Interview zur 18. Folge

Mit "Persönliche Sicherheiten" – der 18. Folge – wird "Unter Verdacht" volljährig. Lesen Sie hier ein Interview mit Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff.

Mit "Persönliche Sicherheiten" – der 18. Folge – wird "Unter Verdacht" volljährig. Wieviel Spielraum gibt es nach so langer Zeit, eine Figur noch weiterzuentwickeln?

Senta Berger: Es gibt immer noch genügend Spielraum, um mich von der Figur Eva Prohacek herausgefordert zu fühlen. Ich möchte ihre Eigenarten erhalten, die Konturen nachzeichnen, die ich ihr vor 18 Folgen gegeben habe. Das betrifft das Äußere wie das Innere der Frau Prohacek. Natürlich ist sie älter geworden, denn ich bin älter geworden.
Aber wir erzählen ja nicht biographisch. Was das Äußere angeht, bleibt der strenge Hosenanzug, ihre Uniform wie Columbos Regenmantel bis zur letzten Folge. Evas Innenleben bemühe ich mich zu erhalten: ihre Einsamkeit, ihre schlecht verborgene Verletzlichkeit, ihre Dickköpfigkeit – besser Kompromisslosigkeit. Das versuche ich transparent zu machen.

Rudolf Krause: Menschen entwickeln sich ja immer weiter – unsere Charaktere tun das auch.

Gerd Anthoff: Die Entwicklungsmöglichkeiten sind sowohl für Autoren als auch für die Darsteller ziemlich ausgereizt. Da den Figuren aber von Anfang an eine gewisse Bandbreite vergönnt war, ist das eher von Vorteil.

"Unter Verdacht" zeichnet sich weniger durch actionreiche Verfolgungsjagden
als durch intensive Verhörszenen aus. Warum zieht Ihrer Meinung nach gerade diese wenig auf Effekte setzende Erzählweise die Zuschauer in den Bann?

Gerd Anthoff: Da kann ich nur von mir auf andere schließen. Mich faszinieren keine wilden Verfolgungsjagden, sondern eher deren Ursachen. Ich will wissen, was Menschen treibt, im Guten und im Krimi natürlich auch im Bösen. Und dann möchte ich beobachten, wie sich das Netz langsam zusammenzieht. In unserem Fall kommt noch dazu, dass es fast immer Querschläger aus den eigenen Reihen, also von meiner Figur, gibt. Diese Mischung scheint auch den Zuschauern gut zu gefallen. Und dann sind die Schauspieler auch nicht gerade die schlechtesten und es macht Spaß, sie in ihren Verstrickungen zappeln zu sehen.

Rudolf Krause: Die Verhöre und auch andere Situationen in "Unter Verdacht" geben die Gelegenheit, sich mit dem Innenleben und Lebenssituationen von Menschen zu beschäftigen – wie sie sich entscheiden und welche Konsequenzen ihr Handeln für sie selbst und ihre Mitmenschen hat. Das tut eigentlich jede Geschichte, die mich interessiert …

Senta Berger: Diese Verhörszenen sind spannend. Spannender als so manche Auto-Verfolgungsjagd. Es geht nicht nur um die Frage "Wer war der Täter?", sondern wie kriegen der Langner und die Prohacek das raus? Nehmen sie einer Finte zu Hilfe? Durchschauen sie die Lüge des Verhörten? Oder lügt der vielleicht gar nicht? Das alles hat mit Psychologie zu tun, und viele Zuschauer finden das offensichtlich allemal spannender als eine Action-Szene.

Mit ihrem Assistenten Kriminalhauptkommissar Langner und ihrem Vorgesetzten Dr. Reiter bildet Eva-Maria Prohacek ein ungleiches Trio. Wie hat sich das Verhältnis der drei untereinander seit Beginn der Reihe verändert?

Gerd Anthoff: Eigentlich hat sich gar nichts geändert. Außer einem gewissen Gewöhnungseffekt. Die Figuren haben in ihrer Abneigung gegeneinander fast resigniert und leben damit. Je nach Folge mehr oder weniger gut.

Senta Berger: Privat sind wir drei uns natürlich sehr vertraut und freuen uns auf das jährliche Wiedersehen beim Drehen. Aber selbstverständlich müssen wir die besondere Konstellation, in der die drei zueinander stehen, erhalten. Wenn es eine Veränderung gegeben hat, dann betrifft sie am meisten das Verhältnis von Langner zu Frau Prohacek. Wie dieser Langner mit ihr um Respekt und Vertrauen ringt, wie er immer wieder versucht, sie zu beschützen, ihr nahe zu kommen, das macht Rudolf Krause wunderbar subtil deutlich. Hier konnte sich die Figur wirklich weiter entwickeln. Und darauf kann ich natürlich als Eva Prohacek reagieren. Das gibt schöne, kleine, zarte Momente zwischen ihnen.

Herr Anthoff, welche Beziehung haben Sie seit dem ersten Fall Anfang 2003 zu Ihrer Figur aufgebaut und wie würden Sie deren Entwicklung über die Jahre beschreiben?

Gerd Anthoff: Der Dr. Reiter ist mir ans Herz gewachsen, und je widerlicher er sich geriert, desto mehr verteidige ich ihn. Nicht nach außen, aber im Spiel gebe ich ihm immer, immer Recht. Manchmal gerät er den Drehbuchautoren zu nett, dann versuche ich dagegen zu steuern. Und manchmal, wie in der Folge 20, die wir gerade drehen, ist er ein einziger Kotzbrocken. Sehr schön! Neben Senta Berger und Rudolf Krause noch ein dritter guter Mensch, das wäre ja nicht auszuhalten!

Nach fast zehn Jahren "Unter Verdacht" sind Sie als Schauspielkollegen sicher sehr vertraut miteinander. Pflegen Sie auch ein freundschaftliches Verhältnis nach Drehschluss?

Gerd Anthoff: Wenn man unter Befreundetsein auch versteht, sich in Ruhe zu lassen, dann sind wir drei gut befreundet. Mit Rudolf gehe ich grundsätzlich während jedes Drehs zum Abendessen in irgendeine Kneipe. Ansonsten freuen wir uns jedes Mal, wenn wir zum Drehen aufeinandertreffen und haben immer eine schöne und meist lustige Zeit miteinander.

Wenn Sie Drehbuchautor spielen dürften – was würden Sie Ihrer Figur für die Zukunft wünschen?

Gerd Anthoff: Dass sie so bleibt. Und dass sie immer wieder in schreckliche Konflikte gestoßen wird.

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