Thomas Thieme

Theaterstar, der gerne als Bösewicht besetzt wird

Das dritte Wort, dass er als Kleinkind nach "Mama" und "Papa" lernte, war "Goethe". Als nächstes folgte "Schiller". Kein Wunder, dass Thomas Thieme da Schauspieler wurde. Er hat an fast allen großen deutschsprachigen Bühnen gespielt und wurde 2000 zum Schauspieler des Jahres gewählt. In der Rolle des Schurken wurde er berühmt. Auf der Kinoleinwand war er unter anderem in "Der Bader Meinhof Komplex", "Das Leben der Anderen" und "Der Untergang" zu sehen.

Thomas Thieme wurde 1948 in Weimar geboren. Er besuchte die Staatliche Schauspielschule in Berlin. Zunächst arbeitete er am Theater Görlitz, wo er mit der Titelrolle in "Egmont" 1973 debütierte. Danach spielte er am Theater Magdeburg und am Theater Halle, meistens in älteren Rollen. "Wissen Sie, wann es endlich los ging mit mir?", fragt er seinen Interview-Partner von Spiegel-Online. "Als meine Seele und mein Körper endlich so alt waren wie meine Rollen. Als ich endlich nicht mehr etwas spielen musste, was ich gar nicht war. Als ich endlich Thieme sein konnte. Ich bin ja kein Verwandlungskünstler, sondern ich spiele immer nur mich selbst."

Starrollen auf der Bühne


1984 siedelte er von der DDR in den Westen über, "Ich bin nicht vor Repressionen geflohen, sondern vor der Bevölkerung", erklärt der Theaterstar als Grund für seine Auswanderung. Nach verschiedenen Auftritten am Schauspiel Frankfurt am Main war Thomas Thieme 1990 bis 1993 am Burgtheater Wien engagiert und spielte dort unter anderem Brechts "Baal" unter Manfred Karge und den "Impressario von Smyrna" unter Claus Peymann. Von 1993 bis 1997 gehörte er zum Ensemble der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. 1998 spielte er am Burgtheater Wien und im Jahr darauf am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Für seine Rolle als Richard III. in "Schlachten!" (Inszenierung: Luk Perceval) wurde er zum Schauspieler des Jahres 2000 gewählt. Am Deutschen Nationaltheater Weimar spielte er die Titelrolle in "Faust I" und inszenierte in der Spielzeit 2002/03 "Baal" und 2006 "Dantons Tod" am Schauspielhaus Bochum.

Bösewichte als Katharsis

Die Tatsache, dass er oft als Bösewicht besetzt wird, stört ihn nicht: "Für mich funktioniert das als Katharsis. Ich spiele drei Stunden den absoluten Arsch, und dann bin ich alles los, was ich schon lange mal sagen wollte. Ich glaube, wenn man öfters solche Rollen spielt, macht einen das zu einem freundlicheren Menschen, als man vom lieben Gott möglicherweise geplant war."

Thomas Thieme war zudem in zahlreichen TV- und Kinofilmen zu sehen, zuletzt in "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel (2004), dem Oscar-gekrönten Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck (2006) und in "Der Baader Meinhof Komplex" von Uli Edel (2008). Im historischen ZDF-Dreiteiler "Krupp - Eine deutsche Familie" spielte er den 60- bis 80-jährigen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach. Jüngste ZDF-Fernsehfilme von Thomas Thieme sind "Ein Dorf sieht Mord" (2009) und "Mörder auf Amrum" (2010).


Auszeichnung:



- Schauspieler des Jahres 2000 für "Schlachten!"



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