Sein Herz schlägt für zerbrochene Figuren

Einblicke von und über Ulrich Tukur

Der Charakterdarsteller Ulrich Tukur gibt einige Einblicke in die Zusammenarbeit mit Senta Berger, seine politischen Ansichten und seine Vorbereitungen auf Rollen anlässlich der Dreharbeiten zu "Rückkehr".


ZDF: Was macht die Zusammenarbeit mit Senta Berger so besonders und schön?


Ulrich Tukur: Ich kenne Senta Berger seit 1982, als ich mit ihrem Mann Michael Verhoeven "Die Weiße Rose" drehte. Es war mein erster Film - ihr und ihrem Mann verdanke ich sehr viel. Schon allein deshalb ist es mir eine große Freude, mit ihr - bis auf einen kleinen gemeinsamen TVKurzauftritt in einem Film von Michael Kreihsl - das erste Mal richtig zusammenzuarbeiten. Auch wenn sie ein, zwei Jahre älter ist als ich, hat sie sich eine Schönheit und eine Bescheidenheit bewahrt, die sie vor vielen ihrer physikalisch manipulierten Kolleginnen auszeichnet.


ZDF: Was hat Sie an der Rolle Eric Glasner so gereizt?


Tukur: Herr Glasner ist ein bedauernswerter Mensch, der als Polizeiausbilder in Afghanistan ein traumatisches Erlebnis hatte und seelisch gebrochen nach Deutschland zurückkehrt. Es ist immer interessant, zerbrochenen Figuren Kontur zu geben. Aber er nennt auch das Drama beim Namen: eine verlogene Politik, die Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und, ohne sie mit entsprechenden Kompetenzen auszustatten, in ein Land schickt, in dem faktisch Krieg herrscht.


ZDF: Sie spielen oft Figuren mit einem politischen Hintergrund. Was reizt Sie daran?


Tukur: Ich habe Geschichte an der Tübinger Universität studiert, bevor ich in die Niederungen der Schauspielerei abglitt. Geschichte ist gewissermaßen Politik der Vergangenheit. Und es ist enorm interessant zu sehen, wie vergangene Generationen mit den Anwürfen ihrer Zeit umgegangen sind, wie sie gewonnen oder verloren haben. Die Fehler, die gemacht worden sind, oft vermeintliche Kleinigkeiten mit verheerenden Folgen, sind Dinge, aus denen wir lernen können. Sie verorten mich auch in der Tiefe der Zeit und geben mir einen Halt im politischen Wirrwarr unserer Tage. Auch da betrachte ich mich immer wieder aus einer fiktiven historischen Perspektive und erschrecke darüber, was wir 2011 alles falsch gemacht haben.


ZDF: Sind Sie denn ein sehr politischer Mensch?


Tukur: Ich betrachte, was passiert, mit großer Aufmerksamkeit.


ZDF: Haben Sie durch den Dreh Ihre Meinung über Auslandseinsätze der Bundeswehr geändert oder inwiefern hat Sie die Arbeit für diesen Film verändert?
Tukur: Ich habe meine Meinung nicht ändern müssen. Die Politik unserer Tage wird im Wesentlichen von Menschen betrieben, die jenseits ihrer Parteiensozalisation über keine große Lebenserfahrung und wenig Persönlichkeit verfügen. Woher soll also eine kluge, durchdachte Wehrpolitik kommen? Warum stehen wir in Afghanistan, tun aber nichts gegen Nordafrikas Diktatoren und haben damals - und das war wirklich die Spitze des Elends - dem Völkermord im ehemaligen Jugoslawien zugesehen ohne einzugreifen? Das macht alles keinen Sinn.


ZDF: Sind Sie ein großer Fan von "Unter Verdacht" und Senta Berger?


Tukur: Ich besitze keinen Fernsehapparat und schalte die Kiste auch in keinem Hotel ein. Ich habe also "Unter Verdacht" nie gesehen, finde das Drehbuch aber für dieses Genre überdurchschnittlich originell.

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