"Mit sehr viel Leidenschaft"

Der Drehbuchautor Michael Gantenberg erzählt

Michael Gantenberg, geboren 1961, war seit 1993 als Fernseh- und Radiomoderator in verschiedenen Formaten tätig. Ab Ende der 90er Jahre arbeitete er als Creator und Autor für mehrere Fernsehserien und Shows. 2008 kam sein erster Kinofilm "U-900" in die Kinos. Parallel zu seinem zweiten Roman "Zwischen allen Wolken" schrieb Gantenberg 2010 mit seinem Partner Hartmut Block u. a. das Drehbuch zur Verfilmung des Romanes "Kein Sex ist auch keine Lösung" und Drehbücher für die ZDF-Reihe "Unter Verdacht".


ZDF: Sie kommen eigentlich aus dem Genre der Komödie und wurden für Ihre Arbeit bereits mit dem Grimme-Preis sowie dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. War es für Sie eine Herausforderung als Drehbuchautor für "Unter Verdacht" ein etabliertes, bei Publikum wie Kritik gleichermaßen beliebtes Format fortzuführen?


Michael Gantenberg: Grundsätzlich gilt: Je besser man "seine" Figuren kennt, umso besser kann man sie führen und entwickeln - das gilt für alle Genres. Wenn man wie ich aus einer anderen Ecke kommt, sieht man aber auch noch neues Potential, das man ausloten kann und ausprobieren muss. Und wenn man dann noch mit einem Ensemble zu tun hat, dass die Zwischentöne umsetzen kann, wobei da Können von Kunst kommt, dann ist man als Autor an einem Punkt, der schon ziemlich glücklich macht.


ZDF: Sie sind ein Multitalent, arbeiten als Schriftsteller, Drehbuchautor, Radio- und Fernsehmoderator. Welcher Teil Ihrer Arbeit liegt Ihnen am meisten am Herzen?


Gantenberg: Die Antwort liest sich wahrscheinlich so langweilig wie ehrlich: Ich mag immer das, was ich gerade mit Leidenschaft mache. "Unter Verdacht" entfacht in mir sehr viel Leidenschaft. Aber wenn so eine große Herausforderung beendet ist, freue ich mich auch mal auf etwas ganz Leichtes.


ZDF: Konnten Sie dem Format zusammen mit Hartmut Block einen persönlichen "Stempel" aufdrücken? Haben die Figuren unter Ihrer Feder Entwicklungen erfahren, die so noch nicht angelegt waren und der Konstellation eine neue Dynamik geben?


Gantenberg: Gut, dann verlassen wir mal den Tempel der "Neuen Bescheidenheit": Ich glaube, Hartmut und ich haben da schon eine Farbe entwickelt, die sich von anderen Folgen unterscheidet. Neue Entwicklungen würden wir aber nicht für uns reklamieren - wir haben alte Grundlagen in neue Richtungen geschoben.


ZDF: Wie hat es Ihre Arbeit beeinflusst, für eine Schauspielerin wie Senta Berger zu schreiben, noch dazu Dialoge für eine Rolle, die ihr "auf den Leib geschrieben" wurde? Haben Sie mit Senta Berger aktiv für das Drehbuch zusammengearbeitet?


Gantenberg: Alles, was ich zu diesem Thema antworten würde, gliche einer Verbeugung vor ihrer Kunst. Zu sehen, was besonders Senta Berger aus ein paar Zeilen macht, ist schon eine gehörige Portion Eitelkeitspflege für Autoren. Ich habe mich nach unserer ersten "Unter Verdacht"-Folge gefragt: Haben wir das wirklich geschrieben?


ZDF: Was zeichnet die Reihe "Unter Verdacht" in Ihren Augen aus?


Gantenberg: Die einmalige Chance, zeitrelevante Themen aus einer Perspektive zu betrachten, die es in dieser Form bei keinem anderen deutschen Krimiformat gibt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet