Attentat auf einen Rapper

Zwei Kriminalfälle, eine Tatwaffe

Die Polizei wird zu einem Raubüberfall auf ein Spielcasino in Berlin-Charlottenburg gerufen. Die Täter - so erzählen die Zeugen - waren mit einer Maschinenpistole bewaffnet. Auch ein Schuss sei gefallen. Und tatsächlich: Am Tatort findet die Polizei eine Patrone, die sie auf eine wichtige Spur bringt.

Unerwarteter Zwischenfall

Montag, 14. Februar 2011, Valentinstag. Gegen 21 Uhr befinden sich in der Spielhalle in einem Berliner Hinterhof eine Angestellte und drei Kunden. Plötzlich stürmen zwei Männer in die Spielhalle. Einer der Männer ist unmaskiert. Nach Zeugenaussagen hat er eine Axt dabei, springt über die Theke und fordert von der verängstigten Angestellten Geld. Die 180 Euro aus der Kasse sind ihm wohl nicht genug, deshalb soll er sein Opfer an den Haaren zum Wechselautomaten gezogen haben, dem die Angestellte nochmals 200 Euro entnimmt. Sein Komplize hält inzwischen mit einer Maschinenpistole die Kunden in Schach, die sich in zwei Räumen der Spielothek aufhalten. Zur Einschüchterung schießt er einmal in Richtung Decke. Dabei entsteht kein Schaden, die Waffe ist mit Schreckschussmunition geladen. Dennoch reagiert zumindest einer der Kunden panisch. In einem unbeobachteten Moment flüchtet er aus dem Spielcasino. Als die Täter sein Fehlen bemerken, ergreifen auch sie die Flucht.

Das Raubdezernat der Berliner Kripo übernimmt die Ermittlungen. Dank der Aufnahmen aus der Überwachungsanlage ist schnell klar: die Täter verwendeten als Waffe eine so genannte "Ekol ASI"-Pistole. Außerdem findet die Spurensicherung am Tatort eine Patronenhülse, die beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden aufwändig untersucht wird. Und tatsächlich werden die Experten fündig.

Anschlag auf offener Straße

Mit der Maschinenpistole wurde nach Untersuchungen der Ermittler am Dienstag, dem 14. Juli 2009 ebenfalls in Berlin bei einer schweren Körperverletzung eingesetzt. An diesem Tag drehten die Rapper "Fler" (alias "Frank White") und "Bushido" ein Musikvideo. Gegen 12 Uhr stieg der 27-jährige "Fler" mit seinem Bodyguard und einigen Mitgliedern der Filmcrew in einen Transporter, um an einen anderen Drehort zu fahren. "Bushido" war bereits vorgefahren.

An einer Ampel sollen drei Männer - bewaffnet mit Pistole, Schlagstock und Messer - aus einem dunklen Kombi älteren Baujahrs ausgestiegen sein. Sie sollen - so die Zeugen später - auf die Insassen des Transporters losgegangen sein. Es habe im Auto einen Kampf gegeben, in dessen Verlauf auch mehrere Schüsse gefallen sein sollen.

Frage nach dem Motiv

Auch beim Überfall auf den Musiker war die Waffe lediglich mit Schreckschuss-Munition geladen. Die Insassen des Autos wurden deshalb nicht schwer verletzt. Sie erlitten leichte Verbrennungen und einige von ihnen Knalltraumata. Der Fahrer des Wagens hatte weniger Glück: Nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf verlor er kurzzeitig das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, gab er Gas. Die Opfer flüchteten in ein kleines Café. Von dort aus alarmierten sie die Polizei.

Das Motiv für die Tat konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Unklar ist auch, ob die Spielhallen-Räuber und die Männer vom Überfall auf die Filmcrew identisch sind. Fest steht nur: Bei beiden Taten wurde mit derselben Waffe geschossen.

Personenbeschreibungen

Der Mann, der bei dem Überfall auf den Rapper Fler die Maschinenpistole dabei gehabt haben soll, ist nach den Angaben der Zeugen 25 bis 30 Jahre alt, circa 1,85 Meter groß und von kräftiger, sportlicher Figur. Er habe einen Drei-Tage-Bart sowie kurzes schwarzes Haar. Die Zeugen hielten ihn für einen Südländer.
Von seinen beiden Komplizen gibt es nur grobe Beschreibungen. Sie sollen zwischen 20 und 30 Jahre alt und ebenfalls Südländer sein. Bewaffnet seien sie mit Teleskop-Schlagstock und Messer gewesen.


Bei dem Überfall auf die Spielothek am 14. Februar 2011 soll einer der Täter Mitte bis Ende 20, etwa 1,73 Meter groß und kräftig sein. Er soll kurzes braunes Haar und dunkle Augen haben sowie Hochdeutsch gesprochen haben.
Sein Komplize soll etwas größer sein, ebenfalls kurzes braunes Haar haben und fließend Deutsch sprechen. Als Maskierung trug er - wie auf Fotos zu sehen - eine auffällige helle Sturmhaube mit Augen- und Nasenöffnung. Er war mit der Maschinenpistole bewaffnet, die bereits bei dem Angriff auf den Rapper und seine Crew verwendet worden war.

Tatwaffe

Fragen nach Zeugen

Bei der Tatwaffe handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine "Ekol ASI"-Pistole. Geladen war sie mit Schreckschussmunition, Kaliber 9 Millimeter.



Zurückgelassene Gegenstände:
In der Spielothek ließen die Täter eine schwarze Plastiktüte zurück, die unter anderem die Aufschrift "www.umarex.com" trug. Die Firma Umarex stellt unter anderem Softair- und Gasdruckwaffen her.


- Wer kennt die Männer auf den Bildern der Überwachungskamera?
- Wo sind die Männer vielleicht beim Kauf der Schreckschussmunition aufgefallen?
- Wer hat Beobachtungen gemacht, die mit dem Überfall auf das Spielcasino am 14. Februar 2011 in Berlin und/oder dem Angriff auf die Filmcrew am 14. Juli 2009 - ebenfalls in Berlin - zusammenhängen könnten?




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