Interview mit Rudolf Kowalski

Sie spielen einen pensionierten Kripobeamten, den ein alter Vermisstenfall nicht loslässt. Was ist los mit diesem Mann?

Markus Zerner ist ein älterer Mann, der versucht, mit seiner Vergangenheit klarzukommen, was ihm jedoch nicht leicht fällt. Ich kenne privat selbst einen Kommissar. Von ihm weiß ich, dass diese Situation bei pensionierten Kommissaren gar nicht selten ist. Auch ihn mache es fast wahnsinnig, sich ganz sicher zu sein, den Mörder in einem Fall zu kennen, aber die Beweislage lässt es nicht zu, ihn zu verurteilen. So ähnlich geht es auch meiner Figur. Deshalb bietet Markus Zerner auch der jungen Kollegin seine Unterstützung an.

Nicht nur Kommissaren wird nachgesagt, dass sie ihren Beruf als Berufung sehen und diese mit Rentenbeginn nicht so einfach abstreifen können, sondern auch Schauspielern. Wie geht es Ihnen?

Schauspieler gehen eigentlich nicht in Rente. Ich kenne kaum Kollegen, die es schaffen, aufzuhören. Warum auch? Dann wird das Leben doch langweilig. Und einen Fall, der einen nicht loslässt und nicht abgeschlossen werden kann – das gibt es in unserem Berufsleben nicht. Wenn ein Film abgedreht oder ein Engagement beendet ist, dann hat man mit diesem Projekt auch abgeschlossen, es sei denn, man ist mit seiner eigenen Leistung nicht zufrieden und es wurmt einen, es besser zu machen. Aber das kann man dann ja beim nächsten Engagement oder Film versuchen.

Was unterscheidet Ihre Ermittler-Figur hier von früheren wie die der ZDF-Reihe "Stolberg"?

Zerner wirkt etwas gelassener als Stolberg. Die Figur jetzt ist viel mehr im Privatleben angesiedelt. Bei "Stolberg" haben wir das ganz bewusst vermieden. Was sie gemeinsam haben: Beide haben die gleiche Nase wie ich (lacht).

Stolberg lebte in Düsseldorf, Zerner wohnt in der Nähe von Saarbrücken. Wie sind Sie mit den Saarländern zurechtgekommen?

Gut, man muss sich nur an deren Dialekt gewöhnen (lacht). Die Tonation erinnert mich etwas an den Mannheimer Dialekt, den ich während meines sechsjährigen Engagements am dortigen Nationaltheater intensiv kennengelernt habe. Es gibt in Mannheim ein Sprichwort: Man weint in dieser Stadt zweimal: wenn man kommt und wenn man geht. Und das stimmt tatsächlich. Aber ich habe viele liebe Freunde dort gewonnen und mich sehr wohl gefühlt. So ähnlich ging es mir auch mit den Saarländern.  Früher hatte ich das Saarland immer verbunden mit Stahlarbeit und Zechen, so wie in der Region den Ruhrpott, aus dem ich komme. Aber das Saarland ist ja ein wunderbar grünes Bundesland, offen und frei sind die Landschaften. Es gibt erstaunlich viel Natur in der Gegend.

Sie standen erstmals mit Christina Hecke vor der Kamera.

Christinas Figur ist der absolute Dreh- und Angelpunkt dieses Films. Ja, wir kannten uns vorher persönlich nicht. Zwischen uns ist sofort ein guter Kontakt entstanden, daraus wurde ein herzliches Sympathie-Verhältnis. Mal abgesehen davon, dass man als Beifahrer bei ihr starke Nerven braucht – und einen gutsitzenden Anschnallgurt (lacht), ist Christina klasse, auch menschlich. Ich hatte während der Drehzeit Geburtstag. Als ich im Hotelzimmer auf dem Balkon saß, klingelte es an der Tür. Da stand Christina da mit einer Flasche Sekt, und wir feierten.

"In Wahrheit –Mord am Engelsgraben" hat Arte die sechstbeste Einschaltquote in der Sendergeschichte beschert. Haben Sie eine Erklärung für den Hype?

Mich haben Leute nach der Erstausstrahlung bei Arte angerufen, von denen ich jahrelang nichts mehr gehört hatte; sie waren total begeistert von unser Arbeit und dem Film. Es könnte daran liegen, dass die Figuren Geheimnisse umgeben, die das Publikum in Spannung halten. Es bleiben immer noch Reserven für mehr. Die Zuschauer wittern dann, dass hier ein Potential ist. Hinzu kommt eine neue frische Kulisse: mal nicht Köln, Hamburg oder Berlin, sondern das Saarland.

Potential für mehr - kein Wunder, dieses Format soll eine Sendereihe werden. Sind Sie gerne wieder beim nächsten Film dabei?

Auch mit meiner Figur geht es wohl weiter. Zumindest habe ich bisher nichts Gegenteiliges gehört. Und es gab erste Gespräche mit der Produzentin. Es gibt auch schon einige Ideen, aber ob die umgesetzt werden, weiß ich nicht. Bei meiner Figur gibt es ja viel Potential, nicht nur, wenn man in Markus Zerners Vergangenheit schaut, sondern auch perspektivisch.

Ihr Name wird bis heute mit dem unvergessenen großen Meister des feinen Humors, Loriot, in Verbindung gebracht, ihr Sketch als "Heinzelmann"-Vertreter ist legendär. Legen Sie, wie Vicco von Bülow, großen Wert auf jedes Detail? Neigen Sie auch zum Perfektionismus?

Ich kann das selbst relativ schwer beurteilen, aber es muss doch auch einfach alles stimmen, auch das, was man nicht sieht. Sonst funktioniert die Geschichte nicht, leben die Figuren nicht. Wenn man nicht das meint, was man da tut auf der Bühne oder vor der Kamera, dann wird das eine hohle Vorstellung. Und das merken und spüren die Zuschauer oder das Publikum bald. Aber so akribisch wie Loriot war, das kann man kaum leisten. So unendlich viel Zeit zum Drehen hat man heute eh nicht mehr. Früher ging das: Wenn solch ein blödes Bonbon genau an einer bestimmten Hautstelle kleben bleiben soll, dann eben nicht zwei Zentimeter daneben. Das war schon eine besondere Zeit damals, in der ich viel gelernt habe. Ich war ja auch noch ziemlich jung.

Ist Christina Hecke auch eine Perfektionist?

Ich denke schon. Sie hat jede Nuance gerne im Griff, ist sehr präzise in ihrer Wortwahl und der Körpersprache.

Bei "In Wahrheit – Mord im Engelsgraben" hat Miguel Alexandra nicht nur Regie geführt, sondern auch die Kamera. Wie fanden Sie das?

Ich musste mich daran gewöhnen. Ob diese Doppelfunktion nur Vorteile hat, da bin ich mir nicht sicher. Denn es sind zwei Augen weniger, die durch die Linse oder auf den Monitor schauen – und den Entstehungsprozess beobachten. Mich hat es etwas irritiert, zumindest anfangs. Dann hat sich die Frage nicht mehr gestellt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn die Aufgaben auf zwei Personen verteilt würden, die sich  gegenseitig befruchten können. Dass Miguel Alexandre beide Aufgaben so glänzend gleichzeitig schafft, ist bewundernswert.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch

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