"Sympathische Typen zu spielen ist langweilig"

Interview mit Hauptdarsteller Maximilian Simonischek

Mit Lukas Laim will so manche Frau ins Bett. Der Kommissar aus gutem Hause amüsiert sich aber lieber auf Kosten seiner Mutter mit einer Edelprostituierten. Zur Vorbereitung auf seine Rolle hat sich Darsteller Maximilian Simonischek eigens eine Biographie mit Laims Vergangenheit angelegt und gibt zu, dass er den ebenso bindungsscheuen wie gewitzten Ermittler zumindest teilweise verstehen kann. Auf Laims Erfolg mit den Frauen ist er sogar ein bisschen neidisch.

Sophie Radetzki mit Lucas Laim
Sophie Radetzki mit Lucas Laim Quelle: ZDF,Chris Hirschhäuser


ZDF: War es schwierig, solch einen vielschichtigen jungen Mann wie Lukas Laim zu spielen?


Maximilian Simonischek: Er sollte kein aalglatter Kommissar sein, sondern auch Probleme haben. Laim ist beziehungsunfähig, Stammkunde bei einer Escort-Agentur und hat statt einer festen Freundin eine bezahlte Dauergeliebte. Er hat auch sein Päckchen mit eigenen Probleme zu tragen. Vielschichtige Figuren zu entwickeln, ist nie leicht, aber immer erstrebenswert und die Herausforderung, so war's auch bei Laim. Die vielen unterschiedlichen Situationen, in die Laim gerät, helfen dabei, seine Schwächen und Facetten darzustellen.


ZDF: Hat Ihnen dabei Ihre häufige Theaterarbeit geholfen? Simonischek: Durchaus. Die Herangehensweise an Rollen habe ich sicher am Theater gelernt, wo man wochenlang proben kann - im Gegensatz zu Dreharbeiten. So habe ich mir eine Biografie von Lukas Laim zusammengebaut: von seiner Geburt bis zum Start des Films. Die zeige ich keinem, lege sie niemandem vor. Die dient nur für mich, um dieser Figur einer Vergangenheit zu geben. Diese Biografie macht sie klassisch für mich greifbar. Es sind die Konflikte und Unebenheiten, die mich an dieser Rolle so gereizt haben. Sympathische Typen zu spielen, ist langweilig.


ZDF: Dabei kann sich Lukas Laim vor weiblichen Angeboten kaum retten! Warum?


Simonischek: Es ist nicht nur das tolle Auto und sein Aussehen. Vielleicht finden Frauen ihn auch interessant, weil er etwas Verschlossenes an sich hat, den Charme des einsamen Wolfes. Sie können ihn nicht sofort einordnen, er ist nicht berechenbar, kein langweiliger Schönling.


ZDF: Besteht denn die Gefahr bei einem attraktiven Äußeren, dass die Figur schnell aalglatt wirkt?


Simonischek: Egal, ob gutaussehend oder nicht, ich will immer die Ecken und Kanten einer Persönlichkeit herausarbeiten. Laim hat großen Erfolg bei den Frauen, trotzdem geht es ihm nicht nur darum, alle ins Bett zu kriegen. Im Gegenteil, eigentlich sehnt er sich nach einer festen Beziehung, bekommt es aber nicht hin, sich auf jemanden einzulassen und schon haben wir einen spannenden Konflikt. Natürlich ist es ein Vorurteil zu denken, dass attraktive Menschen immer oberflächlich sind.


ZDF: Sie kennen Michael Schneider bereits durch Ihren Dreh bei "Kommissar Stolberg".


Simonischek: Das ist eine ganz besondere Zusammenarbeit mit ihm, weil er ein Besessener ist. Besessen vom Filmemachen. Und das auf unkonventionelle Weise. Ein Grenzgänger wie er, der nächtelang über Filme diskutieren kann, eckt natürlich dann auch manchmal an. Ihn kann man sehr schlecht im Zaume halten. Aber für einen Schauspieler ist er ungeheuer bereichernd, weil er so brennt und man sich gegenseitig so wunderbar anheizen kann. Mit ihm sofort wieder! Intensiver und offener kann man nicht arbeiten, auch wenn Michael schon eine genaue Vorstellung hat.


ZDF: Welche Gemeinsamkeiten hat die Figur Lukas Laim mit dem privaten Maximilian Simonischek?


Simonischek: So deutlich kann man das gar nicht trennen. In einzelnen Situationen hätte ich mich ähnlich verhalten wie er. Bindungsängste sind auch mir nicht unbekannt, auch wenn dieses Gefühl heute nicht mehr so stark ist wie noch vor vier, fünf Jahren. Aber die Angst vor Verantwortung, davor, der Freiheit beraubt zu werden, nicht das Leben führen zu können, das man sich vorstellt, sind alles vertraute Gedanken, die für mich aber nicht mehr so dominant sind: Ich habe inzwischen eine feste Beziehung. Aber Erfahrungen mit Escort-Agenturen hatte ich im wirklichen Leben nicht. Wobei ich vielleicht schwach geworden wäre bei einer so tollen Frau wie Marleen Lohse.


ZDF: Wie Lukas Laim stammen auch Sie aus einer bekannten Familie. Ist man da gerne Sohn?



Simonischek: Zum Glück ist meine wirkliche Mutter nicht so schlimm wie die Frau, die Gisela Schneeberger hervorragend spielt. Im Gegensatz zu Laim bin ich von meiner Mama nicht genervt. Ich habe zu ihr ein sehr entspanntes Verhältnis.



ZDF: Lukas geht ruppig mit seinem jüngeren Kollegen um, was ihm später leid tut. Welchen Umgangston pflegen Sie bei Kollegen?


Simonischek: Ich habe mich mit Kostja super verstanden. Wir haben die Entwicklung unserer beiden Figuren gemeinsam erarbeitet: wie sie sich erst nicht leiden können und dann mit der Zeit annähern. Bei meinem Verhalten bin ich als Theatermann sehr geprägt von Teamgeist und der Meinung, dass man zusammenhält und an einem Strang zieht. Da müssen alle Eitelkeiten und Neurosen zurücktreten. Gemeinsam etwas erreichen ist das Größte für mich. Deshalb spiele ich auch so gerne Fußball.


ZDF: Um welche Eigenschaft beneiden Sie Laim?


Simonischek: Um seinen Charme und dass er so gut bei Frauen ankommt. Ich möchte mich nicht beklagen, aber bei Laim kann ich privat nicht mithalten. Bindungsängste hin - Bindungsängste her, es hat mich schon sehr beeindruckt, wie sehr die auf ihn fliegen.

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