"Wenn eine Mutter ihr Kind weggibt, lässt sie das niemals los"

Interview mit Hauptdarstellerin Veronica Ferres

Veronica Ferres spielt die erfolgreiche Geschäftsfrau Franziska, die nach 25 Jahren endlich ihren leiblichen Sohn kennenlernt. Die Annäherung der Mutter, die nie eine war, mit dem inzwischen heroinabhängigen Sohn stellt eine besondere Herausforderung für Schauspielerin Veronica Ferres dar. Mit Filmsohn Kostja Ullmann hat sie sich auf dieses Kunststück eingelassen.

Franziska und Silvia
Franziska und Silvia Quelle: ZDF,Erika Hauri


ZDF: Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?


Veronica Ferres: Zuerst einmal das sehr gute Drehbuch. Die Geschichte ist nach authentischen Vorkommnissen recherchiert. Es war spannend, eine Frau zu spielen, die als 15-Jährige ihr Baby zur Adoption freigegeben hat und mehr als zwei Jahrzehnte später diesem Kind als fast fremdem Menschen gegenübersteht. Dann noch zu erfahren, dass der Junge heroinabhängig ist, schockiert sie natürlich. Der Film beschönigt nichts, sondern zeigt in aller Konsequenz die Auswirkungen, die diese Freigabe zur Adoption für ihn hatte. Kostja Ullmann spielt diese Haltlosigkeit grandios. Die schwierigen Themen Adoption und Drogenentzug, aber auch Themen wie Vergebung und die Kraft der Liebe zwischen Mutter und Kind das wird im Drehbuch sehr sensibel und fern von allem Sozialkitsch beschrieben. Die einfühlsame Regie von Vivian Naefe hat uns allen am Set geholfen, den schweren Stoff umzusetzen.


ZDF: Das Buch von Britta Stöckle ist also dicht am Leben?



Ferres: Ja sehr. Wenn eine Mutter ihr Kind weggibt, lässt sie das niemals los. Nur durch die komplette Verdrängung der Tatsachen war es Franziska möglich weiterzuleben. Der Kinderwunsch des neuen Lebensgefährten bringt jedoch die Erinnerungen daran zurück, und sie kann ihre Lebenslüge nicht mehr länger ertragen. Sie muss ihren Sohn einfach wiederfinden. Lebensnah ist ebenso ihre Hoffnung auf Wiedergutmachung, wie sehr deutlich zum Beispiel in der Szene, als Franziska ihren unter Heroin stehenden Sohn aus der Lagerhalle retten muss und danach mit ihm und seinem leiblichen Vater einen Entzug durchzieht, dargestellt wird.


ZDF: Wie haben Sie sich auf solche Themen vorbereitet?



Ferres: Zusammen mit Prof. Dr. Florian Holsboer, dem Chef des Max-Planck- Instituts in München, habe ich viele Gespräche über Suchtverhalten geführt und mich somit auch sehr gut auf die Rolle vorbereiten können. Darüber hinaus gab es am Set eine Fachärztin für Drogenentzug, die uns mit ihrem Rat zur Seite stand. Diese Eindrücke haben mir bei der Vorbereitung sehr geholfen, waren zugleich aber auch unglaublich belastend.


ZDF: Ist Franziska schuld, dass ihr Sohn auf die schiefe Bahn geraten ist?


Ferres: Die Schuldfrage stellt sich natürlich. Hätte sie sich anders verhalten können oder müssen? Einen Teil der Verantwortung trägt aber sicher auch ihr Vater. Franziska musste sich seinen strengen Glaubens- und Moralvorstellungen unterwerfen. Das trug dazu bei, dass sie den Kontakt zu ihrem Freund abbrechen und ihr Kind zur Adoption freigeben musste.


ZDF: Was würden Sie Ihrer Tochter raten, wenn sie mit 15 ungewollt schwanger wäre?


Ferres: Da kann ich nur mit einem Zitat von Franz Beckenbauer antworten: "Der liebe Gott freut sich über jedes Menschenkind". Ich liebe Kinder, und freue mich über jedes. (lacht)


ZDF: Könnten Sie sich selbst eine Adoption vorstellen? Ein Kind in Pflege nehmen?



Ferres: Es gab Punkte in meinem Leben, da habe ich tatsächlich darüber nachgedacht, ein Kind in Pflege zu nehmen oder zu adoptieren. Derzeit bin ich jedoch glücklich mit der Situation, wie sie ist.



ZDF: Wie war der Dreh mit Kostja Ullmann und Thomas Sarbacher?



Ferres: Kostja kannte ich schon vom Dreh zu "Das Wunder von Berlin". Wir haben eine ganz herzliche und humorvolle Art und Weise, eine große Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander. Trotz der Schwere der Thematik gab es Momente, in denen wir viel miteinander gelacht haben. Thomas Sarbacher habe ich erst im Rahmen dieses Films kennengelernt. Anfangs waren wir beide etwas schüchtern, konnten uns dann aber schnell auf die notwendige Nähe einlassen, um die Szenen glaubwürdig umsetzen zu können.

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