Viel Mühe mit der Psychologie der Figuren

Interview mit Romanautorin Petra Hammesfahr

Mehrere Romane der Bestseller-Autorin Petra Hammesfahr wurden bereits verfilmt. Ihr außergewöhnlicher Thriller "Die Lüge" stellt ganz besondere Herausforderungen an seine filmische Umsetzung. Im Interview berichtet Petra Hammesfahr über die Erfahrungen mit der Verfilmung ihrer Werke und verrät, ob sie am Ende damit zufrieden ist.

Susanne Lasko (Natalia Wörner) hat das Morgenritual des Ehepaares Trenkler auswendig gelernt, um nicht aufzufliegen. Michael Trenkler (Mark Waschke) ist ihr erstaunlich vertraut. Quelle: ZDF


ZDF: Was ist Ihnen besonders wichtig bei der Verfilmung Ihrer Romane?
Petra Hammesfahr: Die Zuschauer, die meinen Roman gelesen haben, sollen ihn wiedererkennen können, und die Charaktere müssen so bleiben, wie ich sie beschrieben habe. Gerade mit der Psychologie meiner Figuren gebe ich mir besonders viel Mühe, da möchte ich sie nicht unglaubwürdig oder ganz anders dargestellt sehen. Handlungsweisen müssen nachvollziehbar und logisch sein. Dafür kann ich auf Äußerlichkeiten verzichten, die beschreibe ich im Roman ohnehin nur, wenn es unabdingbar ist - wie eben in "Die Lüge". Ansonsten verzichte ich darauf, zu erwähnen, dass eine Frau schön ist und wie sie sich kleidet.


ZDF: Worin gleichen sich Roman und Film, wo liegen die Unterschiede?


Hammesfahr: Angesichts der umfangreichen Vorlage und des Themas, aus dem auch leicht eine absurde oder lächerliche Geschichte hätte werden können, ist aus "Die Lüge" ein guter und spannender Film geworden. Natürlich wird einiges anders dargestellt, und vieles musste einfach weggelassen werden. Was ich auf 500 Romanseiten unterbringe, lässt sich nun einmal nicht in 90 Minuten pressen.

Petra Hammesfahr


ZDF: Inwieweit waren Sie in die Stoffentwicklung bei "Die Lüge" eingebunden?


Hammesfahr: Ich habe Tipps gegeben, als ich darum gebeten wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Arbeit am Drehbuch schon sehr weit fortgeschritten - aber auch weiter vom Roman entfernt, als mir lieb war. Meine Vorschläge wurden akzeptiert und umgesetzt - und alle waren zufrieden.



ZDF: Wie wirkt ein fertiger Film auf Sie als Romanautorin? Wie sehr muss man sich von dem verabschieden, was man im Kopf hatte?


Hammesfahr: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas von dem wieder finde, was ich im Kopf hatte. Je mehr, desto besser. Besonders fasziniert mich, wenn eine bestimmte Örtlichkeit, die bis dahin nur in meiner Phantasie existierte, auf dem Bildschirm erscheint und auch noch Ähnlichkeit mit meiner Vorstellung hat.

Darüberhinaus gibt es in jedem Roman Passagen, die man als Autorin für unverzichtbar hält. Zum Beispiel das Missverständnis, wenn der Computer "Olaf" sich aufhängt oder Susanne träumend in der Badewanne liegt und völlig unerwartet Nadias Mann nach Hause kommt und sich so benimmt, wie sich jeder Mann im eigenen Bad, vor der eigenen Frau, benimmt. Ich werde nervös, wenn ich auf solche Szenen warten muss. Und ich bin maßlos enttäuscht, wenn ich vergebens warte. Diesmal wurde ich jedoch nicht enttäuscht.


ZDF: Was glauben Sie, macht die "Faszination Doppelgänger" aus?
Hammesfahr: Die Möglichkeit, für eine Weile ein anderes Leben zu führen, einfach mal jemand anders sein, wenn es um das eigene Ich gerade nicht so rosig bestellt ist. Aber auf Dauer, glaube ich, kann kein Mensch ein vollkommen anderes Leben führen. Selbst wenn man keine Wahl hätte, wie Susanne Lasko, fällt man nach einer gewissen Zeit doch wieder in die eigenen Verhaltensmuster zurück.


ZDF: Wer wären Sie gerne, wenn Sie Ihre Identität wechseln könnten? Oder Ihren Beruf?


Hammesfahr: Ich bin gerne ich, möchte mit Niemandem tauschen und habe genau den richtigen Beruf, in dem ich jeden Tag sein kann, wer ich will.

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