"Vom Glück geküsst"

Ein launiges Gespräch mit Schauspieler Hinnerk Schönemann

Wir haben uns mit dem Schauspieler Hinnerk Schönemann ("Finn Zehender" / "Marie Brand") unterhalten, der erst noch ein paar Heuballen aus dem Weg räumen musste. Ihn erwischten wir telefonisch nämlich auf seinem Hof in der Nähe von Plau am See in Mecklenburg.

"Angst ist der Motor, das Beste rauszuholen."
Quelle: ZDF

Wie bereiten Sie sich eigentlich auf Ihre Rollen vor? Sie wirken immer so, na ja, „echt“.

Ehrlich gesagt bereite ich mich gar nicht vor. Den Text lerne ich immer erst am Abend vorher oder kurz vor knapp. Das ist keine Faulheit, sondern Absicht, es tut mir nicht gut, den Text zu perfekt zu können. So improvisiere ich auch mal, und meine Rollen kommen dadurch lebendig und frisch rüber. Ich weiß, dass das ein hohes Risiko ist, und das wiederum macht mir große Angst, und diese Angst ist der Motor, das Beste rauszuholen.

Wie jetzt – Sie machen das immer so? Befassen Sie sich denn nicht auch mit dem Charakter, den Sie verkörpern?

Doch. Ich weiß ja ein, zwei Monate vorher, wen ich spiele, und dann läuft die Vorbereitung darauf unterbewusst ab. Obwohl: Eine Rolle gab es, da habe ich wirklich viel vorher dafür gearbeitet, aber eben auch nicht den Text gelernt. Ich sollte in einem Film von Doris Dörrie eine Frau spielen, und da habe ich vorher geübt, in Stöckelschuhen zu laufen, wie das ist, wenn man lange Haare hat, solche Sachen.

Ganz abseits der extremen Rollen haben Sie Familie, einen zweijährigen Sohn mit Namen Dexter. Wie ist das, wenn Sie für einen Dreh vier, fünf Wochen unterwegs sind?

Ich bin sehr gern zu Hause, und als Schauspieler habe ich den Luxus, selbst bei langen Drehs am Wochenende immer nach Hause zu können, und das geht dann. Mittlerweile nehme ich den Kleinen aber auch mal mit, weil ich kein Wochenendpapa sein will.

Dexter kommt mit an den Set?

Nicht so oft. Aber wenn er mit dabei ist, geht das meist ganz gut. Er ist ein freundliches, ausgeglichenes Kind und weiß, dass der Papa arbeiten muss. Manchmal quengelt er, aber das geht dann auch schnell wieder vorbei.

Sie verstecken Ihren Sohn also nicht vor der Öffentlichkeit.

Es geistert seit einiger Zeit durchs Netz, wie er heißt, also muss ich damit umgehen. Aber ich würde jetzt keine Journalisten oder so bei mir zu Hause vorbeikommen lassen oder Homestorys machen, das muss nicht sein.

Meiden Sie deshalb die üblichen „Bühnen“ – München, Berlin, Hamburg, Köln? Viele Schauspieler wohnen ja in diesen Städten, damit sie öfter „gesehen“ und öfter gebucht werden …

Ich liebe es hier draußen. Hier bin ich, wenn ich nicht drehe, und kümmere mich um meinen Hof und meine Familie. Es hat Vorteile, bekannt zu sein, das öffnet einem Türen. Der Nachteil auf dem Land ist für mich, dass ich da eigentlich noch viel genauer beobachtet werde. Die Leute wissen alles von einem. Wann man nach Hause kommt, wann man sich die Haare geschnitten hat, einfach alles. Aber ich liebe es, hier zu leben.

Sie sind persönlich gar nicht wirklich präsent im Internet, man findet Sie im Social Media-Bereich gar nicht.

Hinnerk Schoenemann will kein Wochenendpapa sein
Quelle: ZDF

Facebook und sowas finde ich an sich eine gute Sache. Es ist dazu da, dass sich Menschen wiederfinden und in Kontakt bleiben und austauschen und das alles. Aber ich habe es mal versucht, mich da anzumelden, und fand es total langweilig und überflüssig. Mich interessiert einfach nicht, wenn ich lese, dass sich jemand einen Fingernagel lackiert hat oder so. Dann denke ich: Haben die denn alle zu viel Zeit?

Sie wissen schon, dass unser Gespräch auch auf Facebook geteilt wird?

Ja, und das ist auch super! Es ist nur eben nichts für mich.

Manche Prominente meiden Social Media aus Angst vor Gerüchten oder Beschimpfungen. So etwas verbreitet sich im Netz gern mal schneller als im wahren Leben.

Über mich gab es auch mal so ein Gerücht, ich hätte früher ADHS gehabt. Da habe ich gelernt, dass es nur eine Art gibt, mit dem Blödsinn umzugehen: ignorieren. Da hilft es nicht, etwas klarstellen zu wollen. Man sagt besser einfach nichts dazu.

Verraten Sie uns zum Abschluss: Welche Rollenwünsche hätten Sie denn noch offen?

Da bin ich ehrlich gesagt vom Glück geküsst. Ich habe schon so viele interessante Rollen gespielt, dass kein Wunsch mehr offen ist. Aber eine Sache würde ich wirklich gern machen: Regie führen. Ich weiß, dass man dafür studiert haben muss, aber ich habe jetzt so viele Jahre Erfahrung als Schauspieler, dass ich mir das zutraue. Regie wäre wirklich mein großer Wunsch.

Das Gespräch führte Rieke Heiland.

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