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Bewegungen eines nahen Bergs

Dokumentarfilm von Sebastian Brameshuber, Österreich/Frankreich 2019

Ein Schwarzer in weißem Pullover und Jeans lehnt gegen ein weißes Fahrzeug und rasiert sich den Schädel. Im Hintergrund sind in der Halle aufgehäufte Autoteile zu sehen.

Auf einem Industriegelände unweit einer alten Erzmine in den steirischen Alpen betreibt der Nigerianer Cliff einen Handel mit Gebrauchtwagen zwischen Österreich und seinem Heimatland.

16.11.2020
16.11.2020
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Allein und mit wundersamer Gelassenheit verrichtet Cliff sein Tagwerk. Dabei verbinden sich auf mysteriöse Weise Vergangenheit und Gegenwart. Denn in der alten Erzmine versprach der Legende nach ein Wassermann den Menschen Erz für die Ewigkeit für seine Freilassung.

Cliffs lokale Kunden sind vor allem Osteuropäer, die günstig alte Autos repariert bekommen wollen oder gebrauchte Wagen kaufen. Mit ihnen muss er hart verhandeln. Doch sein eigentlicher Markt ist der Ersatzteilehandel mit Nigeria.

Mit seinem Geschäft betreibt Cliff Wirtschaftsaustausch auf Mikroökonomiebasis, denn wie in afrikanischen Ländern üblich, wird auch in Nigeria technisches Gerät - und besonders ein Auto - nicht einfach weggeworfen, sondern so lange wie möglich repariert.

Sebastian Brameshuber über seinen Film: "Cliff führt eine Existenz am Rand des kapitalistischen Systems und des Welthandels, wo deren Widersprüche und Grenzen offensichtlich werden, wo jedoch die gewaltige Anziehungskraft, die von ihrem Zentrum ausgeht, immer noch die bestimmende Kraft ist. Cliffs Optimismus, sein starkes Freiheitsgefühl und seine Selbstachtung, die er trotz seiner unsicheren Situation an den Tag legt, haben mich sehr beeindruckt. (…) Ausgehend von Cliffs Arbeitsalltag in der obersteirischen Abgeschiedenheit lässt sich über das Dilemma des Anthropozäns in konzentrierter Form nachdenken: über die Bewegungen des nahen Berges, die Deterritorialisierung und die Endlichkeit der Ressourcen unseres Planeten. Seine Garage befindet sich unweit des Erzbergs, einer der ältesten und größten Erzminen Europas."

Wiederverwertung ist nicht nur Thema des Films, sondern war auch ein Prinzip der Arbeitsweise von Brameshuber, der 16-mm-Aufnahmen in den Film integrierte, die er bereits Jahre vor der Arbeit an dem Film gemacht hatte.

Sebastian Brameshuber studierte Bühnen- und Filmgestaltung in Wien und zeitgenössischen Film in Tourcoing, Frankreich. Er ist mit seinen Arbeiten auf Film- und Medienkunstfestivals präsent. "Bewegungen eines nahen Bergs" wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2019 auf der Duisburger Filmwoche mit dem "3sat-Dokumentarfilmpreis".

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