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Ein Kind wird lebendig begraben

Der Fall: Ursula Herrmann

Er ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte. Und eine Tat, die auch XY-Gründervater Eduard Zimmermann Zeit seines Lebens nicht losließ: Das Verbrechen an der zehnjährigen Ursula Herrmann, die in einem Verlies unter der Erde starb.

XY-Szenenfoto: Die 10-jährige Ursula verschwindet auf dem Nachhauseweg. Ihre Eltern sind in tiefer Sorge – da melden sich die Entführer.
XY-Szenenfoto: Die 10-jährige Ursula verschwindet auf dem Nachhauseweg. Ihre Eltern sind in tiefer Sorge – da melden sich die Entführer.
Quelle: ZDF

Am Abend des 15. September 1981, gegen 19.30 Uhr, verabschiedet sich die 10-jährige Ursula Herrmann von ihrer Freundin in Schondorf am Ammersee. Es ist ein Abschied für immer. Auf dem Heimweg ins nur wenige Kilometer entfernte Eching wird sie von einem Mann entführt und in eine im Erdboden vergrabene Kiste eingesperrt.

Große Sorge

Als Ursula nicht nach Hause kommt, machen sich ihre Eltern auf die Suche und verständigen die Polizei. Zunächst ohne Erfolg. Etwa vier Stunden später wird das Fahrrad von Ursula gefunden. Es lehnt an einem Baum – von der Zehnjährigen gibt es zunächst keine Spur.

Kurz darauf melden sich die Entführer bei den Herrmanns – telefonisch und per Brief. Sie verlangen ein hohes Lösegeld. Die Familie sagt zu, das Lösegeld bezahlen zu wollen – doch verlangt ein Lebenszeichen von Ursula. Danach bricht der Kontakt zu den Entführern ab.

Endlich Gewissheit

Am 4. Oktober 1981 entdeckt ein Suchtrupp der Polizei schließlich eine auffällige Stelle auf einer Lichtung im Wald zwischen Schondorf und Eching. Der Erkennungsdienst beginnt zu graben und findet im Erdboden eine aus Holz gezimmerte Kiste. Als die Beamten diese öffnen, sitzt darin Ursula Herrmann. Sie ist tot.

Die Kiste, in der Ursula starb, weist einige Besonderheiten auf. Sie ist ausgestattet mit Licht und einem umgebauten Radio, einer Sitzgelegenheit und einem kleinen Tisch sowie einer Art Belüftungssystem aus Kunststoffrohren und Siphons, das allerdings nicht funktionierte. Ursula Herrmann ist aufgrund der fehlenden Sauerstoffversorgung in der Kiste erstickt.

Spurensuche

Außerdem finden die Ermittler Lesestoff, Essen und Trinken für mehrere Tage sowie Wechselkleidung. Die Polizei untersucht sämtliche Gegenstände in der Kiste – doch nichts führt auf die Spur des Täters.

XY-Szenenfoto: Der Verdächtige ist nach der Tat an die Ostsee gezogen, wo er einen Stand mit bayerischen Spezialitäten führt.
XY-Szenenfoto: Der Verdächtige ist nach der Tat an die Ostsee gezogen, wo er einen Stand mit bayerischen Spezialitäten führt.
Quelle: ZDF

Durch einen anonymen Hinweis gerät ein Mann ins Visier der Polizei, der nur wenige hundert Meter von Ursula Herrmanns Elternhaus entfernt wohnt. Es gibt einige Indizien, die für eine Tatbeteiligung sprechen: Der Verdächtige hat beispielsweise kein Alibi für den Tatabend, besitzt die Fertigkeiten, eine solche Kiste zu bauen und hat akute Geldsorgen. Er hat vor Jahren einen Hund in die Kühltruhe gesperrt und dort erfrieren lassen. Außerdem sagt ein weiterer Zeuge aus, für den Verdächtigen ein Loch im Wald gegraben zu haben. Doch in der Summe reichen die Indizien nicht für eine Anklage vor Gericht aus.

Neuer Versuch

Im Herbst 2007 – 26 Jahre nach dem Verbrechen an Ursula – plant die Polizei eine groß angelegte Aktion, bei der sie weitere Indizien oder sogar Beweise für eine Täterschaft des Verdächtigen zu finden hofft. Und tatsächlich: In den Wohnräumen des Mannes wird ein Tonbandgerät gefunden, das zwei Defekte aufweist. Genau dieselben Defekte hatte das Gerät, das die Entführer verwendet haben. Es werden noch weitere Indizien gefunden. So bezeichnet der Verdächtige am Telefon den Tod der Zehnjährigen als „Betriebsunfall“ und macht sich Gedanken über eine Verjährung der Tat.

Im März 2010 wird der Beschuldigte nach einem langwierigen Indizienprozess beim Landgericht Augsburg wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigt schließlich das Urteil.

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