"Wer dieses Handwerk beherrscht ..."

Gespräch mit Kameramann Martin Langer

Der Name Martin Langer steht für erstklassige Filmarbeit und wird sonst eher mit Kinofilmen wie "Sophie Scholl" (der für den Oskar nominiert wurde), "Die weiße Massai" oder "Boxhagener Platz" in Verbindung gebracht. Im Gespräch berichtet er über seine Zusammenarbeit mit Regisseur Matti Geschonneck und über seinen Kamerastil.

Kameramann Martin Langer bei "Duell in der Nacht" Quelle: ZDF


ZDF: Herr Langer, Sie gehören zu den gefragtesten Kameramännern Deutschlands. Mit Matti Geschonneck haben Sie schon mehrfach zusammengearbeitet. Wie kam es zu der Verbindung?


Martin Langer: Matti Geschonneck hat eines Tages angerufen. Bei einem anschließenden Treffen waren wir uns sympathisch, und ich habe zugesagt. Wir haben es beide nicht bereut.


ZDF: Was zeichnet diese gemeinsame Arbeit aus?


Langer: Matti ist ein ausgezeichneter Regisseur mit einem unglaublichen Wissen über das Handwerk und die Filmgeschichte. Es bereitet mir eine große Lust mit ihm über das jeweils bevorstehende Projekt zu sprechen und ihn mit meinen Ideen zu unterstützen. Am Set ist die Arbeit sehr konzentriert, und in stressigen Situationen bleibt Matti immer ruhig und besonnen; was die Zusammenarbeit sehr angenehm macht.


ZDF: Worauf kam es Ihnen bei Ihrer Arbeit für "Duell in der Nacht" besonders an?

Regisseur Matti Geschonneck und Kameramann Martin Langer Quelle: ZDF


Langer: Emotional stimmig die Geschichte zu erzählen und mit Hilfe von Ausstattung, Kostüm und Maske visuell dem Milieu der Charaktere gerecht zu werden. Einerseits das Polizeipräsidium mit Kommissar Jonas Birke (Jürgen Vogel) und andererseits die soziale Oberschicht mit Isabel Wellingsen (Iris Berben). Hier möchte ich besonders den Szenenbildner Bernd Gaebler hervorheben, der hier seinen letzten Film und eine ganz besondere und wunderbare Arbeit gemacht hat.



ZDF: Neben den zahlreichen Preisen, die sie für Ihre Arbeit erhalten haben, wurde "Sophie Scholl" für einen Oscar nominiert. Welcher Preis hat für Sie persönlich die größte Bedeutung?


Langer: Wahrscheinlich die ersten Preise, die ich als junger Kameramann bekommen habe: da wären die Kodak-Förderpreise für die Hochschulfilme von Caroline Link ("Sommertage") und von Martin Enlen ("Der letzte Tanz"). Ich freue mich nach wie vor über jede Auszeichnung, jedoch ist mir am wichtigsten, dass ich selbst mit dem fertigen Film zufrieden bin und ihn möglichst viele Menschen sehen.



ZDF: Hat sich durch die Oscar-Nominierung von "Sophie Scholl" etwas für Sie verändert?



Langer: Mein Bekanntheitsgrad innerhalb der Branche hat zugenommen.



ZDF: Wie würden Sie Ihren Kamerastil selbst beschreiben?



Langer: Flexibel zu sein. Das ästhetische Empfinden dem Thema des Films unterzuordnen und jeweils eine eigene Bildsprache zu finden.


ZDF: Ist die Arbeit an der Kamera für Sie Handwerk oder Kunst?


Langer: Wer dieses Handwerk beherrscht, kann ein Künstler sein. Und jeder Künstler entwickelt sich weiter ...


ZDF: Gibt es einen Film/Stoff, den Sie unbedingt drehen möchten?


Langer: Nein, nichts Spezielles. Ich möchte Geschichten von/mit Menschen erzählen, die mich berühren. Filme, die mich nachdenklich und zugleich beschwingt aus dem Kino - beziehungsweise Fernsehsessel - gehen lassen.

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