"Wenn man vertraut, hinterfragt man nicht"

Interview mit Michaela May

Michaela May spielt Oskars Ehefrau Mona, die lange nicht bemerkt, dass sich die berufliche Situation ihres Mannes grundlegend verändert hat. Sie ist völlig in die Renovierung ihres Hauses vertieft. Die Schauspielerin spricht über die Beweggründe ihrer Figur und erklärt, wie sie mit dem Genre Komödie umgeht.


ZDF: Mona und Oskar Moedebeck führen eigentlich eine gute Ehe. Natürlich ist es für den Zuschauer komisch, dass Mona lange Zeit nicht merkt, wie ihrem Mann allmählich die Felle davon schwimmen. Ist das im Grunde ein Ausdruck von großer Vertrautheit oder ist Mona zu egoistisch?


Michaela May: Es ist eher ein Ausdruck großer Vertrautheit. Mona legt sich vertrauensvoll in Oskars Hände. Kleine Veränderungen bekommt sie zwar mit, doch dass er ernsthafte Probleme hat, nicht. Denn er täuscht sie ja auch, indem er versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Gerade weil sie ihm voll vertraut, hat sie genügend Raum, um sich auf die eigene Aufgabe, die Renovierung des Hauses, zu stürzen und so übersieht sie, dass sich in Oskars Leben Dinge verändert haben. Wenn man vertraut, hinterfragt man nicht.



ZDF: Mona ist ja diejenige, die ihren Mann immer wieder erdet. Kam Ihnen diese Eigenschaft beim Spielen der Figur entgegen?


May: Prinzipiell kommen einem immer wieder die persönlichen Eigenschaften beim Spielen zu Gute und man muss sie auch benutzen. Ich versuche mich immer selbst zu erden, aber sicher fühle ich mich nicht immer geerdet, oft bin ich auch auf der Suche. Jedoch bin ich eher ein Erdmensch als ein Luftmensch und versuche immer wieder meine Mitte, meine Basis, meine Wurzeln zu finden.


Andere zu erden ist keine Fähigkeit, die man bewusst steuern kann. Es ist eher ein unbewusstes Charisma, das man ausstrahlt und das sich unter Umständen auf andere übertragen kann und sie sich dadurch vielleicht sicherer fühlen.


ZDF: Haben Sie eine besondere Herangehensweise an Ihre Figuren, wenn es sich um eine Komödie handelt?


May: Die Komödie ist mit das schwierigste Genre, weil die Grundsituation und das Timing immer stimmen müssen. Das Wichtigste bei der Komödie jedoch ist die Ernsthaftigkeit. Ich muss als Schauspielerin die Figur in ihren komischen Situationen sehr ernst nehmen, dadurch entsteht Komik.
ZDF: War das Ihre erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Marcus Ulbricht?


May: Ja. Marcus Ulbricht ist ein noch junger, aber sehr sicherer Regisseur, der viel Spaß daran hatte, die Geschichte zu realisieren und einen immer wieder konstruktiv angeregt hat.


ZDF: Hat man bei einem solchen Dreh mehr Spaß als beispielsweise bei einem Krimi?


May: Das kann man so nicht sagen. Jeden Film für den ich mich entscheide, sei es ein Drama, ein Krimi oder eine Komödie, nehme ich ernst und ich bin deshalb mit großem Einsatz und großer Freude bei der Sache. Der Schauspielerberuf heißt für mich, viele Leben zu leben.

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