"Ich wollte unbedingt mit Ulrike spielen"

Fragen an Anke Engelke

Anke Engelke hat als Moderatorin, Sängerin und Comedy-Star einen ganz anderen Hintergrund als Ulrike Kriener und arbeitet in einem anderen Umfeld. Als sie jedoch das Angebot bekam, die Schwester von Kommissarin Lucas zu spielen, zögerte sie jedoch keinen Augenblick. Die Zusammenarbeit mit Ulrike Kriener war ihr das Risiko des Ungewissen wert.

Max (Tilo Prückner), Rike (Anke Engelke, r.) und Ellen (Ulrike Kriener, l.) Quelle: ZDF/Richard Hübner


ZDF: Außer in ihren eigenen Sendungen sieht man Anke Engelke nur gelegentlich in Kino- und TV-Filmen. Was war ausschlaggebend dafür, sich nun an das Format "Kommissarin Lucas" zu binden?


Anke Engelke: Ulrike! Wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder mal gese­hen - ich sie wohl mehr als sie mich. Und beim Fernsehpreis 2002 hatten wir unser erstes längeres Gespräch. Als mir dann die Rolle der Rike angeboten wurde, habe ich, ohne das Buch zu kennen, zugesagt. Ich wollte unbedingt mit Ulrike spielen.


Normalerweise arbeite ich lie­ber in einem bekannten Umfeld, der Nestcharakter ist mir sehr wichtig und die Sicherheit, dass ich am Endergebnis nicht verzweifeln werde. Aber um mit Ulrike spielen zu können, hätte ich auch eine Theaterrolle übernommen. Hier ist sie mein Nest.



ZDF: Sie spielen die Schwester von Ellen Lucas. Was für ein Mensch ist Rike?



Engelke: Ich lerne sie selbst immer noch näher kennen. Ich glaube, dass Rike ein bisschen verloren ist, nicht nur in familiärer Hinsicht - Ellen ist ja die einzige, zu der sie noch Kontakt hat - sondern verloren auch was den Job und Freundschaften angeht. Sie hat keine Wurzeln, weiß nicht, wo sie hingehört und ist deshalb so flatterhaft. Ich habe an der Figur auch schon gezweifelt, befürchtet, dass sie ein bisschen nervt wie diese Menschen, die immer zum falschen Zeitpunkt auftauchen und dann Dinge sagen wie "Hallo, ich hab' Brote mitgebracht".

Aber Ulrike hat mich beruhigt und ich hoffe, dass man sich auch ein biss­chen freut, wenn Rike auftaucht und denkt: "Ach, kuck mal, das rich­tige Leben schaut vorbei." Es geht in den Filmen zwar um Morde, Ungerechtigkeit und das Elend, aber da kann auch Platz sein für eine Person, die da so hereinschwebt.


ZDF: An dieser Stelle käme jetzt die Standardfrage: "Wie viel haben Rike und Anke Engelke gemeinsam?"


Engelke: Oh nein, bitte nicht. Das werde ich sogar bei Zeichentrickfiguren ge­fragt. Wahnsinn!


ZDF: Haben Sie Wünsche an die Figur der Rike hinsichtlich der weiteren Entwicklung?


Engelke: Nein, auf keinen Fall. Ich finde es toll von den Büchern überrascht zu werden. Ich finde den Prozess spannend, eine Person im Laufe des Spiels immer näher kennenzulernen. Natürlich habe ich mir in der Vorbereitung auf die Rolle viel Biografisches für Rike gebaut, aber was aus den Büchern kommt und im hier und jetzt passiert, finde ich wahnsinnig spannend, da würde ich niemals eingreifen.

Anderseits habe ich keine Erfahrung mit einer Reihe. Ich weiß nicht, ob man nach der 897. Folge dann sagt: Kann die nicht mal 'ne Treppe runterfallen oder rückwärts einparken. Vielleicht kommt dieses Bedürfnis irgend­wann, aber jetzt drehen wir hier ja erst den vierten Film und ich bin weit davon entfernt, perspektivisch zu denken. Ich bin einfach wahnsinnig froh, dass ich das machen kann, weil es wirklich eine neue Erfahrung ist. Das ist de facto kein Standard hier, das kenne ich nicht.


ZDF: Worin besteht der Unterschied zu den bisherigen Erfahrungen als Schauspielerin?


Engelke: Ich habe hier eine andere Attitüde, einen ganz anderen Ton, und da ich keine Schauspielschule besucht habe, sondern einen eher intuiti­ven Umgang mit dem Spiel, kann ich viel lernen. Ich freue mich sehr, wenn das Buch mich leitet und die Regie mich führt.


ZDF: Wollten sie vielleicht auch dem Stigma "Ulknudel" etwas entgegensetzen?


Engelke: Nein, ich habe keine Angst vor dem Stigma Ulknudel. Das ist nur ein Klischee wie dasjenige, dass Menschen, die humoresk arbeiten, auch privat permanent den "Hihi"-Klassenclown geben. Es gibt ja auch ge­nauso die Gegenthese, dass Menschen, die von Beruf lustig sind, pri­vat zur Schwermut neigen.


ZDF: Hätten Sie gerne eine große Schwester wie Ulrike Kriener?
Engelke: Ich finde, wir haben schon ein irgendwie schwesterliches Verhältnis. Unser Umgang ist dafür, dass wir uns gar nicht so viele Jahre und auch gar nicht so gut kennen, wahnsinnig vertraut. Das hat man nicht oft. Normalerweise kommt man an den Set, da sind die anderen Schauspieler erst einmal nur Kollegen, weniger vertraut als der Nach­bar oder eine entfernte Cousine. Mit manchen findet man schnell eine gemeinsame Tonart oder Temperatur, mit manchen gar nicht. Und bei Ulrike und mir war beides von Anfang an da.

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