Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Autor Bernd Lange über den Film

Es gibt eine bestimmte Form von Thriller, die heute kaum noch zu sehen ist. Die Hauptfigur, meistens eine Frau, wähnt sich im Zentrum einer Verschwörung, als Zuschauer wissen wir nicht, ob dies nur ihrer Paranoia zuzuschreiben oder sie tatsächlich Opfer eines Komplotts ist.

Filmische Referenzen wie "Mitternachtsspitzen" oder der gleichnamige Film von Alfred Hitchcock hatten für mich immer den besonderen Reiz, dass die Identifikation mit der Hauptfigur einen Grenzgang darstellt: Folge ich einer Wahnvorstellung oder muss ich berechtigt Sorge tragen, dass jemand Angst um sein Leben hat?

Boden für eine spannende Erzählung

Die Herausforderung, der Matti Geschonneck und ich uns stellen wollten, war, diese Erzählform in die Gegenwart zu holen. Dazu hat für uns eine moderne Frauenfigur gehört, die man mit all ihren Sorgen und Nöten in der Gegenwart wieder finden könnte; ein Konflikt in einer Beziehung über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und den daraus resultierenden Fragen an ein Paar, Dinge, von denen wir glauben, dass sie den Boden für eine spannende Erzählung bilden können.

Die Figuren ihrer alltäglichen Umgebung zu entziehen und sie in der Abgeschiedenheit Afrikas zu verorten, erschien uns ein konsequenter Schritt. Der Kontrast zu Berlin bedeutet, die Charaktere stärker im ausschließlichen Kontext mit ihren psychologischen Konflikten erzählen zu können, und im Rahmen eines Thrillers profitiert man von der Fremdartigkeit der Umgebung, die den Druck auf die Figuren erhöht.

Gefühl der Verunsicherung

Auch die Entscheidung, den Film nicht nur über zwei Kontinente hinweg zu erzählen, sondern die zeitlichen Ebenen zu verschränken und damit die Chronologie der Ereignisse und ihrer Vorhersagbarkeit aufzulösen, gab uns die Möglichkeit, stärker das Gefühl der Verunsicherung der Hauptfigur auf den Zuschauer zu übertragen.

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