Wo die meisten anderen Liebesgeschichten aufhören

Drehbuchautorin Laila Stieler im Gespräch mit ihrer Coautoroin Güzin Kar

Die Idee zu dieser Geschichte gab es schon ganz lange. Der Produzent Reinhold Elschot, Caroline von Senden und ich haben sie immer wieder besprochen, gedreht, gewendet und dann doch nicht richtig packen können. Wir kannten das Thema aus eigenem Erleben, ja, wer kennt es nicht: Wochenendbeziehungen. Dieser Wechsel von Liebe und Fremdheit, Streit und Versöhnung und das alles im minimalen Zeittakt eines Wochenendes - das erschien uns erzählenswert.

Jan (Devid Striesow) und Maria (Christiane Paul) Quelle: ,ZDF

In der Tat wurde der Stoff immer brisanter, je mehr Zeit verging. Die Liebe in den Zeiten der Mobilität wurde zur allgemeinen Lebensform.Mit meiner Co-Autorin Güzin Kar kam plötzlich eine neue Dynamik in das Unternehmen. Es entstand die Idee, die Geschichte ganz einfach zu erzählen: eine junge Familie auf dem Lande, sie haben sich lieb, es funktioniert, aber sie müssen sich der Arbeit wegen trennen und damit entsteht ein neuer Status Quo.


Güzin Kar: Wir setzen mit unserer Geschichte dort an, wo die meisten anderen Liebesgeschichten aufhören. Unser Paar lebt bereits glücklich zusammen, bis eine große Veränderung die Ehe auf die Prüfung stellt. Unsere Frage an die beiden Liebenden ist nicht die berühmte Frage: Wie kommen die beiden zusammen, sondern: Was hält eine Liebe auch nach Jahren noch zusammen? Was ist es, das einen bei diesem einen Menschen bleiben lässt, trotz anderer Möglichkeiten und Verlockungen?


Laila Stieler: Zugleich wollten wir unaufdringlich über ein gesellschaftliches Phänomen erzählen, wie eben äußere Umstände auf so eine junge Familie einwirken und sie durch ihr Einwirken verändern. Man liest ja jetzt viel über diese Regionen, aus denen die jungen Frauen abwandern. "Nackte Äste" nennt das die Soziologie, ein treffender Begriff. Wir wollten jedoch kein bitteres oder düsteres Bild malen, sondern ermutigen, solche Lebenssituationen beherzt anzupacken. Also waren wir uns auch schnell über den Ton der Geschichte einig, der leicht und alltäglich sein sollte. Nun war nur noch die Frage, wie wir unsere Gedanken zusammenbringen: Güzin in Zürich, ich in Berlin


Kar: Es war das erste Mal für mich, gemeinsam mit einer Co-Autorin an einem Drehbuch zu arbeiten. Ich stellte mir hundert Fragen: Wie geht man da vor? Sitzt man gemeinsam vor dem Computer und redet und schreibt synchron? Kann ich - eine überzeugte Einzeltäterin - mich in einem Team überhaupt frei mitteilen oder werde ich bereits Kompromisse im Kopf machen? Die Vorbehalte erwiesen sich als absolut unbegründet. Es war eine der fruchtbarsten und anregendsten Arbeiten, an die ich mich erinnere.


Stieler: Für mich war es von Anfang an klar, dass es mit uns beiden gut gehen würde. Nicht nur, weil wir immer viel miteinander lachen konnten. Wir hatten uns nämlich jede in eine der beiden Hauptfiguren, Maria und Jan, verliebt. Und so haben wir am Anfang auch gearbeitet. Jede von uns schrieb die Szenen mit "ihrer" Figur, und bei Szenen, in denen beide Figuren auftauchen, haben wir ausgehandelt, wessen Figur in dieser Situation die stärkere Kraft ist. Das war manchmal wirklich ein Handeln, denn wir haben unsere Lieblinge natürlich verteidigt.


Kar: Mit der Zeit waren wir so bewandert in der Geschichte, dass wir auch gut die Szenen und Sequenzen der jeweils anderen überarbeiten und ergänzen konnten. Es gab für mich aber noch eine zweite Premiere: Zum ersten Mal schrieb ich eine Geschichte, die in einer realen Gegend angesiedelt war, die ich noch gar nie gesehen hatte. Um nicht völlig an den realen Gegebenheiten vorbei zu schreiben, stellte ich mir geografisch einen anderen Ort vor, den ich sehr gut kannte. Das war für mich die Schablone. Die weiteren Einzelheiten wie die sozialen Zusammenhänge, die wirtschaftlichen Gegebenheiten etc. ließ ich mir entweder von Laila erzählen oder recherchierte sie übers Internet.

Ein verlockendes Angebot_35 Arbeitsfoto Quelle: ZDF


Stieler: Anfangs hab ich mir beim Schreiben irgendein Dorf an der Ostsee vorgestellt, bis mir auffiel, dass ich mich an der Ostsee gar nicht auskenne. Aber es gibt ein Dorf, das ich sehr gut kenne: Neunhofen in Thüringen, wo ich geboren bin und meine ersten Jahre verbracht habe. Das schrieb sich dann wie von allein. Ich habe ja nicht zu hoffen gewagt, dass wir tatsächlich auch dort drehen können. Aber Regisseur Tim Trageser, sein Kameramann und vor allem unser Produzent waren ganz bezaubert von der Ortschaft, ihren Hügeln und Tälern und dem Kirchturm.


Das ganze Dorf und meine Verwandten dort waren beim Drehen dann unglaublich freundlich und hilfreich. Sie stellten sich als Komparsen zur Verfügung, brachten Kuchen ans Set und hielten dem Hahn den Schnabel zu, wenn er die Tonaufnahmen störte. Aber eigentlich bin ich Güzin nun was schuldig, beim nächsten Film, den wir zusammen schreiben, suchst du dir einen Ort aus, okay?!


Kar: Gerne! Mach dich auf etwas gefasst, in der Schweiz gibt es einige seltsame Orte.

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