"Solche Rollen sind ein Geschenk"

Interview mit Nadja Uhl

Nadja Uhl spielt in "Der Tote im Spreewald" die einsame Tanja Bartko, deren Mann Daniel tot aufgefunden wird, nachdem er sie während ihrer Schwangerschaft betrogen und verlassen hat. Zerrissen zwischen ihrer immer noch schwelenden Liebe zu Daniel und dem furchtbaren Elend, in das er sie gestürzt hat, hüllt sie sich in einen abschirmenden Kokon ein. Die Schauspielerin spricht mit dem ZDF über die Faszination ihrer Rolle und die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen.

Bodo Tankmann (Hermann Beyer, r.) und Tanja Bartko (Nadja Uhl, l.) Quelle: ZDF


ZDF: Frau Uhl, Tanja Bartko wirkt immer ein wenig entrückt, als würde sie in einer Parallelwelt leben. Eine Frau, die sich ganz offensichtlich immer an der Grenze bewegt. War es das, was Sie an dieser Rolle reizte?



Nadja Uhl: Für einen Schauspieler sind solche Rollen natürlich ein Geschenk: Eine in sich zerrissene Figur spielen zu dürfen, eine Frau, die sich derart in Extremen bewegt wie es Tanja Bartko tut, ist eine spannende Erfahrung und schöne Herausforderung zugleich. So macht der Beruf Spaß!

Es gab aber auch noch andere Gründe für mich, diese Rolle anzunehmen. Zum einen bin ich ein großer Fan der Drehbücher von Thomas Kirchner, zum Beispiel des Krimis "Das Geheimnis im Moor". Zum anderen hat mir die Handschrift der Filme von Christian von Castelberg so gut gefallen. Er macht besonderes Fernsehen, was er auch mit unserem Film "Der Tote im Spreewald" zeigt. Außerdem finde ich Christian Redl großartig: Für mich ist er einer der männlichsten, charismatischsten Darsteller, die wir in Deutschland haben. Eine hohe Meinung habe ich von Hinnerk Schönemann, mit dem ich auch zum ersten Mal gearbeitet habe: ein toller Kollege, mit dem man viel lachen kann, der aber auch eine gewisse Verletzlichkeit hat, jemand, mit dem ich sofort auf einer Wellenlänge lag.


ZDF: Wie erklären Sie sich Tanja Bartkos eigentümliches Verhalten?


Uhl: Ihre Kratzbürstigkeit und Lethargie haben eine Geschichte. Anfangs ist sie mit Daniel noch sehr fröhlich und unbeschwert, das Haus, das sie im Wald beziehen, ist die Krönung ihres Zusammenseins. Als Daniel Tanja wegen des Kindes, das sie erwartet, verlässt, ist das wie ein Schock für sie. Von da an hüllt sie sich in einen Kokon, um nicht mehr angreifbar, um nicht mehr verletzlich zu sein.


Mit ihrer Liebe ist sie in einer Sackgasse gelandet und in eine Art Winterschlaf verfallen. Darin ähnelt sie Kommissar Krüger, der auch versucht, sich in seinem Schmerz einzuigeln. Denn auch er wurde verlassen. Zwischen Tanja und Krüger besteht ein nicht ausgesprochenes Grundverständnis. Sie kennen sich zwar kaum, aber sie sind sich vertraut.

Es kann ja ein Geschenk sein, wenn zwei Menschen, die so müde wie die beiden es sind, aufeinandertreffen. Es ist zumindest sehr tröstlich. Vielleicht würden sie auch eines Tages ein Paar sein. Das auszuspielen, wäre aber zu kitschig gewesen.

ZDF: Wie haben Sie die Dreharbeiten im Spreewald empfunden?



Uhl: Ich finde, er wirkt ähnlich entrückt wie Tanja. Er hat etwas Verwunschenes, Zeitloses, fast Bleiernes, das die Kamera gut aufgegriffen hat. Der Spreewald ist längst nicht so düster wie er in unserem Film wirkt, aber für diese Geschichte eignete er sich perfekt. Mir fielen die Quitten an den blattleeren winterlichen Bäumen auf - sie waren für mich wie ein Bild für einen Winterschlaf, in den die ganze Landschaft gesunken ist.


ZDF: Sie spielen im Film eine schwangere Frau und waren es dann kurz vor der Erstausstrahlung dieses Films tatsächlich ...


Uhl: Ja, das entbehrt nicht einer gewissen Komik, aber die Babybäuche sehen im Fernsehen immer irgendwie anders aus als im wirklichen Leben.

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