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Tödliche Betäubung

61-Jähriger stirbt nach Verabreichung von KO-Tropfen

Auf einem Autobahn-Parkplatz liegt nachts bei Eiseskälte ein Mann im Gras. Er lebt, ist aber bewusstlos und völlig unterkühlt. Er wird ins Krankenhaus gebracht, wo er Stunden später stirbt. Was die Obduktion zutage bringt, ruft die Kriminalpolizei auf den Plan.

XY-Szenenfoto: Der 61-Jährige will mit dem Bus nach Jugoslawien fahren, wird aber nie einsteigen.
XY-Szenenfoto: Der 61-Jährige will mit dem Bus nach Jugoslawien fahren, wird aber nie einsteigen.
Quelle: ZDF

1991: Tado Lončar ist 61 Jahre alt und Frührentner. Er lebt in einem kleinen Dorf in Jugoslawien. Es ist die Zeit der sogenannten „Balkan-Kriege“, die mit dem Zerfall Jugoslawiens enden werden. 1991 allerdings ist die Lage im Land noch unübersichtlich.

Zurück nach Deutschland

Wer ist für den Tod von Tado Lončar verantwortlich?
Wer ist für den Tod von Tado Lončar verantwortlich?
Quelle: Kripo Alsfeld

Tado Lončar hatte in den 1970er-Jahren in Deutschland gelebt und gearbeitet, er bezieht eine kleine Rente. Aufgrund der Kriegswirren und eines Wirtschaftsembargos werden die Altersbezüge aber nicht nach Jugoslawien überwiesen. Notgedrungen muss der 61-Jährige nach Deutschland reisen, um seine Jahres-Rente in bar abzuholen. Tado Lončar lebt in ärmlichen Verhältnissen. Er ist dringend auf das Geld angewiesen.

Am 6. Dezember 1991 will er wieder zurück nach Jugoslawien reisen. Von Stockstadt aus, wo er bei einem Freund übernachtet hat, fährt er mit dem Zug nach Frankfurt am Main. In der Nähe des Hauptbahnhofs geht er in ein Reisebüro, um seine Busfahrkarte abzuholen. Von dort ist es nur eine kurze Strecke bis zum Bus, der ihn  nach Jugoslawien bringen soll. Doch Tado Lončar steigt nicht ein.

Schreckliche Entdeckung

Tado Lončar wurde auf einem Parkplatz in der Gemeinde Gemünden (Felda) aufgefunden.
Tado Lončar wurde auf einem Parkplatz in der Gemeinde Gemünden (Felda) aufgefunden.
Quelle: Google Earth / ZDF

Stattdessen findet ihn ein Abschleppunternehmer am 7. Dezember 1991, gegen 4 Uhr, auf einem Parkplatz an der A5 bei Alsfeld – etwa 100 Kilometer nördlich von Frankfurt/Main. Tado Lončar ist bewusstlos und völlig unterkühlt. Im Krankenhaus stirbt er kurz darauf.

Sein Leichnam wird untersucht. Dabei kommt heraus: Tado Lončar hat einen Blutalkoholwert von 0,59 und ein verschreibungspflichtiges Medikament im Blut, das stark betäubend wirkt und zu ohnmachtsähnlichen Schlaf- und Bewusstseinsstörungen führt. Außerdem sorgt der Wirkstoff dafür, dass der Körper schneller Wärme abgibt – so dass bereits bei Außentemperaturen unter 15 Grad eine lebensbedrohliche Unterkühlung entstehen kann.

Zusammenhang mit anderen Fällen

Die Polizei glaubt, Tado Lončar wurde das Medikament heimlich verabreicht, um ihn zu betäuben. Anschließend wurde er vermutlich ausgeraubt – die von ihm abgeholte Jahresrente in Höhe von 2500 D-Mark konnte nie aufgefunden wurden. Nach der Tat legten der oder die Täter den Bewusstlosen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem Autobahnparkplatz im Gras ab.

Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zu einer ganzen Serie von Taten, die alle im Zeitraum von 1991 bis 1995 stattgefunden haben. Dabei wurden die Opfer mit demselben Wirkstoff wie Tado Lončar betäubt, ausgeraubt und anschließend achtlos abgelegt. Die Täter dieser Serie konnten gefasst und verurteilt werden. Allerdings: Die nachgewiesenen Fälle der Bande fanden alle im Raum Bayern statt – kein einziger bekannter Fall in Hessen. Sind die Parallelen also nur Zufall, oder besteht doch ein Zusammenhang?

Beschreibung geraubter Gegenstände:

Tado Lončar hatte zwei Taschen dabei: Eine war schwarz mit lilafarbenem Streifen auf der Vorderseite, die andere eher abgenutzt und vermutlich in der Farbe Grün. Außerdem trug Tado Lončar eine silberfarbene Armbanduhr mit Metallarmband und arabischen Zahlen auf dem Ziffernblatt, die seit der Tat ebenfalls fehlt.

Fragen nach Zeugen:

  • Wer hat 1991 Beobachtungen gemacht, die mit dem Tod von Tado Lončar in Verbindung stehen könnten?
  • Wer hat beobachtet, wie Männer im Rhein-Main-Gebiet verdächtig von anderen  Personen (eventuell auf Jugoslawisch) angesprochen und zu einem alkoholischen Getränk eingeladen wurden?
  • Wo gab es im Spätsommer oder Herbst 1991 ähnlich gelagerte Fälle im Rhein-Main-Gebiet, die gegebenenfalls nicht zur Anzeige gebracht worden sind bzw. als Unfall behandelt worden sind?
  • Wo sind nach dem 6. Dezember 1991 die beiden fehlenden Taschen oder die Uhr aufgefallen oder gefunden worden?
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