Bezness auf dem Vormarsch

Neue Form des Liebesbetrugs

Der Begriff „Bezness“ setzt sich aus den Begriffen „Beziehung“ und „Business“ zusammen. Für die oft weiblichen Opfer beginnt die vermeintlich große Liebe im Urlaub. Ein einheimischer Mann bemüht sich um die Urlauberin, umgarnt und schmeichelt ihr. In Wirklichkeit hat er aber nur ein Ziel: Sein ahnungsloses Opfer finanziell auszunehmen.

XY-Szenenfoto: Aus einem scheinbar harmlosen Urlaubsflirt kann ganz schnell Bezness werden.
XY-Szenenfoto: Aus einem scheinbar harmlosen Urlaubsflirt kann ganz schnell Bezness werden. Quelle: Securitel

Eine Frau aus Reutlingen verbringt regelmäßig Urlaube in Ägypten. In ihrem Hotel bemüht sich einer der Angestellten besonders um sie. Ali schmeichelt der 38-Jährigen, macht ihr Komplimente. Es kommt zu mehreren Treffen. Relativ schnell spricht der Ägypter von der ganz großen Liebe. Trotz der anfänglichen Skepsis der Reutlingerin bleibt er am Ball – und erreicht schließlich sein Ziel: Die 38-Jährige verliebt sich in ihn.

Orfi-Vertrag abgeschlossen

Die Gesetze in Ägypten sind streng. Ein enger Kontakt zwischen Einheimischen und Urlaubern ist streng verboten. Doch es gibt einen Weg, dies zu umgehen: der so genannten Orfi-Vertrag - eine Art vorübergehende Ehe, die nur im Touristenort gültig ist. Ali überredet seine neue Lebensgefährtin, einen solchen Vertrag einzugehen.

XY-Szenenfoto: Die Opfer verlieren beim Bezness nicht nur viel Geld, sondern auch das Vertrauen in ihre Gefühle.
XY-Szenenfoto: Die Opfer verlieren beim Bezness nicht nur viel Geld, sondern auch das Vertrauen in ihre Gefühle. Quelle: Securitel

Doch das ist erst der Anfang. Der Ägypter drängt bald auf eine „richtige“ Hochzeit. Zusammen in Deutschland – so der Plan – will das Paar glücklich werden. Doch bereits kurz nach seiner Einreise fordert Ali vermehrt Geld. Immer wieder gibt er triftige Gründe für seine Geldforderungen an: Mal geht es seinem Bruder finanziell schlecht, mal braucht seine Mutter eine Brille. Immer wieder streitet sich das frisch gebackene Ehepaar ums Geld, denn längst ist die frisch gebackene Ehefrau an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten.

Ziel: deutsche Staatsbürgerschaft

Schließlich bekommt Ali den positiven Bescheid für die deutsche Staatsbürgerschaft. Sein Verhalten ändert sich schlagartig. Er beendet sofort die Beziehung, macht seiner Frau Vorwürfe, weil sie ihm kaum Geld gegeben habe. Kurz darauf wird klar: Die Reutlingerin war nicht die einzige Frau, die Ali um Geld gebeten hat. Er hatte gleichzeitig mehrere Beziehungen zu zahlreichen anderen Frauen.

Die Masche: Bezness

Vor allem typische Urlaubsländer in Nordafrika sowie die Karibik und Brasilien sind vom so genannten Bezness betroffen. Allein aus Tunesien werden laut Experten rund 1800 schwere Betrugsfälle gemeldet. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch, weil sich viele Frauen schämen, blind vor Liebe gewesen zu sein. Doch auch immer mehr Männer sind vom Liebesschwindel betroffen. In Deutschland ist Bezness vom Gesetz her bislang keine Straftat.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Bleiben Sie bei einer Urlaubsbekanntschaft skeptisch! Werden Sie hellhörig, wenn er ständig nach Geld fragt!
  • Lassen Sie sich einen Ausweis zeigen und machen Sie eine Kopie! Wenn er ehrlich ist, wird er nichts dagegen haben.
  • Bezahlen Sie nichts! Kein Essen, keinen Discobesuch, kein Handy – auch, wenn das Helfersyndrom zu siegen droht!
  • Täuschen Sie Schulden vor! Wenn er Sie tatsächlich mag, wird es ihm nichts ausmachen!

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