"Ungewöhnlich für das deutsche Fernsehen"

Interview mit Jörg Schüttauf und David Rott

Jörg Schüttauf und David Rott verkörpern in "Kongo" die Mitglieder einer deutschen Elite-Einheit, die im Ostkongo einen Einsatz der Bundeswehr unterstützt. Im Interview geben die Schauspieler Einblick in ihre Rollen. Zudem äußern sie sich zur politischen Situation im Kongo, welche ein wichtiges Thema des Films darstellt.


ZDF: In "Kongo" spielen Sie deutsche Elite-Soldaten im Auslandseinsatz. Wie würden Sie die Situation Ihrer Figuren beschreiben?


David Rott: Die Aufgaben der Soldaten in unserem Film ist die Gewährleistung von Sicherheit - also letztlich ein Polizei-Mandat. Die Befugnis zu schießen beispielsweise, besteht nur im Verteidigungsfall. Die Situation, in den von ihnen kontrollierten Gebieten, ist eine kriegsähnliche mit Leichen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Diesen Zuständen ohnmächtig beiwohnen zu müssen, stellt den von mir gespielten Soldaten auf eine schwere Belastungsprobe.



Jörg Schüttauf: Ein Mann wie Kosak hat gewusst, auf was er sich da einlässt, wenn er da runtergeschickt wird, ja einlassen muss, weil es sein verfluchter Job ist. Aber ständig den bärbeißigen Vorgesetzten zu mimen, der Härte und Vertrauen in seine Truppe ausstrahlt, geht auch ihm ganz schön an die Substanz. Gelesen und auch dargestellt habe ich die Figur so, dass er nicht geglaubt hat, was seine Soldaten da Unmenschliches getan haben und aus diesem Grunde auch daran zerbricht.


ZDF: Was dachten Sie, als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben?


Schüttauf: Das ist ja mal etwas ganz Aktuelles und zugleich spannend erzählt.


Rott: Das Lesen des Drehbuches hat mich sehr neugierig gemacht, denn ein Film dieser Thematik ist für das deutsche Fernsehen ungewöhnlich - ich habe bislang noch keinen gesehen.
ZDF: Die Angst ist ein ständiger Begleiter der Soldaten im Film. Wie haben Sie sich diesem Gefühl genähert?



Schüttauf: Nun, in gewisser Weise hat meine Figur auch Angst, nämlich vor der Wahrheit und vor dem ständig auftauchenden Gedanken "Was machen wir hier eigentlich?". Und jeden Tag wird man merken, dass den Leuten mit einer recht machtlosen Truppe auch nicht wirklich geholfen ist. Das Klima von Misstrauen und dem Wissen über den eigentlichen Einsatzbefehl und seine Absichten sind auch in solchen Lagern ständig präsent.



Rott: Das Anschauen von thematisch relevanten Filmen wie "Hotel Ruanda" oder "Shooting Dogs" hat sicherlich geholfen, mir die Situation plastischer zu machen.


ZDF: Hat sich Ihre Sicht auf Soldaten, die in Krisengebieten im Auslandseinsatz sind, durch "Kongo" verändert?


Schüttauf: Nein, ich kenne junge Männer aus meinem Antiaggressionstraining, denen es da unten auch nicht so gut ging, und so war ich mit der Materie vertraut.


ZDF: Welche Bedeutung hat der Schauplatz Afrika Ihrer Meinung nach für den Film?



Rott: Afrika könnte auch Afghanistan heißen, der Ort ist stellvertretend für den Einsatz einer deutschen Bundeswehreinheit im Ausland. Jede Krisenregion bringt ihre eigene Problematik mit sich. Das Spezielle an Afrika (in unserem Falle der Kongo) ist, dass es trotz katastrophalster Zustände wie Massenvergewaltigungen und Hunderten von Toten jährlich in unserem Bewusstsein nicht wirklich vorkommt. Die Präsenz in den Medien ist eine untergeordnete. Und eben das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Unterschied zu Afghanistan.


Schüttauf: Ein zentrales Thema des Films handelt von Kindersoldaten, und meines Wissens sind dort ganze Armeen von Minderjährigen rekrutiert, den Familien entrissen, sofern noch am Leben, um als Kanonenfutter aufeinander gehetzt zu werden. Da liegt es nahe, den Film dort spielen zu lassen, wo diese furchtbare Tatsache tägliche grausame Realität ist.


ZDF: Wie haben Sie die Dreharbeiten in Südafrika im Unterschied zu deutschen Filmsets erlebt?



Rott: Vor allem die Dreharbeiten an der Wild Coast, in der Transkei, waren starken Wetterumschwüngen unterworfen und die schöne deutsche Ordnung war binnen kurzer Zeit dahin. Das ist anstrengend, macht einen aber auch spontaner. Mehr Anarchie ist oft nicht das Schlechteste.


ZDF: Welchen Eindruck hat der fertige Film bei Ihnen hinterlassen, als Sie ihn zum ersten Mal gesehen haben?



Schüttauf: Ich war erleichtert und beeindruckt, dass durch Schnitt und Musik eine dichte Atmosphäre geschaffen wird, welche dem spannenden Thema gut tut und sich das doch etwas hektische Treiben vor Ort mehr als gelohnt hat.



Rott: "Kongo" ist ein Film, der sich mittels einer Krimi-Struktur der Situation der deutschen Auslandssoldaten nähert und seine Fragen genau zu einer Zeit stellt, in der die Frage nach dem Fortbestand der Bundeswehr und seiner Aufgaben beinahe täglich in den Medien laut wird.

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