Ulrich Tukur

Gefeiertes Multitalent

Seit Jahren ist er erfolgreich als Sänger, Musiker und Charakterdarsteller tiefgründiger Rollen in Theater, Film und Fernsehen und verfügt über eine große Palette darstellerischer Möglichkeiten. Seine Bandbreite reicht vom Heldischen bis zum Komischen. Selbst in Hollywood hat er schon gespielt. Für seine herausragende Leistung als Sänger, Musiker und Schauspieler in Theater, Film und Fernsehen wurde er mit diversen Auszeichnungen geehrt. wurde er schon vielfach ausgezeichnet.

Ulrich Tukur als Eric Glasner in "Unter Verdacht - Rückkehr" (2011)
Ulrich Tukur als Eric Glasner in "Unter Verdacht - Rückkehr" (2011) Quelle: ZDF und Christian A. Rieger/klick

Ulrich Tukur wurde 1957 geboren. Ulrich Tukur wuchs in Westfalen, Hessen und Niedersachsen auf. Seine Jugend verbrachte er in der Wedemark in der Nähe von Hannover. Dort machte er auch 1977 sein Abitur und während eines Schüleraustauschs mit AFS (American Field Service) in Boston (USA) einen Highschool-Abschluss. Nach dem Wehrdienst studierte er Germanistik, Anglistik und Geschichte an der Universität Tübingen und arbeitete unter anderem als Musiker. Dabei wurde er für die Bühne entdeckt und begann 1980 an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart eine Ausbildung in Schauspiel. Den Künstlernamen "Tukur" (eine Verballhornung des französischen "tout court") nahm er erst während seines Schauspielstudiums an.

Überragend in Shakespeare-Werken

Nach Beendigung des Schauspielstudiums 1983 wurde er von den Städtischen Bühnen Heidelberg engagiert, und bereits 1984 war er die gefeierte Neuentdeckung auf deutschen Bühnen, als er an der Freien Volksbühne Berlin die schillernde Figur des SS-Sturmbandführers Kittel in Peter Zadeks "Ghetto"-Inszenierung interpretierte. Für sein gleichermaßen eindringliches wie ausdrucksvolles Spiel wurde er u. a. mit dem O.-E.-Hasse-Preis ausgezeichnet. Überragend war Tukurs Leistung nach Kritikermeinung auch als Angelo in Shakespeares "Maß für Maß" am Züricher Schauspielhaus (1985). Ab 1985 gehörte er dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg an, später spielte er am Stuttgarter Staatstheater.

Noch zu Studienzeiten ermöglichte ihm Michael Verhoeven erstmals in einem Film mitzuwirken: In "Die weiße Rose" spielte er den Studenten und Angehörigen des Widerstandskreises gegen die NS-Diktatur Willi Graf.

Erste Hörbücher

Von 1995 bis 2002 übernahm Ulrich Tukur mit Ulrich Waller die künstlerische Leitung der Hamburger Kammerspiele. Der Pianist und Sänger gründete die Tanzkapelle "Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys", mit der er 1998 die erste CD aufnahm und auf zahlreiche Tourneen ging. Im Herbst 2003 folgten die letzte CD und weitere Tourneen. Im Jahr 2002 veröffentlichte das Multitalent seine ersten Hörbücher: "Der Frauenmörder" von Hugo Bettauer und "36 Stunden - Die Geschichte vom Fräulein Pollinger" von Ödön von Horwarth, welches in die HR2-Hörbuch-Bestsellerliste gewählt wurde.

Ulrich Tukur ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. 2007 gab Ulrich Tukur mit dem Erzählband "Die Seerose im Speisesaal - Venezianische Geschichten" sein Debüt als Autor.

Das Theaterpublikum konnte ihn unter anderem in Hamburg in "Der Fall Furtwängler" (1999) und von 1999 bis 2001 in Salzburg als "Jedermann" erleben.

