"Wahnsinn, was für eine Verantwortung"

Hauptdarstellerin Anna Loos im Interview

Anna Loos war gleich bei der Lektüre von dem Stoff so überzeugt, dass sie die Rolle der Hauptfigur Drea auf jedem Fall spielen wollte. Bei der Umsetzung kamen ihr nicht nur die sorgfältigen Recherchen der Autorin Laila Stieler, sondern auch die sichere Führung von Regisseur Tim Trageser sehr entgegen. Lobend erwähnt die Schauspielerin außerdem die Schüler des Babelsberger Filmgymnasiums.

Drea (Anna Loos) am Strand
Drea (Anna Loos) am Strand Quelle: ZDF


ZDF: Drea möchte nicht mehr Lehrerin sein, will ihr Leben ändern und kündigen. Ihr Leben ändert sich dann wirklich, allerdings anders als gedacht. Was hat Sie an der Rolle gereizt?


Anna Loos: Mich hat das Buch schon nach den ersten 20 Seiten total gehabt. Laila Stieler ist eine wunderbare Autorin. Ihre Figuren sind so lebendig, authentisch und haben bereits ein Profil, welches man sonst oft beim Lesen eines Drehbuchs erst mühsam entwickeln muss. Die Rolle der Drea war natürlich eine besondere Herausforderung für mich. Sie erlebt einen Amoklauf mit schlimmsten Folgen und gerät völlig angeschlagen unter großen Druck. Sie kämpft sich von Tag zu Tag an den "normalen" Schulalltag heran und begegnet dabei etwas, das sie schon vor vielen Jahren verloren hat - sich selbst, ihren Gefühlen und Idealen. Der Film erzählt seine Geschichte ganz konsequent aus der Perspektive dieser Figur und verzichtet auf alles Reißerische. Er bleibt an den Opfern und wagt es, leise und auch langsam zu bleiben.


ZDF: Sie haben an einem Babelsberger Gymnasium gedreht. Wie war die Zusammenarbeit mit den Schülern, die ja nicht nur Nebendarsteller waren?

Loos: Die Kids waren wirklich toll. Es war meine erste Zusammenarbeit mit Schülern des Babelsberger Filmgymnasiums. Ich war begeistert! Die Kinder interessieren sich für Film vor und hinter der Kamera. Sie rücken ein Hobby in den Mittelpunkt ihrer schulischen Ausbildung und sind unglaublich aufmerksam und ehrgeizig. Patrick Dreikauss hatte nicht nur das Casting und die Vorbereitung der Jugendlichen für den Dreh übernommen. Auch am Set war er immer da und hat sie alle in einer wirklich beeindruckenden Art und Weise geführt. Das hat sich, denke ich, sehr ausgezahlt.


ZDF: Sie haben nicht zum ersten Mal mit Tim Trageser gedreht. Kommt da noch mehr?


Loos: Na, das hoffe ich doch sehr! Wir sind ein gutes Team. Es gab bei der "Lehrerin" viele Tage, an denen ich morgens keine Ahnung hatte, wie ich eine Szene spielen soll. Ich habe Tim einige Male vor dem ersten Take zur Seite genommen und ihm ins Ohr geflüstert: "Ich weiß nicht, wie ich das machen soll". Ich habe oft ein ganz starkes Gefühl dafür, was in einer Szene mit meiner Figur geschehen muss, aber manchmal finde ich den Weg dorthin nicht. Und Tim ist dann wie ein Zauberer, der mir Möglichkeiten aufzeigt, und am Ende weiß ich es sicher und ganz genau.


ZDF: Der Film zeigt ja viel vom oft zermürbenden Schulalltag. Überforderung ist für Schüler wie Lehrer ein Thema. Wie dicht war das Buch von Laila Stieler am realen Leben dran? Wie erleben Sie den Schulalltag als Mutter?


Loos: Laila Stielers Bücher sind immer etwas mehr als am Leben dran. Sie sind das Leben. Sie hat für dieses Buch eine lange Recherche gemacht, aber am Ende schreibt sie, Gott sei Dank "ihre" Geschichte. Jeder, der Kinder hat, weiß was es heißt, von ihnen gefordert zu werden und stößt immer wieder an seine Grenzen. Als mein Kind die Vorschule in einer renommierten Berliner Schule besuchte, sagten mir alle Eltern: "Mann, Ihr habt so ein Glück! Die Klassenlehrerin, die diese Klasse übernimmt, ist die Beste." Zwei Jahre später ging sie mit etwa 50 Jahren in Frührente wegen eines Burnouts. Wenn ich mein Kind von der Schule abhole oder auch meine Kleine aus dem Kindergarten, dann denke ich immer: "Wahnsinn, was für eine Lautstärke, was für eine Verantwortung". Diese Berufe sind hart und erfordern ein unfassbares Maß an Leidenschaft. Ich habe den allergrößten Respekt vor diesen Menschen und denke oft, dass in der deutschen Bildungspolitik vieles falsch gemacht wird und dies natürlich nicht nur auf dem Rücken unserer Kinder, sondern auch auf dem Rücken der Lehrer und Erzieher ausgetragen wird.

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