Zum Begriff "Erlkönig"

Insiderbegriff für einen Auto-Prototyp

"Erlkönig" ist eine gängige Bezeichnung für den Prototyp eines Autos. Als "Erlkönig-Jäger" werden Fotojournalisten bezeichnet, die heimlich Fotos von diesen "Zukunfts-Autos" machen und diese an Fachmagazine, die Boulevardpresse oder Websites verkaufen.

DAW Manager van Loon (Axel Milberg) und Testfahrer Fuchs (Dirk Borchardt) vor Prototyp Quelle: ,ZDF

Der Name "Erlkönig" geht auf ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe zurück. Im Zusammenhang mit Prototypen wurde der Begriff seit 1952 von den beiden Motorjournalisten Heinz-Ulrich Wieselmann, (Chefredakteur der Automobilzeitschrift auto, motor, sport) und Werner Oswald (stellvertretender Chefredakteur ) verwendet. Ab Heft 15 (vom 19. Juli 1952) erschien eine Zeitlang in jeder Ausgabe ein mehr oder weniger deutliches Bild eines Auto-Prototyps.

Die bittere Pille versüßen

Oswald erzählt: "Diese nach heutigen Maßstäben lächerlich harmlosen Bildchen galten damals als nie da gewesene Provokation der Automobilindustrie. Deshalb hatten wir zuvor wochen-, ja vielleicht monatelang überlegt, ob und in welcher Form wir uns den Abdruck dieser Amateurfotos erlauben konnten. Chefredakteur Wieselmann kam schließlich auf die Idee, durch liebenswürdige Begleittexte den betroffenen Industriefirmen die bittere Pille ein wenig zu versüßen.

In diesem Sinn reimte er eines schönen Sonntags für die ersten paar Bilder je ein kleines Achtzeilen-Gedicht im Stil des Erlkönig-Poems. Die legte er mir Montagfrüh auf den Tisch mit dem Auftrag, hieraus für die nächsten Hefte eine Folge vorzubereiten und diese mit einer gleichbleibenden Überschrift zu versehen. Nach kurzer Überlegung meinte ich: 'Schreiben wir doch einfach 'Erlkönig' drüber!' [...] Fortan bezeichnete ich in auto motor und sport konsequent jeden Prototyp, gleich welcher Herkunft, als Erlkönig, und so wurde das Wort bekannt und bald zu einem geläufigen Ausdruck."


Quelle: Werner Oswald: Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986. 5. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, S. 488 f.

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