"Die Wahrheit der Figur finden"

Gespräch mit der Schauspielerin Nadja Bobyleva

In "Marie Brand und der Sündenfall" kommt Nadja Bobyleva als strenggläubige Iwona Macier in Konflikt mit der katholischen Kirche und ihrem Glauben. Wie sie sich in diese Rolle eingefunden hat, was ihr Köln als Drehort bedeutet und wie die erneute Zusammenarbeit mit Henry Hübchen war, verrät sie im Gespräch mit dem ZDF.

Nadja Bobyleva spielt Ivona in "Marie Brand und der Sündenfall"
Nadja Bobyleva spielt Ivona in "Marie Brand und der Sündenfall" Quelle: ZDF und Guido Engels


ZDF: Frau Bobyleva, was zeichnet Ihre Figur aus?

Nadja Bobyleva: Meine Figur ist von Angst besessen. Meiner Meinung nach ist sie so erzogen worden, dass sie nie gelernt hat, Autorität oder Autoritätspersonen infrage zu stellen. Eher sucht sie die Fehler bei sich selbst. Dazu kommt auch noch ihr Glaube an die Werte der katholischen Kirche, an denen sie festhält, denen sie sich unterwirft. So ist sie eine komplett verlorene und hilflose Figur in dem ganzen Spiel.


ZDF: Können Sie die Handlungsweise von Iwona verstehen?

Bobyleva: Wenn ich eine Rolle spiele, stelle ich mir selten die Frage, wie ich persönlich dazu stehe. Es geht darum, die Wahrheit der Figur zu finden und deren Handlungen nachzuvollziehen und sie sich zu eigen zu machen. Meine Figur weiß um die Illegalität der Tat, muss sich aber fügen, weil sie nicht stark genug ist, um ihre eigene Wahrheit zu verfolgen. In diesem Aspekt kann ich sie vollkommen verstehen.


ZDF: Halten Sie persönlich das Verhalten Ihrer Figur Iwona und die des Pfarrers für unmoralisch?

Bobyleva: Ob ich es selbst unmoralisch finden würde, wenn ich in der Situation wäre, weiß ich nicht. Ich habe nicht das beste Verhältnis zur Kirche. Damit meine ich die Instanz selbst und das Geschäft, nicht den Glauben. Deshalb würde ich in solch einer Situation wohl eher anders handeln.


ZDF: Sie haben eine Zeitlang in Köln gelebt. Genießen Sie es, wenn Sie in dieser Stadt drehen?

Bobyleva: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich die Möglichkeit habe, in Köln zu sein und meine Freunde zu sehen. Und ein Dreh ist ein perfekter Vorwand, mal wieder nach Köln zu kommen, zumal ich die Stadt und deren Energie nicht mehr neu entdecken muss. Jede Stadt hat in irgendeiner Art auch einen Einfluss auf die Geschichte, die erzählt wird, auch wenn sie nicht vordergründig ist. Und so ist sie für mich automatisch vorhanden.


ZDF: Sie standen kürzlich für den "Uranberg" mit Henry Hübchen vor der Kamera. Gibt es Ihnen ein sicheres Gefühl, mit vertrauten Kollegen zu spielen?

Bobyleva: Es ist immer wieder schön, mit Kollegen zu arbeiten, die man schon kennt. Man weiß in etwa, wie der andere "funktioniert", es ist so etwas wie ein Heimspiel. Henry Hübchen hat eine enorme Kraft. Man bekommt unglaublich viel und kann es ihm zurückgeben. Es ist tatsächlich so, als würde man sich die Bälle hin und her werfen. Solch eine Intensität ist selten und ich habe sie auch in diesem Fall wieder genossen.

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