Interview mit Robin Sondermann

Sie spielen Ermittler Freddy Breyer – er wirkt sehr zielstrebig.

Er macht seinen Job auf jeden Fall leidenschaftlich gerne, mit Leib und Seele. Abgebrüht ist er jedoch nicht. Eher jemand, der über den Bauch kommt - im ersten Fall kommt er dadurch auch schon mal in Probleme.

Wieviel hat der private Robin Sondermann mit Freddy gemeinsam?

Ich empfinde meinen Beruf jedenfalls auch als einen absoluten Glücksfall, arbeite wahnsinnig gerne als Schauspieler und gehe in meinem Job auf. Freddy geht das ebenso. Wie Freddy sauge ich auch die momentane Situation sehr intensiv auf.

Christina Hecke spielt Ihre Kollegin Judith Mohn, die sich schnell sehr empathisch auf andere einstellen kann. Wodurch zeichnet sich das Zusammenspiel mit ihr vor der Kamera besonders aus?

Schon die erste Begegnung beim Casting fand ich ziemlich besonders. Christina ist eine Schauspielerin, die in der Arbeit sofort spürbar einen persönlichen Draht und Kontakt sucht. Sie legt großen Wert darauf, beobachtet sehr genau und interessiert sich. Dadurch bekommen die Proben ein großes Gewicht, weil man sich gemeinsam auf den Moment einlässt - auf das was passiert und man vorher vielleicht nicht schon genau wusste. Das ist ein großes Geschenk von einem Filmpartner.

Sie haben das erste Mal mit Regisseur Miguel Alexandre gearbeitet, der auch die Kamera führte und am Drehbuch stark mitgewirkt hat.

Miguel guckt sehr genau - egal ob auf den Monitor oder durch die Kamera, deshalb hab ich sehr schnell vergessen, dass es eine spezielle Situation ist, wenn der Regisseure auch die Kamera übernimmt. Die Abläufe sind dadurch schon anders. Man kann in den Pausen zwischen den Einstellungen nicht ständig zum Regisseur hin und ihn zutexten, der ist dann gerade als Kameramann beschäftigt, das Bild einzurichten. Dass er auch einen großen Anteil am Drehbuch hatte, hat es uns noch einfacher gemacht die Figuren und Szenen noch am Set weiterzuentwickeln.

Welche Erinnerungen nehmen Sie aus dem Saarland mit?

Ich habe zum ersten Mal dort gedreht. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt, wurden mit offenen Armen empfangen. Alle waren sehr interessiert und haben sich über unsere Dreharbeiten gefreut. Das ist ja nicht immer so. Neulich hab ich auf dem Hamburger Kiez in der Nähe der Reeperbahn gedreht - da hat niemand auf uns gewartet, da ist uns ein anderer Winde entgegengeschlagen. Ich habe auch ein paar Mal meine Familie mitgebracht ins Saarland, und wir hatten dort eine tolle Zeit.

"SOKO München", "SOKO Wismar", mehrere Rollen im "Tatort" … Sie drehen oft Krimis. Lieben Sie die auch privat?

Ich schaue mir tatsächlich sehr gerne Krimis im Fernsehen an. Es ist schon interessant, dass man dem Thema Mord und Verbrechen freiwillig so einen großen Raum in der Freizeit des eigenen Lebens einräumt, oder? Krimis lesen ist dagegen nicht so meins. Was Bücher angeht, stecke ich momentan mitten im Knausgaard-Fieber. Sein sechsteiliges Romanprojekt bringen wir gerade am Theater Bremen nach und nach auf die Bühne.

Aber einen Ermittler zu spielen, das war jetzt Premiere für Sie.

Nicht ganz. Ich war für eine Folge Teil des Ermittlerteams bei „Unter anderen Umständen“ und im „Tatort" an der Seite von Wotan Wilke Möhring habe ich auch mal einen Kriminalpolizisten gespielt. Aber das war beides zeitlich und inhaltlich begrenzt. Es war für mich dieses Mal eine sehr spannende Aufgabe, mit dem Regisseur und Autor eine neue Ermittler-Figur aus der Taufe zu heben.

Eine Figur, die nicht auserzählt ist und mit ihrem Format in Reihe gehen soll. Haben Sie sich über die Ankündigung des stellvertretenden ZDF-Programmdirektors Reinhold Elschot gefreut?

Sehr. Wir hatten natürlich gehofft, dass es weitergeht, aber man weiß ja nie. Ich glaube, jeden Schauspieler reizt es sehr, eine Figur über einen längeren Zeitraum weiterentwickeln zu können. Wenn man wie ich vom Theater kommt, vielleicht ganz besonders. Eine absolute Luxus-Aufgabe.

In welche Richtung soll Freddy gehen?

Ich will dem Autor nicht vorgreifen, aber ich würde mich freuen, wenn Freddy möglichst lange schwer zu greifen bleibt. Es wäre schön die Dinge, auch die Verhältnisse von Freddy, die man schon angerissen hat, zum Beispiel seine Beziehung zu Judith, nicht zu schnell zu klären, sondern so kompliziert und komplex zu halten wie möglich - wie es im Leben nun mal oft ist.

Sie spielen unter anderem auf den spontanen Kuss an, den Freddy seiner attraktiven Kollegin Judith gibt. Liebt er sie?

Das meine ich. Wir haben das mit Absicht offengelassen. Und die Szene, in der die beiden dieses Vorkommnis ansprechen, ist dem Schnitt zum Opfer gefallen. Aber auch in dieser hätten wir Ihre Frage nicht aufgelöst. Es braucht ja auch nicht alles ein Etikett. Im Gegenteil ich glaube, es sorgt für viel mehr Spannung zwischen Figuren und auch vor dem Bildschirm, wenn nicht alles geklärt ist.

Ein altes Sprichwort rät, Job und Privatleben klar zu trennen. Wie halten Sie es damit?

Ich habe mich nicht daran gehalten. Ich hab eine Kollegin geheiratet. Kristina Paus. Wir haben uns am Volkstheater in München kennen und lieben gelernt. Vor unserer Begegnung dachte ich auch immer: bloß keine Schauspielerin! Damit der Beruf nach Drehschluss oder Theatervorstellung nicht Überhand nimmt. Aber zum Glück ist es anders gekommen!

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

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