Manchmal hilft auch der Zufall

Wie Romanautorin Christina Camera zu ihrer Geschichte kam

Italien dient als romantischer Schauplatz, ein gefälschtes Gemälde entzündet die Geschichte um "Das Geheimnis der Villa Sabrini". Die Idee zur Romanvorlage wurde der Autorin Christina Camera praktisch "frei Haus" geliefert ...

Kunstexpertin Susanna Noll (Simone Hanselmann) erläutert Francesco Sabrini die Bedeutung von Piero della Francescas "Flagellatione"
Kunstexpertin Susanna Noll (Simone Hanselmann) erläutert Francesco Sabrini die Bedeutung von Piero della Francescas "Flagellatione" Quelle: ZDF,Lucia Baldini

Cristina Camera absolvierte nach dem Abitur eine Verlagslehre und anschließend ein Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Als ihre Tochter auf die Welt kam, gab sie ihren Beruf als Sachbuchlektorin auf. Seither arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Lektorin.

Liebe zu Italien

All ihre Romane spielen in Italien und erzählen von der großen Liebe: "Der Zitronenbaron" (2007), "Die Gärten der Villa Sabrini" (2009) und "Der Gesang der Sehnsucht" (2011). Nahezu jede Reise führt sie ins Land jenseits der Alpen, das ihr zur zweiten Heimat geworden ist, um für ihre Romanprojekte zu recherchieren - immer auf der Suche nach interessanten Schauplätzen und Geschichten.

Manchmal hilft ihr auch der Zufall. Die Idee zum Roman "Die Gärten der Villa Sabrini" bekam sie frei Haus in Form eines Manuskripts geliefert, das der deutsche Historiker Prof. Bernd Roeck aus Zürich beim Verlag einreichte, für den Cristina Camera arbeitete. Es ging um ein Renaissancebild von Piero della Francesca - "Die Geißelung" - und handelte von einem Brudermord.

Rätselhafte Darstellung

Die "Geißelung Christi", von Piero della Francesca zwischen 1447 und 1459 gemalt, ist eine rätselhafte Darstellung, über die sich die Gelehrten seit Jahrhunderten die Köpfe zerbrechen. Das 59 mal 81 Zentimeter große Tafelbild hängt in der Nationalgalerie der Marken in Urbino. Bisher war es nicht gelungen, die drei großen Figuren rechts im Bild eindeutig zu identifizieren. Die Mutmaßungen über den blonden Jüngling in der Mitte füllen Bände.

Bernd Roeck hatte eine völlig neue Interpretation des Bildes gewagt, welche von den Gelehrten sehr kritisch betrachtet wurde. Roeck vertritt die These, dass der blonde, barfuß und mit leerem Blick dastehende Jüngling Oddantonio da Montefeltro sei, an dem sein Stiefbruder, Federico da Montefeltro, einen politischen Mord verübt habe. Der Polizist Silio Bozzi liess sich durch den Indizienbeweis des Zeitgeschichtlers Roeck nicht beeindrucken. Für ihn steht fest, dass der blonde Jüngling mit dem Philosophen Marsilio Ficino identisch ist. Das Bild habe einen esoterischen Hintergrund. Die Debatte über die wirkliche Darstellung des Bildes wird weitergehen.

Ein guter Filmstoff?


Der Verlag war skeptisch. Würden sich genug Leser finden? Cristina Camera allerdings war fasziniert von dieser "mörderische Geschichte" und suchte nach einem Weg, diese in einem Plot zu verarbeiten. Sie unternahm eine Reise nach Sansepolcro (Toskana) auf den Spuren Piero della Francescos und besuchte sein Wohnhaus. Dort führte ein weiterer Zufall zur Inspiration für die männliche Hauptperson.

Junge Schmuckdesigner präsentierten ihre wertvollen Stücke in einer Ausstellung. Zahlreiche Entwürfe zeigten, wie Schmuck auf dem Papier entsteht. Der Beruf des Helden, der von seinem Bruder in tödlicher Absicht angegriffen wird, war gefunden. Auch die Verlagsleute ließen sich von der Begeisterung für den Stoff anstecken und publizierten schließlich Bernd Roecks Sachbuch über Piero della Francescas "Geißelung".

Eine umstrittene These

Die erste öffentliche Präsentation von Roecks These fand charmanterweise in der gleichen römischen Villa statt, in der dieser Film gedreht wurde. Seitdem wird in Fachkreisen eifrig über seine Interpretation diskutiert - und das Art-Magazin zitierte im Januar 2010 Florian Henckel von Donnersmarck mit "Die These bietet einen guten Filmstoff".

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