"Verletzbar wie wohl keine andere Ermittlerin"

Das ZDF fragt, Drehbuchautor Hartmut Block antwortet

Nach dem Studium arbeitete Hartmut Block, Jahrgang 1957, zunächst als Musiker, Soundtrack-Produzent und Musikjournalist. Später war er Redakteur beim ARD-Vorabendprogramm und betreute verschiedene Serienproduktionen. Seit 2002 ist Hartmut Block Drehbuchautor. In Vorbereitung (zusammen mit Michael Gantenberg) ist neben einem weiteren Drehbuch für die ZDF-Reihe "Unter Verdacht" u. a. die Romanverfilmung "Kein Sex ist auch keine Lösung".


ZDF: Herr Block, Sie arbeiten regelmäßig mit Michael Gantenberg zusammen. Sind sie beide ein eingespieltes Team oder gibt es auch schon mal Unstimmigkeiten? Ist das ein Widerspruch?


Hartmut Block: Unstimmigkeiten sind das Salz in der Suppe, gerade bei einem eingespielten Team wie Michael und mir. Ich merk's immer dann, wenn ich allein schreibe und mit mir selber um den richtigen Weg streiten muss - ob bei Drehbüchern oder bei meinem ersten Roman, der demnächst erscheint. Drehbuchschreiben ist aber letztlich immer Teamarbeit - wenn nicht mit einem anderen Autor, dann im Dialog mit Produzent, Dramaturg und Redakteur.
ZDF: Wie entstand die Idee zur Folge "Tausend Augen"?


Block: Der Ausgangspunkt war eine Figur: ein Mann, der das Know-how hat, die überwältigenden Überwachungsmöglichkeiten, die bei uns eh schon bestehen, zu bündeln und zu benutzen. Und da lag auch die Herausforderung: Wie geht Senta Bergers Figur mit diesem komplexen Thema um? Ihr dafür die richtigen Worte zu geben, war das Schwerste. Aber da stand ihr Rudolf Krause alias Langner zur Seite - ihr Kollege, der für mich zusammen mit Gerd Anthoff als Evas Chef Dr. Reiter eine der wunderbarsten Konstellationen im deutschen Fernsehkrimi darstellt.


ZDF: Welchen Stellenwert nimmt in Ihren Augen das Krimigenre in der deutschen TV-Landschaft ein? Welche Chancen bietet es im Vergleich zu anderen Genres, wenn es um die Darstellung von politischen, gesellschaftlichen oder individuellen Dysfunktionen geht?


Block: Krimi hat da wohl den höchsten Stellenwert. Es gibt ja viel weniger Fernsehfilme, die sich aus anderer Perspektive solcher Themen annehmen - was ich schade finde. Aber Krimi bietet wie kein anderes Genre die Chance, jede Art von Krise in eine starke, populäre Geschichte zu verpacken, die viele Zuschauer erreicht.


ZDF: Für "Unter Verdacht" wird viel im Arbeitsalltag interner Ermittler recherchiert. Wie nah orientieren sich die fiktionalen Geschichten an der Realität?


Block: So nah wie möglich. Wir sind eigentlich immer von etwas Realem inspiriert, besonders aus Spannungsfeldern, in denen Amtsträger gern mal ihre Befugnisse überschreiten. Dann recherchieren wir, verbinden Geschichten, denken sie weiter, machen sie ein bisschen größer als das Leben und spitzen sie so zu, bis sie Leib, Leben und Integrität von Opfern und Helden bedrohen.
ZDF: Wie würden Sie die Figur der Ermittlerin Eva Maria Prohacek beschreiben?


Block: Frei, aber einsam. Jede Krimiheldin geht ihren eigenen Weg, aber die interne Ermittlerin muss ihn sich jedes Mal aufs Neue freischaufeln, gegen die Kollegen, gegen die Mächtigen. Eva Maria Prohacek ist so verletzbar wie wohl keine andere Ermittlerin im deutschen Fernsehen. Trotzdem spürt man ihr Mitleid, mit den Opfern und manchmal mit den Tätern. Dass wir als Autoren Eva Maria Prohacek diesen Spagat zumuten dürfen, verdanken wir ganz klar: Senta Berger.

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