Filmrollen

Sein Filmdebüt gab Ulrich Tukur 1982 in "Die weiße Rose" (Regie: Michael Verhoeven). In Film und Fernsehen sowie auf der Theaterbühne spielte er unter namhaften Regisseuren wie Peter Zadek, Hans-Christoph Blumenberg, Heinrich Breloer, Matti Geschonneck, Christian Görlitz und vielen anderen.

Er war Andreas Baader in "Stammheim" (1986), der junge Wehner in "Wehner - die unerzählte Geschichte" (1991), spielte die Titelrolle in "Bonhoeffer" (1999), die Hauptrolle in "Heimkehr der Jäger" (2000) und drehte unter Constantin Costa-Gavras "Amen - Der Stellvertreter" (2001). Selbst in Hollywood kennt man ihn: Dort spielte Ulrich Tukur in Steven Soderberghs Produktion "Solaris" (2002). 2005 drehte er in Dror Zahavis Film "Die Luftbrücke" und für das ZDF an der Seite von Corinna Harfouch den Film "Die fremde Frau". Ein großer Kinoerfolg wurde "John Rabe" mit Tukur in der Hauptrolle.

Im darauffolgenden Jahr wurde er für seine düstere Nebenrolle als hochrangiger Stasi-Offizier in dem Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" mit dem Deutschen Filmpreis geehrt. In "Ein fliehendes Pferd" zeigte Tukur 2007 seine komödiantische Seite. Weitere wichtige Kinofilme, in denen Tukur seinen Ruf als Charakterdarsteller bewies, waren "Séraphine" (2009) und die düstere deutsche Kindergeschichte "Das weiße Band" (2009), die vielfach prämiert wurde, sowie "Das Vaterspiel" (2009) nach Josef Haslingers gleichnamigem Roman. 2010 stand er für die TV-Produktionen "Der große Kater" und "Eichmanns Ende" vor der Kamera. Für seine Leistung als "Tatort"-Kommissar Felix Muro erhielt er 2011 die Goldene Kamera als Bester Darsteller.


Film und Fernsehen - eine Auswahl:

- 1989 "Das Milliardenspiel"
- 1990 "Die Spur des Bernsteinzimmers"
- 1993 "Das letzte U-Boot"
- 1992 "Wehner - Die unerzählte Geschichte"
- 1994 "Cody - Schmutzige Geschäfte", Regie: Michael Schottenberg
- 1995 "Mutter Courage"; "Das Alibi"
- 1996 "Ein Vater sieht rot"
- 1997 "Freier Fall"
- 1998 "Das Böse"
- 1999 "Warten ist der Tod
- 2000 "Bonhoeffer - Die letzte Stufe"; "Heimkehr der Jäger"
- 2001 "Taking Sides"
- 2002 "Amen. Der Stellvertreter"
- 2004 "Stauffenberg"; "Die fremde Frau"
- 2005 "Die Nacht der großen Flut"; "Tatort - Der Teufel vom Berg"; "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei"
- 2006 "Das Leben der Anderen"; "Heinrich Heine - Liebe, Spott und Vaterland"; "Dornröschen erwacht"; "Heute heiratet mein Mann"; "Une famille parfaite"
- 2007 "Mein alter Freund Fritz"; "Rosa Roth - Der Tag wird kommen"
- 2008 "La main de l'homme sans tête"; "42 Plus"; "Die Frau aus dem Meer"; "Séraphine"; "Nordwand"; "Der Mann dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David"
- 2009 "John Rabe"; "Ein fliehendes Pferd"; "Whithin the Whirlwind"; "Eden is West"; "Das weiße Band"; "Der große Kater"


Auszeichnungen:

- 1984 O.E. Hasse Preis
- 1985 Boy Gobert Preis
- 1986 Schauspieler des Jahres
- 1996 Goldene Kamera Insel-Kunstpreis Hamburg
- 2000 Adolf Grimme-Preis
- 2001 Grace-Prize Los Angeles
- 2004 Deutscher Fernsehpreis
- 2006 Deutscher Filmpreis

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