weder in Rumänien noch in Deutschland fündig. Mara sollte schließlich auch deutsch sprechen können, denn wir wollten die Rolle nicht synchronisieren. Dorka war schließlich ein Glücksgriff für uns.
Sie passte vom Aussehen und von ihrem Typ her perfekt zu dieser Figur, auch wenn sie gebürtige Ungarin ist. Den Akzent musste sie allerdings erst erlernen, da die Sprachen doch sehr verschieden sind.

ZDF: Was haben Sie für sich persönlich aus dieser Zeit mitgenommen?


Enlen:   Ich habe heute noch ein sehr warmes Gefühl, wenn ich an diese Dreharbeiten denke. Nach anfänglichem Misstrauen wurden wir von den Menschen sehr herzlich aufgenommen. Das Land, die Natur, die Menschen haben uns verwöhnt – es war eine schöne menschliche, intensive Erfahrung! Noch heute habe ich Kontakt zu einigen rumänischen Teammitgliedern. Und vielleicht erinnere ich mich auch deshalb an diese Zeit noch allzu gern, weil auch mich das Thema "Heimat" umtreibt. Meine Mutter stammt aus Riga und als ich 2001 zum ersten Mal mit ihr dort war, habe ich gespürt, dass ein Teil von mir aus einem anderen Land kommt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet