Wie weit darf man gehen?

Interview mit der Autorin Astrid Ströher

Der Film "Es war einer von uns" behandelt ein sensibles Thema - eine junge Frau (gespielt von Maria Simon) wird auf einer Party ihres engsten Freundeskreises mit K.O.-Tropfen betäubt, wenig später vergewaltigt, woraufhin sie an posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. Autorin Astrid Ströher beschreibt, wie sie sich dem Stoff genähert hat.

Johanna (Maria Simon, l.) mir ihren Eltern Werner (Gerhard Garbers) und Sabine Schröder (Maran Kroymann, r.)
Johanna (Maria Simon, l.) mir ihren Eltern Werner (Gerhard Garbers) und Sabine Schröder (Maran Kroymann, r.) Quelle: ZDF


ZDF: Wie ist die Idee zu dieser Geschichte entstanden? Vor welche Fragen, welche Probleme sahen Sie sich dabei gestellt?


Astrid Ströher: Die Idee zu der Geschichte geht auf ein Bild zurück, das ich schon lange im Kopf hatte - eine Frau wacht ohne Erinnerung an die vergangene Nacht am frühen Morgen im Wald auf, die Baumstämme schwarz im Gegenlicht. Von Anfang an war klar, dass eine Vergewaltigung stattgefunden hat und der Freundeskreis der Frau in irgendeiner Form involviert ist. Aber die eigentliche Initialzündung zum Schreiben des Buches kam erst Jahre später, nachdem ich einen Bericht zum Thema "K.O-Tropfen" gelesen hatte.

Das Hauptproblem der Geschichte war die der Erzählperspektive und wie weit man den emotionalen Absturz der Hauptfigur zeigen kann, ohne sie zu sehr ins Abseits zu manövrieren. Auch hat man bei einem solchen Thema natürlich eine gewisse Verantwortung und ich hoffe, dass es gelungen ist, sich der Problematik eines solchen Verbrechens und der damit verbundenen Folgen angemessen zu nähern.


ZDF: Wie haben Sie sich dem Thema genähert? Worin bestanden Ihre Recherchen, bevor Sie mit dem Schreiben begonnen haben?


Ströher: Ich habe viel im Internet recherchiert, sowie mit dem Pressesprecher der Polizei Hamburg und einer sehr engagierten Mitarbeiterin des Notrufes für Frauen (ebenfalls hier in Hamburg) gesprochen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die Hilfe und die große Auskunftsbereitschaft!



ZDF: Die Geschichte der Hauptdarstellerin Johanna, auf der verzweifelten Suche nach ihrem Peiniger, bewegt zutiefst. Haben Sie sich bei der Bucharbeit selbst emotional sehr stark auf das Thema eingelassen?


Ströher: Ich denke, dass man eine solche Geschichte nicht schreiben kann, ohne sich stark einzulassen.
ZDF: Der Film konzentriert sich ganz auf die Perspektive der Hauptdarstellerin. Wir erfahren kaum etwas über die anderen Figuren. Welche Überlegungen liegen dieser Entscheidung zugrunde?


Ströher: Am Anfang der Stoffentwicklung wurde tatsächlich noch die Seite der besten Freundin der Hauptfigur ausführlicher beleuchtet. Allerdings war uns dann schnell klar, dass es den Umfang eines 90-minütigen Films sprengen würde, diese Perspektive ausführlich und in all ihrer Komplexität mitzuerzählen. Da es mir generell sehr am Herzen lag, den Zuschauer eng an die Hauptdarstellerin zu binden und so ihr Drama hautnah miterlebbar zu machen, fiel die Entscheidung, sich ganz auf die Perspektive der Hauptfigur zu konzentrieren, fast zwangsläufig.


ZDF: Wie weit darf man gehen, um Gewissheit zu bekommen, wer der Täter ist? Johanna stellt ihre Freunde erstmal alle unter Generalverdacht.



Ströher: Das ist eine gute Frage! Ich hatte ja den Vorteil, eine solche Problematik in fiktiver Form durchspielen zu können. Allerdings heißt das nicht, dass ich das Verhalten der Hauptfigur hundertprozentig gutheiße. Auf der anderen Seite ist es natürlich sehr problematisch, eine solche Tat zu verarbeiten, wenn man den Täter nicht kennt und sogar Menschen aus dem engen Umfeld in Frage kommen. Ich denke, dass es generell wichtig ist, dass man ein Umfeld hat, das einen stützt und auch in Phasen, in denen es einem immer wieder sehr schlecht geht und man mit den Folgen der Tat ringt, nicht fallen lässt.

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